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Indonesien 2009

Am 30. September 2009 bebte im Indischen Ozean vor Indonesien die Erde. Das Beben mit der Stärke von 7,6 auf der Richterskala richtete vor allem in der indonesischen Provinz West-Sumatra schwere Verwüstungen an. In der Provinzhauptstadt Padang wurden etwa 50% aller Häuser zerstört. Nach offizieller Zählung verloren 1115 Menschen ihr Leben, 2200 wurden verletzt.

Auf Bitten des indonesischen Gesundheitsministeriums und mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes entsandten die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners ein 11-köpfiges notfallpädagogisches Kriseninterventionsteam bestehend aus Pädagogen, Therapeuten, Psychologen und einem Arzt, ins Katastrophengebiet,  um mit Methoden der Waldorfpädagogik psychotraumatisierten Kindern bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu helfen. Durch die lokalen Krisenstäbe in Padang (Provinzhauptstadt) und Agam (Bezirk) wurden dem pädagogischen Notfallteam Einsatzorte in den Gebirgsdörfern Sunggai Batang am Maninjau-Vulkansee und Malalak zugewiesen.

Das Obdachlosencamp von Sunggai Batang liegt am Maninjau-Vulkansee. Vor dem Beben schmiegten sich die heute zerstörten Dörfer entlang des Seeufers an die steilen Kraterwände. Die Bewohner von vier ausgelöschten Gemeinden leben jetzt gedrängt im Camp. 705 Personen sind dort in 94 Zelten untergebracht. Fawaaz, der UN-Koordinator des Lagers, berichtet von großen sozialen Spannungen zwischen den Bewohnern.

Zusammen mit der indonesischen Hilfsorganisation „Muhammediyah“ wird mit den Lagerkindern notfallpädagogisch gearbeitet. Nach einem gemeinsamen Auftakt mit Rhythmus- und Bewegungsspielen im Kreis differenziert sich die große Kinderschar. Die Kleinen tanzen zum Flötenspiel, kneten Tiere aus Bienenwachs, zupfen Püppchen aus Märchenwolle und strahlen überglücklich, wenn sie die Stoffpuppe in ihren Armen wiegen dürfen. In der Kunsttherapiegruppe wird derweil mit Wachsblöcken an Lemniskaten gearbeitet, mit Aquarellfarben gemalt und nach freien Motiven gezeichnet. Ein Mädchen lässt die Bildmitte ungestaltet. Auf Nachfrage füllt sie die Leere im Bildzentrum mit dem Motiv eines Erdrutsches aus. Eine weitere Gruppe arbeitet erlebnispädagogisch. Die Kinder versuchen konzentriert einen Ball auf einem großen, bunten Fallschirm kreisen zu lassen.

Während die Kinder durch die Notfallpädagogen betreut werden, trifft sich eine Gruppe von Erwachsenen in einem Gemeinschaftszelt. Psychologen und Therapeuten bieten ihnen psycho-soziale Hilfe in Form von Gesprächsmöglichkeiten an, was dankbar angenommen wird. Dede ist 45 Jahre alt und Englischlehrer: „Als das Beben begann, hatte ich große Sorgen um meine Familie. Meine 14jährige Tochter fand ich erst am nächsten Tag. Alle blieben unverletzt. Trotzdem habe ich seither erhebliche Magenprobleme mit Erbrechen“. Die 74jährige Rohamin aus Batu Nangai ist seit 40 Jahren verwitwet. Sie lebte bisher vom Zimt- und Muskatanbau. Jetzt ist alles zerstört: „Ich weiß nicht, wovon ich weiter leben soll. Seit ich im Lager lebe, habe ich Bein- und Rückenschmerzen. Auch meine Augen tun weh“. Auch Yunizar, 49 Jahre, kommt aus Batu Nangai: „Ich habe große Zukunftsängste um meine fünf Kinder. Besonders bedrückt mich, dass ich die Aufnahmegebühr für den Universitätsbesuch meiner Tochter nicht mehr aufbringen kann. Aber die Arbeit am Fischteich lenkt mich ab“.

Die Arbeit des notfallpädagogischen Kriseninterventionsteams der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners im Erdbebengebiet von West-Sumatra fand Beachtung und Anerkennung. Der Bürgermeister der Gemeinde Sunggai Batang, Ashin Datuk Bandaro Kayo bedankte sich bei einer Einladung im Namen des ganzen Dorfes „für all das Positive, das Ihr getan habt“. Der Leiter des Gesundheitsdienstes des Bezirks Agam, Dr. Indra Rusli, sprach im Namen der Bezirksregierung seine Anerkennung aus, und die Leiterin des Gesundheitsamtes in Padang, Dr. Lily, überreichte dem Team ein Dankschreiben des Gesundheitsministeriums von West-Sumatra, in dem „von ganzem Herzen“ die Wertschätzung für den notfallpädagogischen Einsatz zum Ausdruck gebracht wird. Durch die Deutsche Botschaft wurde das Notfallteam schließlich in Jakarta zur Berichterstattung und Danksagung ins Kempinski Hotel eingeladen.

Bernd  Ruf

Lesen Sie hier den Einsatzbericht.

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