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Slowenien 2015

Flüchtlingskinder im Camp von Sentilj: Notfallpädagogik stabilisiert

In schier endlosen Kolonnen schleppt sich ein Treck des Elends vom provisorisch errichteten Behelfsbahnsteig ins slowenische Flüchtlingscamp Sentilj: Junge, Alte, hochschwangere Frauen, Verletze, Kranke, Väter mit erschöpften Kindern auf den Schultern und junge Männer, die beinamputierte Freunde tragen. In langen Reihen halten sich ganze Familienverbände an Händen oder Schultern, um sich im Gedränge nicht zu verlieren. 7000 bis 10000 Flüchtlinge passieren hier täglich den Grenzübergang Spielfeld nach Österreich, begleitet von schwerbewaffneten Polizeieinheiten.

In den notdürftig geheizten Massenunterkünften herrscht drangvolle Enge. Die Menschen lagern in Decken gehüllt auf aneinandergereihten Feldbetten. Etwa 1000 Menschen fasst ein Großzelt. Überall im Lager befinden sich Messstationen, mit deren Hilfe die Gesundheitsbehörden den Ausbruch einer befürchteten Epidemie frühzeitig zu erkennen versuchen. Etwa zwei Drittel aller Flüchtlinge sind krank oder verletzt. Infektionskrankheiten, Fieber, Atemwegserkrankungen, Durchfälle und Hauterkrankungen sind weit verbreitet. Viele Verletzungen, Schusswunden oder Knochenbrüche sind mangelhaft versorgt. Im Not-Lazarett des slowenischen Roten Kreuzes herrscht Hochbetrieb. „Wir machen hier Kriegsmedizin“, beschreibt ein Arzt fast beschämt die medizinischen Versorgungsstandards.

Kinder in solchen Situationen zu emotional zu stabilisieren und zu stützen ist das Hauptanliegen der notfallpädagogischen Helfer. Täglich bieten die Pädagogen und Therapeuten psychosoziale Hilfe an:

Die Kinder stehen in einem großen Anfangskreis. Ein gemeinsames Auftaktlied erschallt, gefolgt von rhythmischen Klatsch- und Stampfübungen. Anschließend setzt sich der Kreis in Bewegung, um eine ein- und ausrollende Spirale zu vollziehen. Danach folgen eurythmistische Übungen. Vom großen Kreis geht es anschließend in verschiedene Workshops. Im Formenzeichnen werden Lemniskaten geübt, im Malen aquarelliert, im Zeichnen Erlebnisse bildhaft ausgedrückt. Eine Gruppe eurythmisiert. Eine andere Gruppe bekommt derweil eine Geschichte erzählt, wieder andere singen. In der erlebnispädagogischen Gruppenarbeit wird das Vertrauen in sich und Andere gestärkt, die Konzentrationsfähigkeit wird geübt und soziale Kompetenz wird spielerisch neu aufgebaut.
Ein Abschlusskreis mit rhythmischen Übungen und einem Schlusslied beendet die Arbeit. Die Kinder werden verabschiedet und entlassen.
Ein Mitarbeiter des slowenischen Zivilschutzes, der die notfallpädagogische Arbeit mit den Kindern aufmerksam beobachtet hatte, ist erstaunt, wie schnell sich bei den beteiligten Kindern eine deutlich wahrnehmbare Entkrampfung einstellt und sich die friedlich-beruhigende Atmosphäre auch entspannend auf die Erwachsenen auswirkt: „Die Arbeit mit den Kindern wirkt deeskalierend. Wir könnten durch Notfallpädagogik die Lage beruhigen und Polizeikräfte einsparen!“

Um auch den Helfern und Pädagogen, die vor Ort mit den Kindern arbeiten, zu helfen, fand in Ljubljana für etwa 50 Pädagoginnen und Pädagogen eine Fortbildung zur Notfallpädagogik statt. Dabei konnte auch ausführlich über die Flüchtlingssituation in Sentilj gesprochen und Hilfsmöglichkeiten erörtert werden.
Ein weiteres eineinhalbtägiges Seminar zur Einführung in die Psychotraumatologie und Notfallpädagogik wurde in Budapest von der Vereinigung der ungarischen Waldorfschulen organisiert. Etwa 80 Lehrerinnen und Lehrer nahmen an der Fortbildungsveranstaltung teil.

Bernd  Ruf

Bitte unterstützen auch Sie die notfallpädagogische Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge:

Spendenkonto
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Vollständiger Einsatzbericht (PDF).

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