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Haiti 2016


Notfallpädagogik gegen die Verzweiflung

Unvorstellbare Zerstörung nach dem stärksten Hurrikan seit 9 Jahren

Wenige Wochen nach dem verheerenden Hurrikan Matthew reiste am 29. Oktober ein Team der Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners nach Haiti. Maximale Windgeschwindigkeiten und sintflutartige Starkregen hatten ganze Landstriche des bitterarmen Landes verwüstet, Bäume wurden entwurzelt und Häuser zerstört. Mit Unterstützung von Aktion Deutschland Hilft, weiteren Spendern und in Kooperation mit lokalen Partnerorganisationen konnte ein zehnköpfiges Team zwei Wochen vor Ort mit Lehrern und Kindern arbeiten.

Bereits am 12. Januar 2010 wurde der verarmte Inselstaat durch ein Erdbeben der Stufe 7 getroffen. Viele haben die Erinnerungen an diese Katastrophe auch nach 6 Jahren nur unzureichend verarbeitet und leiden immer noch unter den Folgen. Nun wurden die seelischen Wunden  durch den Sturm erneut aufgerissen, die Menschen wurden retraumatisiert. Hinzu kommen weitere Probleme durch die Zerstörung der Landwirtschaft und der Natur für die Menschen. Viele Bauern haben ihre Ernte und somit die einzige Einkommensquelle verloren und wissen nun nicht, wie es weitergehen soll. Zur Bewältigung  dieser Erlebnisse und zur Stabilisierung der Betroffenen ist die psycho-soziale Unterstützung unerlässlich.

Auf zum Teil abenteuerlichen Routen erreichten unsere Ehrenamtlichen Mitarbeiter auch jene entlegenen Gebiete, die besonders hart vom Wirbelsturm getroffen wurden. Notfallpädagogische Seminare in Schulen, die momentan als Notunterkünfte fungieren, vermittelten den Lehrern traumapädagogisches Grundwissen und notfallpädagogische Methoden. Die Angebote für Kinder und Jugendliche geben diesen Sicherheit, Struktur und Kontinuität und ermöglichen ihnen den Aufbau neuen Vertrauens in sich und die Umwelt. Auch den Lehrern hilft die Arbeit; sie berichten von wiedererlangter Energie und frischen Ideen für den Schulalltag als auch im Umgang mit traumatisierten Kindern.

Neben pädagogischer Erster Hilfe brachte das Team auch medizinische Versorgung nach Haiti: Kontrolluntersuchungen, Wundversorgung und chronische Schmerzen mussten behandelt werden.
Auch Einzelbetreuungen für auffallend stark Betroffene wurden durch den Einsatz möglich. Eines dieser besonders traumatisierten Kinder ist der 13-jährige Ed: Sein Sehvermögen beträgt lediglich 5%, er hat eine Kieferfehlstellung und eine operierte Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Beim Erdbeben 2010 verlor er seine Mutter. Er lebt nun notgedrungen bei Verwandten, die mit der Betreuung des behinderten Jungen überfordert sind und ihn mehr schlecht als recht versorgen. Ed spricht kaum, mit Erwachsenen hat er seit dem Hurrikan kein Wort mehr gewechselt. Zudem konnte er durch den traumatischen Stress kaum mehr schlafen. Nach einer Massage durch unsere Notfallpädagogin konnte er endlich Entspannung finden und anschließend einige Stunden schlafen. Durch die Zuwendung und notfallpädagogische Übungen sprach er nach 5 Tagen erstmals seit dem Sturm wieder.
Manchmal reichen aber auch einfach Aufmerksamkeit oder kleine Beschäftigungen, die die Kinder Selbstwirksamkeit erleben lassen. So kann bereits die Initialzündung zur Aktivierung ihrer Selbstheilungskräfte gegeben werden.

News

  • +++ 01.10.2018 +++

    Katastrophe in Indonesien

    Das schwere Erdbeben und der Tsunami vom vergangenen Freitag hat der indonesischen Insel Sulawesi Tod und Zerstörung gebracht.  Um die traumatisierten Menschen in der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu unterstützen, wird Ende der Woche ein notfallpädagogischer Einsatz in der Krisenregion stattfinden. weiter

  • +++ 21.09.2018 +++

    Hilfe auf den Philippinen

    Ein Team der Notfallpädagogik fliegt vom 27.09. bis zum 08.10. auf die Philippinen. Gemeinsam mit vier lokalen Kollegen werden sie die Betroffenen des Taifun „Mangkhut“ unterstützen. Der Sturm hat auf den Philippinen schlimme Schäden angerichtet und viele Menschen das Leben gekostet. Erdrutsche und Schlammlawinen erschweren die Situation zusätzlich.

  • +++ 20.09.2018 +++

    Einsatz in Gaza

    Im Herbst reist erneut ein dreiköpfiges Notfallpädagogik-Team nach Gaza. Unterstützt von der DROSOS-Stiftung soll ein Handbuch (Guidelines) für lokalen Pädago*innen des Nawa Centers und des Kindergartens entstehen. Die Workshops und der Einsatz dienen zur Vorbereitung dieses kulturellangepassten und genau auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnittenen Leitfadens.

  • +++ 28.07.2018 +++

    Aufbau einer Traumaambulanz in Mossul

    Bernd Ruf und sein Team führten Mediziner des Mosul General Hospital in einem ersten Seminar in die Notfall- und Traumapädagogik ein. weiter

  • +++ 11.06.2018 +++

    HINWEIS: Notfallpädagogische Jahrestagung 2019

    Vom 20.-23. Juni 2018 findet die achte Notfallpädagogische Jahrestagung in den Räumlichkeiten des Parzival-Zentrums in Karlsruhe statt.
    Unter dem Titel „Notfallpädagogik - Wie Pädagogik verletzten (Kinder-) Seelen helfen kann“, legen wir bei unserer nächsten Jahrestagung den Fokus auf die Basis der Notfallpädagogik.

    Programm und weitere Informationen

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