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Gleichzeitig mit der Angst wächst der Mut: Zur aktuellen Situation in Myanmar

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Friedor Jeske arbeitete nach seinem Studium in Heidelberg und diversen Einsätzen im Ausland eine Zeit lang für die Freunde der Erziehungskunst, sowohl in Karlsruhe wie in Berlin, bevor er weiterzog und schließlich in Myanmar eine Umweltinitiative aufbaute. Er lebt inzwischen in Yangon und schrieb uns am 7. Februar 2021 den folgenden Bericht, in dem er mit uns seine Gedanken zur Situation in Myanmar nach dem Militärputsch vom 1. Februar und der Inhaftierung der Staatsrätin Aung San Suu Kyi und zu den darauf einsetzenden Massenprotesten teilt.

An alle die es gerade interessiert, wie die Gefühlslage ist, wenn man dabei zusieht, wie Myanmar wieder in eine Diktatur abrutscht.

Vorrausschickend möchte ich mich für den schlechten Sprachstil entschuldigen. Über die letzten Jahre habe ich ausschließlich Anträge, Berichte und technische Analysen auf Deutsch geschrieben.

Zur Sachlage habe ich wenig zu sagen und sowieso ist bei uns das Internet mehr oder minder dicht, so dass mein Wissen wohl unterdurchschnittlich ist.  

Stelle dir vor, du wachst Montag morgens auf und alle Sorgen, die du am Sonntag hattest, sind so nichtig, dass sie dir selbst als Sorge entfallen: einschließlich Corona, die Klimakrise und den Berg an persönlichem Kram, den ich mit mir rumschleppe. Alles ist auf einen Schlag kleinlich, lächerlich… nichtig. An die Stelle dieser Sorgen tritt Angst. Die Angst vor jedem nächsten Morgen. Sie ist spürbar in jedem Einzelnen da draußen. Das Gefühl ist vergleichbar mit dem plötzlichen Verlust einer großen Liebe, nur dass zu der Trauer und Verwirrung eine Bedrohung um dein Leben und das deiner Kinder hinzukommt.

Gleichzeitig mit der Angst wächst der Mut und der Drang mich zu entscheiden: Angst oder Mut, Sicherheit oder Freiheit. Wir kennen diese Entscheidung eigentlich nur aus dem Geschichtsunterricht: Was würdest du tun, wenn morgen der Bundestag von Faschos besetzt wäre und diese das Militär vollständig unter Kontrolle hätten (man stelle sich ein anderes Militär als die aktuelle Bundeswehr vor)? Was würdest du tun? Gehst du raus zum Demonstrieren? organisierst du Leute? machst du dich zu dem Teil, der sich auflehnt? oder hoffst du, dass der Spuk einfach vorbei geht und dass es so schlimm schon nicht werden wird? oder die Opferrolle: Ich kann eh nichts machen? Diese Fragen füllen jeden Raum, jede Unterredung, mein Denken immer fort.

Die Menschen sind erstaunlich mutig. Meine Kollegen sagten mir, sie würden sofort kündigen, sollten wir nicht etwas unternehmen. Seitdem arbeitet keiner mehr an Müll, außer mir, damit uns nicht sofort das Geld ausgeht. (Seit drei Jahren leite ich eine Organisation zur Müllvermeidung und Abfallwirtschaftsverbesserung).

Jetzt am Wochenende begannen die Demos. Als ich heute auf der Straße war, liefen schon Tausende, im Sinne Thailands mit drei erhobenen Fingern. Meine Rebellenseele schickte Tränen. Hupende Autos und Bus-Karawanen. Wie kommt es, dass vor einer Woche die gleichen Menschen sich mit nichts anderem zu beschäftigen schienen als Selfies, Essen und Katzenbilder? Jetzt stehen sie auf der Straße. Jeden Abend um acht haut ein jeder auf Töpfe ein (traditionell um Geister zu verjagen). Es ist sehr laut und dauert oft mehr als 20 Minuten. So entsteht Mut in kleinen Schritten: Alle sind mutig, folglich kann ich auch mutig sein.

Noch etwas anderes musste ich leider verstehen lernen. Mir war es immer ein Rätsel, warum den Meisten Umweltverschandelung völlig egal war. Die zerstörten Wälder, der Müll überall … . Es brach mir das Herz und deswegen habe ich auch nichts anderes als das in den letzten sieben Jahren gemacht. Und gestern, als ich wieder in den Fluss sah, der voll von Müll war, war es mir irgendwie egal, irgendwie unwichtig. Mal schauen, was mit dem Gefühl anzufangen ist.

Eine erstaunliche Zeit. Ende 2020 sagten Manche, es könne kaum schlimmer kommen. Es ist ein tägliches Lernen, wie weit es abwärts gehen kann und was der Mensch eigentlich erträgt. Ich hoffe inständig, dass ich nicht die gesamten menschlichen Untiefen kennen lernen muss. Denn, was ich auch diese Woche lernen musste: selbst von hier ist es doch noch ein langer Weg bis zu dem schrecklich schönen Gefühl, dass man froh ist überhaupt nochmal einen Sonnenaufgang zu sehen.

Bitte fragt nicht, ob ich in Sicherheit bin. In Anbetracht der Sachlage ist die Frage unangemessen. Ich bin weiß mit einem deutschen Pass und ungefährlicher Umweltaktivist. Wer was machen will: Es braucht gerade Unterstützung für Aktivisten. Wer helfen will, lass mich bitte wissen.

Friedor Jeske

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Sicher fragen sich gerade viele von euch, wie ein Freiwilligendienst ab Herbst 2020 möglich sein wird. Wir bleiben zuversichtlich und arbeiten intensiv an Lösungen. Deshalb gilt: Bewerbt euch weiter und denkt positiv! Alle, die sich weltweit sozial engagieren wollen und optimistisch nach vorne schauen, werden gerade jetzt besonders gebraucht. Unsere Einsatzstellen freuen sich auf euch. Gemeinsam werden wir es schaffen, den Weg in euren Freiwilligendienst zu ermöglichen.

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