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Notfallpädagogische Intervention nach Erdbeben in China

Am Morgen des 20. April dieses Jahres wurde die Region Sichuan nahe der Stadt Lushan von einem heftigen Erdbeben der Stärke 7,0 erschüttert. Über 200 Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als 10.000 Menschen wurden verletzt und unzählige Gebäude sind eingestürzt oder so sehr beschädigt, dass sie abgerissen werden müssen.

Diese Schäden sind umso tragischer, da sich dieses Erdbeben nur etwa 200 Kilometer vom sog. „Wenchuan-Beben“ aus dem Jahr 2008 entfernt ereignete, von dessen Schäden sich die Region gerade noch erholte. Das damalige Erdbeben löste noch weitaus höhere Schäden aus, kostete über 70.000 Menschen das Leben und führte schon im Jahr 2008 zu einem notfallpädagogischen Einsatz in China. Aus psychotraumatologischer Sicht bedeutet dieses zweite Erdbeben in der gleichen Region, dass sich Mono-Traumata zu sequentiellen Traumata entwickelt haben, die in ihren Folgen ungleich schwerwiegender und komplexer sind.

Um die betroffenen Menschen vor Ort bei der Bewältigung der psychischen Folgen der aktuellen Katastrophe zu unterstützen, führte die Abteilung Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. vom 15.06.–29.06.2013 eine Krisenintervention in der Region Sichuan durch. Hierzu reiste ein siebenköpfiges Team, das aus verschiedenen Pädagogen und Therapeuten zusammengesetzt war, in das Katastrophengebiet. Der Einsatz wurde in Kooperation mit der „Guangdong Shanhaiyuan Charity Foundation“ sowie dem Institut für Psychologie der „Chinese Association of Science“ umgesetzt, das in der administrativen Vorbereitung sehr hilfreich war.

In der ersten Woche des Einsatzes wurde in der Stadt Ya’an ein einwöchiges Intensiv-Seminar zum Thema Notfallpädagogik für etwa 130 Teilnehmer angeboten, an dem neben den Ehrenamtlichen der Stiftung auch Lehrer, Sozialarbeiter und andere Menschen teilnahmen, die im Katastrophengebiet mit traumatisierten Menschen arbeiten. Das Seminar bestand aus Vorträgen zu den Themen Psychotraumatologie, Methoden der Notfallpädagogik sowie den Auswirkungen und Interventionsmöglichkeiten in den verschiedenen Phasen der traumatischen Entwicklung. Diese Vorträge wurden ergänzt von Workshops zu verschiedenen relevanten Themen und Methoden der Notfallpädagogik (z.B. Psychotherapie, Eurythmie, Kunsttherapie, Erlebnispädagogik) sowie von Gesprächs- und Diskussionsgruppen, in denen die vermittelten Inhalte verinnerlicht werden konnten.

In der zweiten Phase der Krisenintervention stand die Arbeit an der „Middle-School“ in Lushan-Xian im Mittelpunkt. An dieser Schule werden 1500 Schüler der Klassen 11 bis 13 unterrichtet. Da es die einzige „Middle-School“ in der Umgebung ist, hat sie ein sehr großes Einzugsgebiet und etwa die Hälfte der Schüler nutzt die Schule als Internat. Obwohl sich das Beben an einem Samstag ereignete, waren viele der Schüler zur Prüfungsvorbereitung in ihren Klassen. Für sie ist das Erdbeben daher innerlich sehr stark mit der Schule verknüpft und die an der Schule auftretenden Probleme sind umso größer. Im Laufe von vier Tagen konnte dort mit 500 Schülern sowie mit etwa 50 Lehrern der Schule gearbeitet werden. Federführend hierbei war das Team der Freunde, jedoch übernahmen die in der Vorwoche geschulten ehrenamtlichen Mitarbeiter der Stiftung im Laufe der Woche mehr und mehr Aufgaben selbst. So konnten sie Erfahrungen in der Umsetzung der Notfallpädagogik sammeln und gleichzeitig noch von der Anleitung des deutschen Teams profitieren. 

Nachdem in den zwei Wochen eine gute Grundlage gelegt werden konnte, auf der das Projekt der „Guangdong Shanhaiyuan Charity Foundation“ aufbauen kann, liegt die Verantwortung für die weitere Entwicklung nun in der Hand der Menschen vor Ort. Die Freunde werden dieses Projekt weiterhin begleiten und bei Bedarf beraten. Zuerst aber liegt es nun an den geschulten Kräften vor Ort, das Projekt mit Leben zu füllen und einen chinesischen Weg zu finden, wie das Konzept der Notfallpädagogik im Erdbebengebiet umgesetzt werden kann. Hierzu wünschen die Freunde viel Kraft und gutes Gelingen!

Malte Landgraff  

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    Vom 20.-23. Juni 2019 findet die achte Notfallpädagogische Jahrestagung in den Räumlichkeiten des Parzival-Zentrums in Karlsruhe statt.
    Unter dem Titel „Notfallpädagogik - Wie Pädagogik verletzten (Kinder-) Seelen helfen kann“, legen wir bei unserer nächsten Jahrestagung den Fokus auf die Basis der Notfallpädagogik.

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