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Bangladesch 2017

Endlose Menschenschlangen

Massenflucht der Rohingya aus Myanmar

Unzählige Menschen warten. Auf Nahrung, auf ihre Registrierung, auf Plastikplanen, auf ein Stückchen Hoffnung. Wir sind im Thenkhali Flüchtlingslager. Der Regen hört gerade auf, als wir ankommen. Trotzdem sind die Wege im Lager teilweise unpassierbar durch den Schlamm. Die kleinen Zelte aus Plastikplanen und Bambusstangen stehen auf dem bloßen Erdboden. Der schmale Graben darum hilft kaum, die Überschwemmungen der Zelte zu vermeiden. Jeweils zwei Familien teilen sich ein Zelt, nur geteilt durch eine Plane. Geschlafen wird auf einer kleinen Plane oder einem leeren Reissack.

Mumtaz‘ Familie ist eine von den vielen im Camp. 12 Tage waren sie auf der Flucht, haben Familienangehörige zurück lassen müssen, viele wurden getötet. Nun sind sie in Sicherheit, doch in der Nacht kommen die Erinnerungen wieder: Schüsse, Schreie, die Flucht. All das bebt unter einer dünnen Schicht aus Erstarrung und Schock. Und schon das leichteste Kratzen an dieser Oberfläche lässt als das Schreckliche wieder hochkommen. Der Ehemann von Mumtaz leidet unter täglich wiederkehrenden Flashbacks. Jedes Mal ist er wie aus dem Nichts plötzlich wieder dort, hinter der Grenze.

Wir fahren weiter. Das Lager Kutupalong ist aufgeteilt in einen alten und einen neuen Teil. Es besteht schon seit 1992, die erste größere Flüchtlingswelle kam im Oktober 2016. Sie war nichts im Verhältnis zu den Massen an Menschen, die seit dem 25. August 2017 nach Bangladesch gekommen sind.

Soweit das Auge reicht sieht man nur Zelte. Und auch hier in Kutupalong New Extension stehen wieder Schlangen von Menschen, die warten. Mittlerweile leben hier ca. 180.000 Menschen und im gesamten Distrikt gibt es acht weitere solcher Camps. Und es werden noch mehr kommen. Unter ihnen sind viele Kinder, fast 300.000 leben bereits in den Camps. Bislang haben nur die allerwenigsten die Möglichkeit, einen Child Friendly Space oder eines der learning centres von UNICEF zu besuchen.

In Bangladesch als internationale NGO tätig zu werden, ist eine Herausforderung. Die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen ist unabdingbar. Nach wie vor sind die Rohingya staatenlos und eine Möglichkeit auf Rückkehr wird es für sie in absehbarer Zeit nicht geben. Um auch langfristig Hilfe und eine Zukunft für die Kinder zu ermöglichen, planen wir Trainings für lokale Betreuer und eine die Arbeit in Child Friendly Spaces.

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Wo jeden Tag Hunderte ankommen

Hilfe für Helfer in Bangladesch

Am 25. August griff eine Rohingya-Miliz burmesische Sicherheitseinrichtungen an, die mit einer Gegenoffensive reagierten.  In den folgenden Wochen sind über 300.000 Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch geflüchtet. Viele von ihnen kommen mit überfüllten Booten über den Grenzfluss Naf – und viele schaffen es nicht bis ans andere Ufer. Ein unabhängiges Bild der Lage ist im Moment nicht möglich, da die Regierung Menschenrechtsbeobachtern die Einreise verweigert. Allerdings spricht Uno-Menschenrechtskommissar Zeid Raad Al Hussein von einem „Musterbeispiel für ethnische Säuberung“ und der systematischen Vertreibung der muslimischen Minderheit der Rohingya.

Die Grenzregion Bangladeschs, in der die erschöpften Menschen ankommen, ist mit der Situation überfordert. Das ohnehin arme Land registriert bereits seit den 90er-Jahren Flüchtlinge aus Myanmar nicht mehr offiziell und gewährt ihnen nur die nötigste Hilfe. Die Flüchtlingslager sind längst voll, die meisten landen nun in provisorischen Unterkünften.

Nichts desto trotz gibt es durchaus Hilfsbereitschaft, viele wollen dem Leid der Rohingya nicht tatenlos zusehen. Was diese freiwilligen Helfer erleben, ist oft unvorstellbar. Eine von ihnen berichtet: „Ich war in der Shawpuri Dweep Region, wo die ersten Flüchtlinge ankamen. Einmal fuhren wir auch selbst raus. Und ich war entsetzt, als ich sah, wie viele Kinder nicht von den Bootsführern mitgenommen wurden, weil sie kein Geld hatten. Nachts gingen wir in die Camps und es war, als würde der Berg wanken vom Weinen der vielen Kinder. Man kann diese Szenen kaum beschreiben. Durch das, was ich bei ihnen beobachtete, wurde ich selbst traumatisiert.“
Die Gefahr für sekundäre Traumatisierung bei Helfern ist immer gegeben. Doch hier ist sie besonders groß, sie brauchen dringend psychosoziale Unterstützung.

Aus diesem Grund wird die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst im Januar einen Einsatz vor Ort durchführen. Neben der Arbeit mit traumatisierten Kindern steht hier vor allem auch die Entlastung der lokalen Helfer im Fokus. In Workshops und Coachings werden ihnen Methoden aus der Notfall- und Traumapädagogik an die Hand gegeben, um besser mit der enormen Belastung umzugehen. Dazu gehören Psychohygiene, Selbstfürsorge und das Stärken der der eigenen (Resilienz-)kräfte.

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News

  • +++ 09.10.2017 +++

    Ein Spielplatz für die Kinder im Irak!

    Fan werden und einen Spielplatz ermöglichen

    Plätze für die Kinder, für Spaß und Freude gibt es in den Flüchtlingslagern im Nordirak kaum. Unter dem Motto „Spielen heilt“, möchten wir gemeinsam mit Ihnen und Ihrer Unterstützung etwas Licht in den bedrückenden Alltag der Kinder bringen.
    Mit dem Spielcontainer werden traumatisierte Kinder zur Bewegung und zum Spielen angeregt und ihnen Momente der Freude geschenkt.

    HIER FAN WERDEN!

  • +++ 28.09.2017 +++

    Hunderttausende auf der Flucht

    Jeden Tag fliehen Rohingya aus Burma nach Bangladesch, die Flüchtlingslager sind überfüllt, die Helfer überfordert. Am 24.11.2017 reist ein Team der Notfallpädagogik zu einem zweiwöchigen Einsatz in die Grenzregion zu Burma, um die Betroffenen und die Helfer psychosozial zu stärken. weiterlesen

  • +++ 28.09.2017 +++

    Notfallpädagogischer Einsatz in Mexiko

    Hilfe nach den Erdbeben

    Mehrere schwere Erdbeben haben in Mexiko viele Todesopfer gefordert. Anfang Oktober wird die Notfallpädagogik einen 2-wöchigen Einsatz vor Ort durchführen. weiterlesen   

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