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Paris 2015

Terroranschläge in Paris

Die Gänsehaut im Nacken und den Schock über die Ereignisse noch in den Gliedern, brechen wir am Montag den 16.11.2015 mit einem 6-köpfigen Team nach Paris auf. Die erste Überraschung erleben wir an der Grenze: Entgegen unserer Erwartungen werden wir nicht kontrolliert. Weder am Grenzübergang, noch an den Maut-Stellen. Es ist zwar ein erhöhtes Aufgebot an Polizei und Gendarmerie zu beobachten, die aber vor allem Präsenz zeigen.

An der École Perceval, einer großen Waldorfschule in Chatou, 12 km vor den Toren von Paris, an der noch vor 4 Wochen der Kongress der französischen Waldorfschulen stattgefunden hat, werden wir bereits erwartet und sind froh, unsere Ansprechpartner und vor allem unsere Freiwilligen wohlbehalten wiederzusehen.

Sieben unserer Freiwilligen aus dem Großraum Paris waren am besagten Abend des 13. Novembers 2015 gemeinsam im Stade de France in Saint-Denis, um sich das Fußballspiel Frankreich – Deutschland anzusehen, als die Detonationen gezündet wurden.
Wir sprechen über das Erlebte, hören zu, geben praktische Übungen an die Hand, um mit dem Erlebten besser umzugehen. Die Freiwilligen sind erleichtert, mit dem Schrecken davon gekommen zu sein.

Mit den Lehrern der Schule erörtern wir die Aspekte der Traumapsychologie und was mit uns seelisch geschieht, wenn wir etwas Traumatisches erleben.
Wie können wir als Eltern und Lehrer den Kindern Orientierung geben, wenn wir über den Terror sprechen? Was sagen wir, wenn sie uns fragen was gut ist und was böse und warum Menschen so etwas tun? Schnell wird deutlich, dass wir nicht aufhören dürfen, von einem möglichen Frieden zu sprechen, an ihn zu glauben und ihn (im Kleinen) zu wagen. Jetzt gilt es innehaltend zur Tagesordnung überzugehen.

Als wir am Dienstagmorgen nach Paris fahren, bieten sich in der Innenstadt zwei gegensätzliche Bilder: Auf den ersten Blick scheint Paris wie immer zu sein, der Eifelturm steht noch und trotzdem ist die Anspannung in der Stadt spürbar, ja fast greifbar. Überall sieht man Solidaritätsbekundungen; der Wille sich von brutalen fanatischen Ideologien nicht einschüchtern zu lassen ist omnipräsent.

Die Terrassen der Cafés sind auffallend leer. Wie auch die anderen, haben wir das Gefühl, uns im Café möglichst weit nach hinten setzen zu müssen, so als mache uns das weniger angreifbar. Was uns aber auch begegnet, ist Solidarität und Menschlichkeit, so als hätten die Pariser das Bedürfnis, sich gegenseitig zu zeigen, dass sie zusammenstehen. Als ich versehentlich einen Mann im Gedränge vor dem Gare du Nord anrempele, bekommen wir erst beide einen Riesenschreck und fallen uns dann vor Erleichterung fast in die Arme. Eine Mischung aus Beklommenheit und "Même pas peur!" ("Ich habe nicht mal ein bisschen Angst!").
Für uns ist klar: Wir lassen uns nicht einschüchtern und machen weiter damit, uns für ein weltweites Netzwerk von Menschlichkeit einzusetzen und Orte der Begegnung und der Herzenswärme zu schaffen, wo immer es geht.
In der Hoffnung, dass sich die Spirale des Hasses und der Gewalt nicht immer weiter dreht.

Nous sommes tous Paris! - Wir alle sind Paris!

Susanna Rech-Bigot

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