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China 2008

Im Mai 2008 forderte ein Erdbeben der Stärke 7,8 (Richterskala) in China 90.000 Todesopfer und machte Millionen von Menschen obdachlos – viele von ihnen erlitten starke bis stärkste Traumata. Auf Einladung der Waldorfschule Chengdu und akkreditiert durch die Provinzregierung von Sichuan führten die „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ vom 21.6. bis 5.7.2008 eine notfallpädagogische Akuthilfe für psychotraumatisierte Kinder, ihre Eltern und Lehrer sowie Fabrikarbeiter einer eingestürzten Chemiefabrik in der Region um Shifang durch. Dem Kriseninterventionsteam gehörten Lehrer, Erzieher, ein Arzt, eine Psychotherapeutin und mehrere Dolmetscher an. Am Ende des zweiwöchigen Einsatzes stand eine hohe Anerkennung durch chinesische Regierungsvertreter.

Unter den etwa 90.000 Todesopfern des Bebens befinden sich überdurchschnittlich viele Kinder, die in den eingestürzten Schulen starben, während die Landbevölkerung auf den freien Feldern arbeitete und dadurch mehr geschützt war. 450.000 Schwerverletzte forderte das Beben. Fünfzehn Millionen Häuser stürzten ein, nahezu sechs Millionen Menschen leben seither in Notunterkünften.

Dem katastrophalen Erdbeben folgt nun ein nicht minder leidvolles Seelenbeben. Unzählige Menschen sind seelisch erschüttert, verletzt, psychotraumatisiert.

Das Kriseninterventionsteam der „Freunde“ arbeitete mit Hunderten von Kindern in sieben Zeltschulen im Kreis Hongbai, im Epizentrum des Bebens – dort, wo alle Häuser zerstört, Dörfer von zusammengebrochenen Bergketten verschüttet und ganze Landstriche von kollabierten Chemieanlagen kontaminiert sind. Die meisten Kinder waren bei dem Beben verschüttet worden und konnten manchmal erst nach Tagen befreit werden. Neben ihnen starben in den Trümmern Geschwister, Klassenkameraden oder Lehrer.

Besonders tragisch traf es die Schule in Luoshiuzhen. Über 200 Kinder wurden beim Einsturz des Schultraktes verschüttet und starben im Verlauf von drei Tagen. Vor dem Trümmerfeld haben Eltern eine Gedenkstätte mit Bildern ihrer verstorbenen Kinder errichtet. Hier werden auch Vorwürfe gegen die Behörden wegen baulicher Mängel an den Schulhausbauten laut. Auf einer Kalligrafie steht zu lesen: „Himmelskatastrophen sind unvermeidbar. Werden Katastrophen aber von Menschen gemacht, muss man sie dafür hassen!“

Das chinesische Zeichen für Krise besteht aus den Zeichen für Chance und Gefahr. So stand auch auf der Einladung zu den Workshops in Shifang geschrieben: „In der Entwicklung der Menschheit gibt es Naturkatastrophen, die wir nicht voraussehen und vermeiden können. Wenn wir sie aber annehmen und bewältigen lernen, können wir dadurch Kraft bekommen, daran zu wachsen und anderen Menschen zu helfen!“

Die neuere Traumaforschung beschäftigt sich auch mit der Frage nach dem positiven biografischen Gewinn nach einer erfolgreichen Integration des schrecklichen Erlebnisses in die Biografie. Die Forschungsergebnisse sind eindeutig. Die positive Verarbeitung eines Traumas führt zur Persönlichkeitsreifung. Meist kommt es zu erweiterten Lebensperspektiven und zu einer spirituell-religiösen Vertiefung. Neben der erhöhten Wertschätzung des Lebens verhelfen positiv verarbeitete Psychotraumata zu neuen Prioritätensetzungen und vor allem zur Vertiefung menschlicher Beziehungen.

„Mein Sohn besuchte dieselbe Schule, an der ich Lehrer bin. Wir fanden ihn später bei den Ausgrabungen. Er war tot. Jetzt hat mein Zittern aufgehört. Das Erdbeben hat mein Leben völlig verändert. Ich lerne aber allmählich, wieder an anderes zu denken als an die schrecklichen Bilder und die Schreie der sterbenden Kinder. Ich will stark genug sein, um wieder zur Schule zu gehen. Ich bin es meinem Sohn schuldig, für die Überlebenden jetzt eine Hilfe zu sein!“, sagt die 32-jährige Lehrerin Li Guangui aus Hongbai, und ihre Kollegin Xiao Ziong, 28 Jahre, aus Bajiao fügt hinzu: „Wir müssen die Schatten aus unseren Herzen entfernen, um wieder frei vor die Kinder treten zu können!“

Diesem Ziel diente die notfallpädagogische Krisenintervention im Erdbebengebiet von Sichuan.

Zum Abschluss der notfallpädagogischen Krisenintervention erbat sich die Stadtregierung von Shifang ein Dienst-T-Shirt der „Freunde“. Dies wird in einer neu zu errichtenden Gedenkstätte für die Opfer des Bebens als Symbol länderübergreifender humanitärer Hilfe ausgestellt werden.

Vollständiger Einsatzbericht.

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