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+++ 29.03.2018 +++

WOW-Day „Ich möchte, dass Kinder überall auf der Welt die gleichen Chancen bekommen“

Angela Basenach (16), Jacob Böhme Waldorfschule in Görlitz

Angela Basenach geht in die zehnte Klasse der Jacob Böhme Waldorfschule in Görlitz. Bis zur siebten Klasse besuchte sie ein staatliches Gymnasium, bevor sie dann mit 13 Jahren zur Waldorfschule wechselte. Rückblickend eine echte Rettung, so die Sechzehnjährige. Im Rahmen der 26. Bundesschülerratstagung in Kaltenkirchen traf unsere WOW-Day Koordinatorin Jana-Nita Raker die engagierte Schülerin und sprach mit ihr über die (Waldorf-)Schulzeit, WOW-Day und Wünsche für die Zukunft.

 

Angela, welche Bedeutung hat für dich die Waldorfschule?
Ich war bis zur siebten Klasse am Gymnasium, das heißt ich war vorher an der freien Grundschule, dann am Gymnasium. Damals gab es die Waldorfschule in Görlitz noch nicht. Die ist erst sechs Jahre alt.
Meine Leistungen in der Schule waren nicht besonders gut. Irgendwann habe ich beschlossen, dass ich wiederholen möchte, um an die Waldorfschule zu kommen. Für mich ist die Waldorfschule echt die Rettung gewesen, weil ich kein Bock mehr hatte auf Lernen. Oft kam ich nach Hause und wollte eigentlich nichts mehr von Schule hören.
Ich bin dann an die Waldorfschule gekommen. Dort war ich dann total „happy“. Eine der Streberinnen, die Eurythmie liebt und ihre Epochenhefte jedes Mal ausgestaltet. Ja, für mich ist Waldorfschule was Tolles, ich überlege sogar, ob ich selbst einmal Wahldorfpädagogin werden möchte und dann selber Klassenlehrerin.
Die Waldorfschule bedeutet für mich viel. Einen Weg das Leben zu lernen. Also wirklich für das Leben zu lernen und nicht einfach für das Abitur oder um danach zu studieren zu können, sondern nachhaltig zu lernen.

Was machst du, wenn du nicht in der Schule bist?
Seit diesem Jahr interessiere ich mich sehr für Politik. Ich gehe da in so eine Jugendgruppe, die sich für mehr Jugendbeteiligung in der Politik einsetzt. Auch spiele ich zwei Instrumente Harfe und Gitarre. Und sonst interessiere ich mich für Sprachen, obwohl ich es nicht wirklich kann. Ich habe mit zwei verschiedenen Sprachen angefangen Hindi und Hebräisch.

Kennst du den WOW-Day?
Also, ich habe damals am Gymnasium von so was in der Art gehört. Das war der Soziale Tag, an dem man arbeiten geht und dann spendet man den Lohn für ein Projekt. Das fand ich damals schon ziemlich interessant.
Vom WOW-Day habe ich zum ersten Mal an meinem zweiten Jahr an der Waldorfschule davon gehört. Damals hat es bei uns leider nicht geklappt, weil es zu kurzfristig war und irgendwie hatten wir verschiedene Ideen, aber das ist dann auch nicht umgesetzt worden. Unsere Lehrerin war dann zwischenzeitlich auch noch krank. Im Jahr danach hat unser Lehrer das dann total verpennt. Da hatten wir auch viele andere Projekte. Das ist dann nicht mitgekommen.
Aber ich finde es eigentlich eine schöne Sache. Zum einem weil man die Chance kriegt, woanders zu arbeiten, was anderes kennenzulernen. Parallel dazu das Geld dann zu spenden für ein gutes Projekt ist eine gute Sache. WaldorfschülerInnen sind ja nicht da, um wegzuschauen, sondern hinzugucken, zu dem was auf der Welt passiert und zu helfen, wenn man kann.

Was wünscht du dir für die Zukunft?
Ich möchte vor allem, dass Kinder überall auf der Welt die gleichen Chancen bekommen. Ich hatte mal mit dreizehn eine sehr extreme Phase, in der ich gemeint habe: Wodurch habe ich ein Recht auf Kleidung, die von Kindern hergestellt wird? Wodurch habe ich ein Recht auf Handys? Wodurch habe ich dieses Recht? Einfach nur, weil ich hier geboren wurde! Eine Zeit lang war ich der Meinung, man sollte nur Fair Trade und so weiter kaufen. Wenn man das Geld dafür nicht hat, dann einfach gar nicht, weil ich das eben schon krass fand. Inzwischen sag ich, man muss auch irgendwo vernünftig bleiben, indem man sagt: Okay, ich kauf mir jetzt keine Klamotten, nur weil ich das Geld dafür nicht haben, aber irgendwo ist es für mich immer noch ein Traum, dass die Kinder überall die gleichen Chancen haben. Dass nicht der Geburtsort darüber entscheidet, was man kann, wer man werden kann. Das ist für mich besonders wichtig.
Und dann hoffe ich einfach, dass unsere Welt nicht so wird, wie ich momentan das Gefühl hab. Wir hatten mal einen Vortrag über Medien an unserer Schule, bei dem ich dann auch irgendwie dachte, wenn man sich anschaut, wie viele Sachen, von denen man vor 30, 40 Jahren gedacht hat, dass wird niemals passieren, jetzt so sind. Wenn man anschaut, was die Stasi gemacht hat und was heute passiert an Überwachung. Da ist es schon so, dass ich mir teilweise Sorgen mache, wie wird unsere Zukunft in 20 Jahren aussehen? Wie weit wird sich dieses rein materialistische Denken durchsetzen und wie weit wird dadurch das geistige Denken verloren gehen. Und ich hoffe, dass dieses durch Sachen wie die Waldorfbewegung auflebt und sich dadurch trotzdem durchsetzt.

Weltweite Solidarität mit waldorfpädagogischen Einrichtungen – diese Idee steckt hinter dem „Waldorf One World“, kurz WOW-Day. Engagierte Menschen sammeln an einem Tag im Jahr auf unterschiedlichste Weise Spenden und schenken sie Waldorf-Einrichtungen in Not. Alle Infos unter: www.waldorf-one-world.org

 

 

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