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+++ 06.06.2018 +++

Seyda Aysel: 14 Jahre Einsatz in und für Bulgarien

2007 wurde in Sofia der erste Waldorfkindergarten Bulgariens eröffnet, aus dem inzwischen eine Schule mit neun Klassen erwachsen ist. Das damalige Gründungsteam, dem auch Welitschka Jordanova angehörte, wollte gut vorbereitet sein und suchte bereits drei Jahre vor der Eröffnung nach erfahrenen Waldorfpädagogen, die die rumänischen Erzieherinnen und Lehrerinnen ausbilden konnten. Dabei traf Welitschka Jordanova auf die Waldorferzieherin Seyda Aysel. Seyda Aysel ist Kindergärtnerin in Deutschland, Mitglied im Initiativkreis der Pädagogischen Sektion in Deutschland und hatte zuvor bereits die Waldorfbewegung in Rumänien begleitet. Es begann eine fruchtbare und inhaltsreiche Zusammenarbeit im Rahmen der Waldorferzieher- und Waldorflehrerausbildung in Bulgarien, von der Welitschka Jordanova in einem dankbaren Bericht über Seyda Aysels einzigartigen Einsatz erzählt.

Im April 2018 sind es genau 14 Jahre seit meiner ersten Begegnung mit Frau Seyda Aysel. Das geschah auf der Weltlehrertagung in Dornach 2004, als ich verzweifelt nach einem erfahrenen Waldorfpädagogen suchte, der die ersten wagen Schritte von ein paar vom Enthusiasmus ergriffenen Erzieherinnen und Lehrerinnen für eine praktische Umsetzung der spärlichen Kenntnisse in der Erziehungskunst begleiten würde. Da geriet ich  in der Arbeitsgruppe der rumänischen Freunde, die sich zusammen mit Michael Zech um die Ausformulierung und Ausarbeitung wesentlicher Merkmale der Waldorfpädagogik bemühte. In diesem kleinen Arbeitskreis war auch Seyda Aysel, die – wie ich es später erfahren durfte - seit vielen Jahren die Ausbildungsarbeit und die Waldorfbewegung in Rumänien begleitete. Diesem Kreis sprach ich das Anliegen der bulgarischen Freunde aus, uns möglichst jemanden zu vermitteln, der bereit wäre im Sommer 2004 nach Sofia zu kommen und zusammen mit der holländischen Erzieherin Marian Rust die Vorbereitung eines provisorischen Waldorfkinderhortes zu begleiten, woraus später ein Kindergarten entstehen sollte. Michael Zech richtete dann meine Frage an Seyda Aysel. Sie gab uns nicht gleich ihre Antwort. Nach dem Treffen der Arbeitsgruppe unterhielt sie sich aber kurz mit mir und als wir dabei einander in die Augen sahen, wusste ich, dass etwas Besonderes passiert. Später ist mir bewusst geworden, dass es eine Schicksalsbegegnung war. Am nächsten Tag hat Seyda ihre Zusage uns mitgeteilt und ich konnte erleichtert und voller Hoffnung nach Bulgarien zurückfahren.


Das war der Anfang einer strapazenvollen aber auch sehr erfreulichen und fruchtbaren Zusammenarbeit, die dank der Verantwortung, der Treue zur Sache und des Aushaltevermögens von Seyda Aysel und nur weniger bulgarischen Freunde über all die Jahre möglich war.

Im Herbst 2004 begann die erste systematische Waldorferzieher-und lehrerausbildung, die dreimal im Jahr drei Jahre lang stattfand. Dabei war Seyda 1-2 mal im Jahr immer dabei. Parallel dazu ging auch die Vorbereitung zur Gründung des ersten Waldorfkindergartens in Bulgarien, wobei Seyda Aysel unentbehrlicher Helfer und Berater war. Gleich nach Abschluss des Seminars wurde der Kindergarten „Zlatno Zratse“ (Goldenes Korn) eröffnet und Seyda übernahm in den darauf folgenden Jahren auch die Kindergartenbegleitung. Aus diesem Kindergarten ist die Waldorfschule entstanden, aktuell bis zur 9. Klasse, und weitere drei Kindergartengruppen.

Von 2007 bis 2016 hielt Seyda Aysel, unterstützt von der IASWECE, jährlich ein bis drei Aufbau- oder Einführungsseminare in Bulgarien. Dabei leistete sie auch wertvolle öffentliche, wie auch  Eltern- und beratungsarbeit. Als tiefgründige Anthroposophin, die Anthroposophie in jedem gesprochenen Wort und in jeder Geste lebt, hat sie viel zur Überwindung von vielen Schwierigkeiten und Konflikten beigetragen. Mit ihrer Ausgewogenheit, ihrer Erfahrung und mit ihrem tiefen Verständnis  für jeden Menschen und jede Situation war und ist sie uns allen ein hohes Vorbild.

In all den Jahren ist Seyda Aysel nie in die Versuchung gekommen, Privates mit einzumischen. Sie hat unsere Einladungen, ein paar Tage nach dem Seminar zu bleiben, um Urlaub in Bulgarien zu machen, immer höflich abgelehnt und ist jedes Mal gleich nach dem Seminar zurückgeflogen, manchmal um gleich danach von Deutschland aus auf eigene Kosten in Urlaub zu fahren. Sie war stets sehr bescheiden, was Unterkunft und Verpflegung betrifft und hat auch immer alles bis auf den Cent abgerechnet. Jahrelang hat sie meistens ihre Freizeit an Wochenenden, an Feiertragen oder in den Ferienzeiten ihres eigenen Kindergartens in Deutschland in unserem Land investiert, ohne jegliches Honorargeld dafür zu bekommen.

Da es in Bulgarien nur ganz wenige Menschen aus dem Ausland - in den letzten Jahrzehnten auch immer weniger Bulgaren - auf längere Zeit aushalten, habe ich mich oft gefragt warum Seyda Aysel einer dieser wenigen Menschen ist, der trotz allem weitermacht und weitermachen will. Und ich weiß: Es sind die Liebe, die Treue, die von einem selbst bewusst übernommen Pflicht und die Verbundenheit im Geiste, die dieses ermöglichen.

Dafür meinen tiefsten Respekt und meinen herzlichsten Dank an Seyda Aysel!

Ihr Einsatz in und für Bulgarien geht weiter. Seit 2016 läuft in Sofia eine neue dreijährige Erzieher-und lehrerausbildung, bei der sie  mitdoziert.  Neben der Seminararbeit begleitet sie weiter die Waldorfkindergärten in Sofia. Wir hoffen, dass ihre treue Mitarbeit, wie auch die Unterstützung aller beteiligten Menschen und Organisationen bald neue  Früchte bringen.

Allen diesen Menschen und Organisation möchten wir auch unseren tiefen Dank aussprechen!

Welitschka Jordanova
Verein „Freunde der Waldorfpädagogik“
Bulgarien

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