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Was bleibt, ist die Begegnung

Bereits seit 10 Jahren führen die Freunde der Erziehungskunst in Krisengebieten und nach Katastrophen notfallpädagogische Einsätze durch. Die weltpolitischen Ereignisse und die Flucht vieler Menschen zu uns nach Deutschland schafften auch hier den Bedarf für die stabilisierende und heilende pädagogische Arbeit der Notfallpädagogik. Dies umfasst Angebote für Kinder in Unterkünften und in den Eingangsklassen für unbegleitete Minderjährige sowie Fortbildung und Beratung  für Menschen, die mit Geflüchteten arbeiten.

Notunterkunft Karlsruhe, Herbst 2015: Eine Kollegin erzählt: „Ich habe mit Kindern im Irak und auf der Fluchtroute gearbeitet, nun sind diese Kinder hier. Vieles ist ähnlich improvisiert, wir arbeiten auf dem Boden, zwischen Zelten, ohne Räume. Aber was bleibt, ist die Begegnung. Sei es über Bewegung, Malen, Filzen oder über Worte, Gesten, Augen-Blicke oder Berührungen.“

Die Kinder kennen uns schon, sie holen die anderen und dann geht es los. Ein Lied, rhythmisches Klatschen, anschließend Bewegungsspiele,  Hüpfen, oder Malen, Kneten oder Filzen.Die wiederkehrenden Elemente geben den Kindern Orientierung und Halt. Im Spiel sind sie freudig und ausgelassen, dann wieder hoch-konzentriert z.B. beim Balancieren. Später bedanken sich die Eltern und es ist zu spüren, wie froh sie sind, dass wir mit ihren Kindern spielen und Freude bringen. Etwas, das sie selbst ihnen derzeit nicht oder nur schwer geben können.

Notfallpädagogisches Kompetenzzentrum Karlsruhe: Das traumapädagogische Wissen und die Erfahrung aus vielen Akuteinsätzen ist auch bei Fachleuten in der Region und bundesweit gefragt. Initiativen anderer Städte bitten um Fortbildungen oder telefonische Beratung, wir organisieren Tagungen und Seminare zu Flucht-Trauma-Pädagogik. Auch der Bedarf an neuen Themen wird größer  dennan vielen Orten ist die Arbeit in einer zweiten Phase angekommen. Nachdem der große Stress nachlässt, können sich tiefere, auch schmerzhafte Schichten zeigen, die bishervermieden und nun wahrgenommen sein wollen. Es braucht Behutsamkeit und den Blick auf die vorhandenen Ressourcen des Einzelnen; eine traumasensitive Pädagogik, die den ganzen Menschen in seiner Gesundheit stärkt.

Parzival-Zentrum Karlsruhe: Hier werden 160 Jugendliche mit Fluchthintergrund in 9 Klassen beschult. Unsere  notfallpädagogische Arbeit erntet zunächst skeptische Blicke– alles, was nicht Tafel und Schreiben ist, gilt nicht als Lernen. Aber  nach einigen Tagen fragen einzelne Jugendliche von sich aus nach den spielerischen und künstlerischen Elementen.
45 Minuten Formenzeichnen in der Eingangsklasse: Die (13- bis 17-jährigen) Jugendlichen ringen um Kontinuität und Ästhetik in der Linienführung: Wie male ich einen Kreis oder eine liegende Acht „am Stück“? Wie wird der Kreis rund und wie geht das mit dem Kreuzen bei einer liegenden Acht?  Nach einigen Malen wird der Kreis immer „schöner“ oder der Kreuzungspunkt der Acht immer „mittiger“. Sie erleben: In jedem Moment kann ich etwas NEU machen. Gestärkt in ihrem Willen und ihrer Selbstwirksamkeit gehen die jungen Männer aus dieser Stunde. Einer äußert, es habe gut getan, er sei so entspannt und habe etwas ganz Neues gelernt. Und ganz nebenbei trug die Verknüpfung von rechts und links in diesem kreativen Prozess dazu bei, gehirnphysiologisch lern- und aufnahmebereiter zu sein.

Der Prozess gelingender Integration braucht von uns allen:
Da-SEIN, manchmal auch anders als bisher, damit auch der andere Mensch ganz da sein kann. Bei mir und bei Dir und in dem Raum dazwischen sein, ohne Wertung, in Geistes-Gegenwart.  Belohnt wird diese Anstrengung vom Glück lebendiger Menschen-Begegnung.

Text: Fiona Jaffke

News

  • +++ 01.10.2018 +++

    Katastrophe in Indonesien

    Das schwere Erdbeben und der Tsunami vom Oktober hat der indonesischen Insel Sulawesi Tod und Zerstörung gebracht.  Um die traumatisierten Menschen in der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu unterstützen, fand im November ein notfallpädagogischer Einsatz in der Krisenregion statt. weiter

  • +++ 21.09.2018 +++

    Hilfe auf den Philippinen

    Ein Team der Notfallpädagogik fliegt vom 27.09. bis zum 08.10. auf die Philippinen. Gemeinsam mit vier lokalen Kollegen werden sie die Betroffenen des Taifun „Mangkhut“ unterstützen. Der Sturm hat auf den Philippinen schlimme Schäden angerichtet und viele Menschen das Leben gekostet. Erdrutsche und Schlammlawinen erschweren die Situation zusätzlich.

  • +++ 20.09.2018 +++

    Einsatz in Gaza

    Im Herbst reist erneut ein dreiköpfiges Notfallpädagogik-Team nach Gaza. Unterstützt von der DROSOS-Stiftung soll ein Handbuch (Guidelines) für lokalen Pädago*innen des Nawa Centers und des Kindergartens entstehen. Die Workshops und der Einsatz dienen zur Vorbereitung dieses kulturellangepassten und genau auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnittenen Leitfadens.

  • +++ 11.06.2018 +++

    HINWEIS: Notfallpädagogische Jahrestagung 2019

    Vom 20.-23. Juni 2019 findet die achte Notfallpädagogische Jahrestagung in den Räumlichkeiten des Parzival-Zentrums in Karlsruhe statt.
    Unter dem Titel „Notfallpädagogik - Wie Pädagogik verletzten (Kinder-) Seelen helfen kann“, legen wir bei unserer nächsten Jahrestagung den Fokus auf die Basis der Notfallpädagogik.

    Programm und weitere Informationen

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