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Die Seele brennt weiter

Notfallpädagogischer Einsatz nach der Feuer-Katastrophe in Kalifornien

Verheerende Wald- und Buschbrände haben Anfang November in Kalifornien zahlreiche Menschenleben gefordert und schwere Verwüstungen angerichtet.  Das Feuer konnte schließlich komplett eingedämmt werden, doch noch immer werden hunderte von Opfern vermisst. Um die Einheimischen vor Ort psychosozial zu unterstützen, fand vom 6. bis 10. Dezember ein notfallpädagogischer Einsatz in der Katastrophenregion statt.

Besonders schwer traf das  Feuer den Norden des US-Bundesstaates Kalifornien. Am 8. November brach hier das so genannte „Camp Fire“ aus und zerstörte mehr als 60.000 Hektar Land. Dabei kamen rund um die fast völlig abgebrannte Ortschaft Paradise mindestens 80 Menschen ums Leben und etwa 700 weitere Opfer werden noch vermisst.  Seit Beginn der dortigen Aufzeichnungen gab es noch nie so viele Todesopfer bei einem Brand. Es handelt sich daher um die schwerste Feuerkatastrophe in der Geschichte des Westküstenstaates.

Bernd Ruf, geschäftsführender  Vorstand der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. aus Karlsruhe und Gründer der Notfallpädagogik, leitete den Einsatz in Kalifornien. Zusammen mit seinen Teamkollegen aus Deutschland und Brasilien und etwa acht amerikanischen Pädagog*innen arbeitete er an der Blue Oak Charter School in Chico. Hier, etwa 20 Kilometer westlich von Paradise, wurden die Opfer größtenteils in Auffanglagern untergebracht. Zwar hat der normale Schulalltag wieder begonnen, aber er ist stark beeinträchtig durch die schrecklichen Erlebnisse. Viele der Lehrer*innen und Schüler*innen sind obdachlos und leben in diesen Auffanglagern. Sie haben zum Teil alles in den Flammen verloren, ihre Angehörigen, ihre Häuser, ihren Lebensmittelpunkt. „Die Kinder sind daher stark verhaltensauffällig und ihre Eltern oder Erzieher*innen machen sich große Sorgen um sie“, erläutert Bernd Ruf.

Doch auch für die Erwachsenen sind die traumatischen Erlebnisse schwer belastend und sie können kaum darüber sprechen. „Nach Paradise zu fahren ist für viele unvorstellbar. Zu groß ist die Angst davor, dem Gesicht der Katastrophe in die Augen zu blicken“, so Ruf. Psychische Auswirkungen zeigen sich oft erst Wochen, Monate oder Jahre nach einer solchen Katastrophe. „Durch unsere Intervention versuchen wir in der Frühphase der traumatischen Belastung anzusetzen und damit Traumafolgestörungen zu verhindern“, erklärt Ruf.

Im Rahmen von Workshops und Seminaren wurden Erzieher*innen und Lehrer*innen, unter Einbeziehung der Eltern, an der Schule in Chico beraten und geschult. Das Notfallpädagogik-Team hat sie in die Traumatologie eingeführt und ihnen Methoden zur Selbststabilisierung vermittelt. Vormittags stand die Aktivierung der Selbstheilungskräfte der Kinder im Vordergrund. „Durch künstlerische Aktivitäten können Kinder das Erlebte nonverbal ausdrücken, was den Verarbeitungsprozess zusätzlich unterstützt“, veranschaulicht Ruf weiter. Anhand von gemalten Bildern lässt sich meist gut erkennen, wie es im Inneren der Kinder aussieht und wie schwer ihre Seele belastet ist. Für die Betroffenen und Hinterbliebenen in der Region wird es sicher noch ein langer Weg sein, die furchtbaren Geschehnisse zu verarbeiten.