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Kenia Mai 2013

Abschlussbericht

Vom 17. Mai bis 1. Juni absolvierte die Abteilung Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. den fünften notfallpädagogischen Einsatz im kenianischen Flüchtlingslager Kakuma. Im Fokus dieses Einsatzes stand die Weiterbildung der lokalen Angestellten, das Monitoring des Projektverlaufs sowie Gespräche mit UNHCR und anderen Organisationen vor Ort, um die Finanzierung dieses Projekts für die Zukunft sicherzustellen.  

Das notfallpädagogische Projekt der Freunde der Erziehungskunst in Kakuma besteht seit knapp 18 Monaten und ist in dieser Zeit stetig gewachsen: begonnen wurde mit 13 Angestellten und einem "child friendly space" im "Reception Centre" sowie dem Kindergarten Songot. Mittlerweile verrichten 35 Angestellte (die meisten von ihnen selbst Flüchtlinge) die tägliche Arbeit, die über die genannten Bereiche auf ein weiteres "child friendly space" in der "Protection Area" sowie einem Programm für "child friendly activities" in den Grundschulen des Camps ausgeweitet wurden.  

Vor Ort bestätigte sich der positive Eindruck des Projektverlaufs, der schon aus vorigen Einsätzen bestand: In allen Komponenten des Projekts hat sich eine klare Tagesstruktur etabliert, innerhalb derer den Kindern eine Vielfalt an pädagogischen Angeboten unterbreitet wird. Getragen wird diese Arbeit von dem vertrauensvollen Verhältnis der Heranwachsenden zu den Angestellten, das sich in den vergangenen Monaten gefestigt hat. Eine besondere Herausforderung in diesem Einsatz bestand für die Arbeit im Reception Centre darin, dass dort im Moment fast täglich außergewöhnlich viele neue Flüchtlinge Zuflucht suchen. Diese Menschen fliehen größtenteils aufgrund des wieder aufflammenden Bürgerkriegs im Süd-Sudan, von dem in den europäischen Medien kaum etwas zu lesen ist.  

Die tatsächliche Not in Kakuma zeigt sich jedoch nicht nur in der bloßen Anzahl der Flüchtlinge, sondern vor allem in der Vielzahl der dramatischen Schicksale, die in dem Flüchtlingslager zusammentreffen. Die Geschichte eines sechsjährigen kongolesischen Jungen, der in Kakuma seit Beginn 2012 notfallpädagogisch begleitet wird, ist dafür beispielhaft: Im Alter von vier Jahren wurden seine Eltern bei einem Überfall auf sein Heimatdorf von Rebellen ermordet. Nachbarn nahmen ihn auf der Flucht mit nach Kakuma. Dort  kam er in den Kindergarten Songot. In seiner Pflegefamilie im Lager wurde er immer wieder misshandelt. Als seine Pflegemutter ihn mit einem brennenden Stock die Lippen verbrannte, weil er eines ihrer Kinder beleidigt hatte, griff die "child protection" (eine Instanz von UNHCR Kakuma zum Schutz von Kindern) ein und brachte ihn in einer anderen Pflegefamilie in der "Protection Area" unter. Hier lebt er im Moment sicher und nimmt an den täglichen Aktivitäten im "child friendly space" teil - die Verheilung der seelischen Wunden wird aber noch lange Zeit in Anspruch nehmen.  

Im täglichen Fokus dieses Einsatzes stand insbesondere die Fortbildung der Mitarbeiter. Die meisten von ihnen leben selbst als Flüchtlinge in Kakuma und verfügen über pädagogische Grundkenntnisse, sind aber nicht auf die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Um sie bestmöglich auf diese Aufgabe vorzubereiten, kam bei dieser Intervention ein zweigliedriges Weiterbildungskonzept zum Tragen: Vormittags wurden neue Methoden vermittelt, die das deutsche Team sogleich in der praktischen Arbeit mit den Kindern anwendete. Hierzu waren alle Teammitglieder bestimmten Arbeitsbereichen zugeordnet, in denen ihre Arbeit als besonders passend und die Weiterbildung der Angestellten als besonders dringlich angesehen wurde. Nachmittags bot sich in verschiedenen Gruppen die Gelegenheit, die Methoden des Vormittags auszuweiten, zu vertiefen und entstandene Fragen zu diskutieren.

Die thematischen Schwerpunkte der Weiterbildung lagen neben der allgemeinen waldorfpädagogischen Arbeit auf der Zirkuspädagogik, die zum ersten Mal in Kakuma eingesetzt wurde und insbesondere von den älteren Jugendlichen sehr gut angenommen wurde. Desweiteren wurde die kunstpädagogische Arbeit, insbesondere in Form von Land-Art und Malerei, sowie die heilpädagogische Beratung fortgesetzt.  

Die Gespräche mit UNHCR, dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, verliefen zu Teilen positiv. Von der bisherigen notfallpädagogischen Arbeit in Kakuma überzeugt, gab UNHCR uns die Zusage für eine finanzielle Unterstützung in den nächsten Jahren, damit dieses Projekt fortbestehen kann. Zwar reichen die in Aussicht gestellten Mittel alleine nicht aus, aber damit ist zumindest ein Anfang gemacht, auf den aufgebaut werden kann. Die Notfallpädagogik wird daher auch in Zukunft auf Spenden angewiesen sein - aber die Erfahrung aus Kakuma hat wieder mal eines gezeigt: Die Unterstützung dieser Arbeit lohnt sich.  

Nach zwei Wochen anstrengender und intensiver Arbeit wurde der Einsatz mit einer öffentlichen Präsentation beendet, in der alle Gruppen einen Ausschnitt ihrer täglichen Aktivitäten präsentieren konnten. Im Beisein von zahlreichen Eltern und bei ausgelassener Stimmung bestand so gleichzeitig die Möglichkeit, die Notfallpädagogik stärker in die Öffentlichkeit zu tragen und in Kakuma bekannter zu machen. Begleitet wurde diese Präsentation von einer kleinen Kunstausstellung, in der die während der letzten Wochen entstandenen Bilder, Plastiken und Figuren ausgestellt wurden.  

Die Freunde der Erziehungskunst bedanken sich sehr herzlich bei allen Teammitgliedern, die ihre Arbeitskraft und ihren Enthusiasmus ehrenamtlich diesem Projekt gewidmet haben. Der positive Verlauf dieses Projekts und die Reaktionen der Kinder und Jugendlichen in Kakuma, die täglich von dieser Arbeit profitieren, bestätigen die Überzeugung, dass es dort nach wie vor einen großen Bedarf an traumapädagogischen Angeboten gibt. Diese Motivation wird mitgenommen, um sich auch in Zukunft für das Fortbestehen und die Förderung der Notfallpädagogik in Kakuma einzusetzen.           

Malte Landgraff   

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