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Japan 2011

Es ist unmöglich solch mächtige Worte zu finden, die die jüngsten Ereignisse im Nordosten der japanischen Insel Honshu beschreiben könnten. Nachdem ein Erdbeben der Stärke 9,0 am 11. März den Nordosten Japans erschütterte, erreichte nur wenige Stunden später ein Tsunami unvorstellbaren Ausmaßes die Region rund um die Stadt Sendai. Der Atem stockt, sieht man die nach kurzer Zeit im Internet kursierenden Videos von dem schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans, das zahlreiche Menschen in den Tod riss. Wie viele Menschen Angehörige und ihr ganzes Hab und Gut verloren haben, ist ungewiss. Gewissheit herrscht jedoch darüber, dass ihr inneres Gleichgewicht aus den Fugen gerissen wurde und nicht nur die äußere Verwüstung, sondern auch die inneren immens sind.

Ein Krisenteam der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. hat sich am 27. April zu einem zwei-wöchigen notfallpädagogischen Einsatz nach Japan begeben, um in Sendai, Onagawa, Tokio und anderen Orten mit traumatisierten Kindern zu arbeiten und Weiterbildungen für Pädagogen anzubieten Bereits kurz nach dem verheerenden Erdbeben der Stärke 9,0 am 11. März, von dem vor allem der Nordosten der japanischen Insel Honshu stark betroffen war, nahmen die Freunde der Erziehungskunst Kontakt zu japanischen Freunden und Kollegen in der Krisenregion auf. Das Angebot betroffene Kinder und Jugendliche bei der Verarbeitung der entsetzlichen Geschehnisse zu unterstützen und lokalen Fachkräften zusätzliche Methoden zur Traumaverarbeitung mit auf den Weg zu geben, stieß auf großes Interesse.

In enger Zusammenarbeit mit Ansprechpartnern vor Ort und intensiver Beratung von Experten aus dem Bereich des Strahlenschutzes wurde der Einsatz sorgfältig vorbereitet. Das Team setzte sich aus Fachkräften der Waldorfpädagogik, Kunsttherapie, Medizin und Eurythmie zusammen und stand unter Leiter von Bernd Ruf, geschäftsführender Vorstand des Vereins und Leiter des Parzival-Schulzentrums in Karlsruhe. Während des notfallpädagogischen Einsatzes wurde das Team von japanischen Kollegen begleitet, die sowohl die Arbeit tatkräftig unterstützten sowie als Übersetzer agierten. Nach der Ankunft in Tokio fuhr das Notfallteam in die Stadt Sendai, in der zahlreiche Familien in Notunterkünften untergebracht waren, da durch den immensen Tsunami weite Landstriche und zahlreiche Orte völlig zerstört worden sind. In Schulen, Kindergärten und Notunterkünften in und rund um Sendai wurden erlebnispädagogische, kunsttherapeutische und andere Gruppenarbeiten realisiert, die die Kinder psychosozial stabilisieren und bei der Bewältigung der Erlebnisse unterstützen sollen. Auch der Eltern- und Lehrerarbeit nahmen sich die Notfallpädagogen an, da zum einen auch die Erwachsenen durch die Naturkatastrophe traumatisiert sind und zusätzlich für die traumabedingten Verhaltensänderungen der Kinder sensibilisiert werden sollen. Am Sonntag, den 7. Mai begab sich das „Freunde“-Team nach Tokio, um einen zwei-tägigen Workshop für Lehrer abzuhalten, bei dem Traumatologie, die Notfallpädagogik und ihre Methoden vorgestellt und auf durch praktische Übungen erlebbar gemacht werden.

Der Einsatz war nicht nur wegen der Reaktorkatastrophe von Fukushima physisch und psychisch belastend. Allein der Anblick unvorstellbarer Zerstörung wirkt bereits traumatisierend, von den unzählbaren Erlebnisberichten der Katastrophe ganz zu schweigen. Das alles wird aber mehr als aufgewogen durch das Erlebnis, mittels persönlicher Präsenz und einfacher pädagogischer Maßnahmen Kinderaugen in Mitten des Elends ihre Leuchtkraft zurückgeben zu können. Und neben allen niederschmetternden Erlebnissen, gibt es auch Berichte, die Hoffnung machen und zeigen, dass durch Initiative aus Verantwortung auch Not gewendet werden kann: In Ohfunato kämpfte der Stadtrat Hirati jahrzehntelang um den Bau einer Sicherheitstreppe von der tiefer gelegenen Schule auf einen dahinterliegenden Berg. Der erforderliche Bau wurde immer wieder aus Kostengründen abgelehnt und erst kurz vor der Pensionierung Hiratis ausgeführt. Nach der offiziellen Einweihung starb Hirati. An Japans schwarzem Tag konnten über diese Treppe alle Schüler und Lehrer gerettet werden, bevor die Tsunamiwellen das Schulgebäude mitsamt der Sicherheitstreppe mit sich rissen. Zu den geretteten Schülern gehört auch ein Enkel Hiratis.

Lesen Sie hier den Bericht des Einsatzleiters Bernd Ruf.

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