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Nepal 2015

Das schwere Erdbeben von 25. April hat Nepal Tod und Zerstörung gebracht. Eine Erfahrung, die vor allem bei Kindern tiefe seelische Spuren hinterlässt.  Um diese traumatisierten Kinder in der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu unterstützen, reist ein notfallpädagogisches Team der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. von 9. bis 23. Mai nach Nepal.

 „Eine solche Katastrophe erschüttert das kindliche Weltbild und kann posttraumatische Belastungsreaktionen auslösen“ erklärt Bernd Ruf, Einsatzleiter und Geschäftsführender Vorstand der Freunde der Erziehungskunst. „Das Kind verliert buchstäblich den Boden unter den Füßen und das Vertrauen in die Stabilität. Plötzlich muss es Angst, Verletzung, Tod und die Zerstörung seines Umfelds verarbeiten. Mit notfallpädagogischen Methoden können wir diese Kinder stabilisieren und so Traumafolgestörungen vermeiden.“

Die notfallpädagogische  Krisenintervention findet In Kooperation mit „Aktion Deutschland Hilft“ und dem langjährigen regionalen Partner „Shanti“ statt. Die „Shanti“ Leprahilfe betreibt nicht nur eine Krankenstation in Kathmandu sondern auch eine inklusive Waldorfschule mit Kindergarten in Budhanilkhanta. Ein Ort, an dem Kinder mit und ohne Behinderung zusammen lernen und spielen konnten. Bis das Erdbeben auch „Shanti“ traf: Die Schule wurde vollkommen zerstört und die Krankenstation betreut seither vor allem Verletzte, die in regulären Krankenhäusern keinen Platz mehr finden.

Auf diesen Strukturen baut das notfallpädagogische Team auf: Auf dem Gelände der Schule und in den bestehenden Räumlichkeiten von „Shanti“ in Kathmandu sollen Kinder jeden Alters notfallpädagogisch betreut werden.  Auch die Lehrer und Volontäre, die in der Einrichtung arbeiten, sind von den Ereignissen betroffen, und traumatisiert und brauchen Unterstützung. In Workshops und Fortbildungen bekommen sie die Möglichkeit, die Grundlagen der Psychotraumatologie und Notfallpädagogik zu erlernen, so dass sie die Methoden später selbstständig anwenden können.

Für Eltern, die in einer solchen Ausnahmesituation häufig mit den traumabedingten Verhaltensänderungen ihrer Kinder überfordert sind, werden Beratungen angeboten. Ein tieferes Verständnis für die posttraumatischen Reaktionen ihrer Kinder  kann ihnen zu  einem neuen Zugang zu deren Innenleben verhelfen.

Das ehrenamtliche notfallpädagogische Team besteht aus zwölf erfahrenen PädagogInnen und TherapeutInnen. Viele von Ihnen haben bereits langjährige Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Kindern nach Katastrophe oder humanitären Krisen. Ein Arzt begleitet das Team.

Lesen Sie hier einen vollständigen Einsatzbericht

Nachsorgeeinsatz

Nach einer ersten notfallpädagogischen Akutintervention nach dem schweren Erdbeben führten die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. vom 23. August bis 6. September einen Nachsorgeeinsatz durch. Schwerpunkt des neuerlichen Einsatzes war die Fortbildung lokaler Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Lehrer in den Konzepten und Methoden der Notfallpädagogik. Der Einsatz fand in Kooperation mit dem Bündnis Aktion Deutschland hilft statt.

Fast fünf Monate nach dem Beben ist in Nepal der Alltag zurück gekehrt, Schutt und Trümmer sind weitgehend entfernt, die Schulen wieder geöffnet. Leichte Nachbeben bringen hier kaum noch jemanden aus dem Konzept, sie erinnern aber fast täglich an die Gefahr weiterer schwerer Erdbeben.
Um Lehrer und Helfer auf zukünftige Beben vorzubereiten und ihnen Methoden an die Hand zu geben, Kinder im akuten Schockzustand zu stabilisieren, boten die pädagogisch-therapeutischen Experten der Freunde der Erziehungskunst Seminare in Kathmandu und in Chitwan an.

In Kathmandu fand das einwöchige Seminar in den Räumlichkeiten des lokalen Partners Shanti –Leprahilfe  statt. Über 70 Lehrer und NGO-Mitarbeiter nahmen an Vorträgen zu Psychotraumatologie und notfallpädagogischen Methoden wie Kunsttherapie oder Erlebnispädagogik teil.
Nachmittags wurden notfallpädagogische Workshops für die Kinder des Zentrums angeboten, hier hatten die Teilnehmer der Schulung Gelegenheit, die konkrete Arbeit mit den Kindern kennenzulernen.  Viele der Kinder hatten bereits während des letzten Einsatzes an notfallpädagogischen Angeboten teilgenommen und haben in der Zwischenzeit gemeinsam mit ihren Lehrern Methoden der Notfallpädagogik und aufgegriffen und um eigene Elemente wie Spiele und  Lieder erweitert.

In  der zweiten Woche wurde eine weitere Fortbildung in Chitwan, im Süden des Landes angeboten.  In Kooperation mit der Organisation Green Society Nepal wurden 20 Lehrer staatlicher und privater Schulen in den Grundlagen der Psychotraumatologie und der Notfallpädagogik geschult und notfallpädagogische Workshops in mehreren Schulen angeboten. In einem leer stehenden Krankenhaus versammelten sich nachmittags täglich ca. 70 Kinder, um an notfallpädagogischen Angeboten teilzunehmen. Auch hier stießen die Fortbildungen und notfallpädagogischen Workshops auf große Begeisterung. Lokale Initiativen möchten auf Grundlage der pädagogisch-therapeutischen Methoden nachhaltige Bildungsangebote für die Kinder vor Ort aufbauen.

News

  • +++ 13.03.2017 +++

    Notfallpädagogischer Einsatz in Ostafrika geplant

    Dürre und drohende Hungersnot in Ostafrika

    In Nordkenia, Äthiopien und Somalia herrscht seit Monaten Dürre. Ernteausfälle, fehlendes Trinkwasser und Hunger bedrohen die Menschen. Manche Kinder sind auf der Flucht, andere werden zuhause sich selbst überlassen. Wir planen die Errichtung eines Child Friendly Space und einen Einsatz in Zusammenarbeit mit unseren kenianischen Kollegen (aus Kakuma).

  • +++ 13.03.2017 +++

    ANMELDUNG: Notfallpädagogische Jahrestagung

    KRIEG, TRÜMMER & TRAUMATA

    Die Abteilung Notfallpädagogik lädt von 09.-11. Juni alle Interessierten ein, sich näher mit der Thematik der menschengemachten Katastrophen und ihren Folgen für Kinder und Jugendliche zu befassen.   Mehr lesen

    HIER DIREKT ANMELDEN

  • +++ 10.03.2017 +++

    "ankommen_weiterkommen" mit Aktion Mensch

    Aktion Mensch unterstützt die Notfallpädagogik und finanziert für die nächsten zwei Jahre das Projekt "ankommen_weiterkommen": Am Parzival-Zentrum werden für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - aber auch Karlsruher Jugendliche - pädagogische Angebote außerhalb des Unterrichts gemacht. Ziel ist dabei die Persönlichkeitsbildung, das soziale Lernen, die Berufsorientierung sowie der interkulturelle Austausch.

  • +++ 01.03.2017 +++

    Einsatz in Nepal

    Hilfe für traumatisierte Kinder

    In Nepal wurden bereits mehrere Einsätze nach dem Erdbeben im Jahr 2015 und 2016 durchgeführt. 2017 war erneut ein Team vor Ort, um mit den Kindern und Helfern zu arbeiten.  mehr

  • +++ 27.09.2016 +++

    Notfallpädagogik-Ausbildung

    Ausbildung in Notfall- und Traumapädagogik

    Derzeit entsteht ein Internationales Institut für Notfall- und Traumapädagogik, das ab 2017 eine Weiterbildung in Notfall- und Traumapädagogik anbieten wird. Ab Winter gibt es weitere Informationen. Hier mehr lesen

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