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Gaza Juli 2010

Gaza ... und die Hoffnung stirbt

Die notfallpädagogische Krisenintervention der Freunde der Erziehungskunst vom 17. bis 31. Juli 2010

Auf den ersten Blick ist alles besser. Der Grenzübergang Erez ist betoniert. Die Trümmer in Gaza sind an vielen Orten verschwunden. Der erste Eindruck suggeriert, dass sich die Situation im Gaza-Streifen zum Wohle der Menschen stabilisiert hat.

Wagt man jedoch einen Blick hinter die Kulissen, wird deutlich, dass die Situation der Menschen nicht besser, sondern schlechter geworden ist. Kaum einer hat die Hoffnung darauf, sich eines Tages frei bewegen zu können. Gaza verlassen? Unmöglich! Bei einer Arbeitslosigkeit von über 80 % sind es vor allem die Männer, die in eine hoffnungslose Zukunft blicken. Woher sollen sie Arbeit bekommen? Dass sie ihre Kinder bei militärischen Angriffen nicht beschützen können, mussten ihre Familien schmerzhaft erfahren. Fast wöchentlich gibt es kriegerische Übergriffe im Gaza. Am 22. Juli gab es in Beit Hanoun einen Nagelbombenangriff, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen und vier Kinder verletzt wurden. Die Hoffnung auf eine friedliche und sichere Zukunft stirbt. Die Menschen sind ständigen Re-Traumatisierungen ausgesetzt.

Bereits im Jahr 2009 führten die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners zwei notfallpädagogische Kriseninterventionen in der Kriegsregion Gaza durch. Die Begegnungen mit zahlreichen kriegstraumatisierten Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern war der Auslöser in Verhandlungen mit dem Auswärtigen Amt zu treten, um ein Langzeitprojekt im Gaza-Streifen zu etablieren.

Erstmals mit Förderung des Auswärtigen Amtes führten die „Freunde“ vom 17. bis 31. Juli ihre dritte Intervention in der Krisenregion durch.
In Kooperation mit dem Al-Qattan Centre for the Child konnten die „Freunde der Erziehungskunst“ einen Kinderschutzraum - ein sogenanntes Child Friendly Space - für die Kinder des Samouni-Clans einrichten. Der Samouni-Clan war während der israelischen Militäroffensive im Winter 2008/09 schwer von den kriegerischen Auseinandersetzungen getroffen worden, bei denen 36 Clan-Mitglieder getötet wurden – darunter auch Kinder.
Für das Child Friendly Space wurde ein Raum angemietet, der mit Bastmatten ausgelegt und mit Plastikstühlen- und tischen bestückt wurde. Ein Tank, der 1000 Liter Wasser fasst, wurde ebenfalls organisiert, so dass den Kindern sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht.
Im Zuge des Einsatzes wurden auch lokale Fachkräfte in Methoden der Notfallpädagogik auf Grundlage der Waldorfpädagogik geschult, so dass sieben von ihnen die Arbeit im Child Friendly Space weiterführen können.

Das „Freunde-Notfallteam“ arbeitete auch mit Kindern im Al-Qattan Centres for the Child, die während der drei-monatigen Sommerferien an den Summercamps der Einrichtung teilnehmen. „Die Kinder des Samouni-Clans kennen im Vergleich zu den Kindern im Al-Qattan Centre keine Strukturen“, berichtet Kristina Manz, Organisatorin und Einsatzleiterin. Die Kinder können sich auch nur kurze Zeit auf eine Sache konzentrieren und brechen schnell aus einer Gruppe aus. Aber gerade die Rhythmuspflege reorganisiert die durch das Erlebte zerstörten Rhythmen wieder, und Rituale bieten Kindern Orientierung und Halt. Daher ist es wichtig, bei der Arbeit mit den Kindern des Samouni-Clans eine Tagesstruktur einzuführen, an der sie sich orientieren können. So beginnt jeder Tag zum Beispiel mit einem Eröffnungs- und endet mit einem Abschlusskreis. Dazwischen werden mit den Mädchen und Jungen in unterschiedlichen Gruppen erlebnispädagogisch und kunsttherapeutisch gearbeitet. Ebenso gibt es Eurythmie- und Kleinkindpädagogikgruppen.

Um den lokalen Fachkräften weiter in ihren Handlungskompetenzen zu schulen, wird es im Oktober dieses Jahres einen weiteren Nachsorgeeinsatz mit Förderung des Auswärtigen Amtes im Gaza-Streifen geben.

Auch wenn sich die Situation im Gaza-Streifen nicht oder nur sehr langsam zum Positiven verändern wird, bleibt es die Aufgabe, den Menschen bei der Bewältigung ihrer Erlebnisse zu unterstützen und ihnen Momente der Freude zu bereiten. Denn auch Freude heilt.

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