Deutsch  |  English

Seminar Juli 2016

Youth Leadership

Die Veränderungskraft der Teenager-Generation

Was passiert, wenn ein kräftiger Elefant erkennen würde, dass der Pflock, an dem er seit seinen Tagen als kleines Baby-Elefäntchen angebunden wird, ihn gar nicht mehr halten kann?

Drei ehemalige Freiwillige, die für ein Jahr in Estland, Südafrika und Brasilien gearbeitet haben, mischten die Oberstufen-projekttage der Waldorfschule Heidelberg auf.  Über zwei Tage forschten sie mit 12 Oberstufenschüler*innen über das Phänomen „Youth Leadership“. Es ging um das, was Teenager erreichen, wenn sie ihr Potential entdecken, ihre Stimme hörbar machen und ein paar Methoden kennen, um die Welt zu verändern.

Der Rahmen hierfür waren die Oberstufentage Ende Juni, die jährlich von der Schüler-SV der Waldorfschule Heidelberg organisiert werden. Projekttage sind immer eine spannende Sache, denn man sitzt nicht nur mit Schülern anderer Klassen zusammen im Unterricht, sondern es stehen auch fremde „Lehrkörper“ vorne, die manchmal nicht mal von der eigenen Schule sind.

So auch in diesem Fall. Ehemalige Freiwillige der Freunde der Erziehungskunst, die für ein Jahr mit Kindern, Jugendlichen oder behinderten Menschen in Deutschland, Europa und der Welt gearbeitet haben, besuchen regelmäßig Schulen, um von ihren Erfahrungen und Erlebnissen zu erzählen. Diesmal ging es weit über das Erzählen hinaus und es entstand ein interaktives Labor für die eigene positive Wirkung in der Welt.

Die Welt als Abenteuerspielplatz

Die Welt bietet der Schülergeneration  zahlreiche Herausforderungen. Mit den Flüchtlingen sind uns viele dieser globalen Zusammenhänge deutlich vor Augen geführt worden. Die Probleme, die dahinter stecken, sind nur wenigen Menschen klar. Noch weniger Menschen haben die Kompetenz, diese anzugehen und als Chance zu nutzen. Das wollen wir hier trainieren.

Viele Schüler wollen diese Themen endlich anpacken und unsere spannende Welt schöner und bunter machen. Alles was sie daran hindert, nervt sie. Auch Mathe, Geschichte, Deutsch und Fremdsprachen nerven manchmal und sind eher trockene Inhalte. Doch die Welt braucht Menschen mit diesem Wissen. Und die Schüler müssen wissen wo! Dann wird Lernen ein Abenteuer. Schulwissen hilft nicht beim Lernen, sondern im Leben und daher müssen wir das Leben in die Schulen holen.

Reise zu mir und meinen Möglichkeiten

Um frei zu werden von vorgegebenen Inhalten und Lehrplänen, müssen wir uns erst klar werden, wohin wir wollen. Daher beginnt der Workshop am ersten von zwei Tagen mit einer Reise zu mir selbst. Wann bin ich in meinem Element? Wer sind meine Vorbilder? Welche Themen interessieren mich? Diesen Fragen stellten wir uns, um zu wissen, was wir wollen.

 „Da die Hummel ja nicht weiß, dass sie nach physikalischen Gesetzen eigentlich nicht fliegen kann, tut sie es einfach trotzdem!" Manchmal hilft es uns zu wissen, was eigentlich möglich ist, um es zu tun. Und oft ist es gut, nicht zu wissen, was unmöglich ist. Daher widmeten wir unsere Aufmerksamkeit im zweiten Teil des Workshops jugendlichen Changemakern aus der ganzen Welt, die erfolgreich viel Unmögliches geschafft haben. Von Kanada, über Flüchtlingscamps in Jordanien bis zu Schulen in Indiens Slums. Anhand einer Poster Ausstellung, die uns youth-leader.org bereitstellte, näherten wir uns dem Phänomen Youth Leadership. Die Schüler recherchierten zudem an Laptops nach den Lebenswegen und Strategien der Teenager in der ganzen Welt. Was bringt einen Konzern zum Ändern seines Geschäftsmodells? Wie bringen wir eine Regierung zum Einlenken? Was macht eine Kampagne erfolgreich?

Die aus dieser Erfolgsanalyse entstandenen Roadmaps sollen uns fit machen, um am nächsten Tag eigene Projekte zu starten. Die Hausaufgabe war klar: Was möchte ich umsetzen?

Zum Tagesabschluss erzählte Jonathan Selz von seinen Erfahrungen als Freiwilliger in einem afrikanischen Township.

Von der Idee zum Projektteam

Der zweite Tag begann wieder ganz entspannt mit einer kurzen Traumreise. Danach ging es kurzerhand auf einen südafrikanischen Markt und es wurde laut und hektisch. In Dreiergruppen hatte jeder Schüler eine Minute Zeit, seine Idee den anderen zu verkaufen. Dann wurde gewechselt und die nächsten Verhandlungspartner hörten gespannt zu. Dabei war es aber ausdrücklich erlaubt, auf dem Markt andere Ideen zu klauen, abzuändern und sich neue zu überlegen. Am Ende entstanden daraus drei Projektteams und der Deal war perfekt.

Das erste Team widmete sich Heidelberg. Mit sauberen Stränden und offenen Herzen möchten sie einen gemütlichen Sommer mit Flüchtlingen und Menschen aus aller Welt am See verbringen.

Das zweite Team plante die Rettung der AFD-Wähler vor der Selbstzerstörung. Als „PLAN A“ wollen sie mit politischer Aufklärung, Diskussionsrunden und Workshops an Schulen um Heidelberg wirkliche Alternativen bekannt machen und leeren Wahlkampfversprechern das Handwerk legen.

Das dritte Team „rights are right“ bildete eine Aktionsgruppe für Menschenrechte. Nächstes Schuljahr, in der 12. Klasse wollen sie als Jahresarbeit ein interaktives Theaterstück schreiben, am besten ohne Sprache. Sobald sie mit der Schule fertig sind oder bereits davor, wird mit der Hilfe von aktuellen Freiwilligen  vor Ort,  das Stück in Indiens Großstädten und anderen Orten der Welt aufgeführt. Kinder haben die Möglichkeit, direkt selbst  Teil dieser Aktion zu werden.

In den Projektteams widmeten wir uns auch grundlegenden Methoden zur Projektentwicklung: Titel, Slogan, Zielgruppe, Zeitplan und Finanzierung waren einige der Fragen, die angesprochen wurden.

Durchstarten

Die Zeit war natürlich viel zu kurz. Wir hätten noch lange träumen, werkeln und planen können, doch nun hieß es durchstarten zur Abschlusspräsentation. Hier bekamen die Projekte ihre erste große Audienz vor der ganzen Oberstufe.

Abschließend erzählte die ehemalige Freiwillige Svenja von ihrem Freiwilligendienst in Estland. Wie sie mit Menschen im Camphill Pahkla für ein Jahr zusammen lebte und nicht nur estnisch lernte, sondern auch eine ganz neue Familie fand.

Auf der Tagung des Bundesschülerrats mit 250 Schülern von Waldorfschulen aus ganz Deutschland vom 30. September bis 3. Oktober in Berlin, wird wieder ein Youth-Leader Workshop stattfinden. Wenn der Schülerrat an jeder Waldorfschule Youth Leader Workshops organisiert, können wir eine deutschlandweite Bewegung für Menschlichkeit werden. Welche Wirkung werden wir dann sehen?

Helmut Wolman

News

Koordination Schulbotschafter-Projekt
Helmut Wolmann
Neisser Str. 10
76139 Karlsruhe
Tel +49 (0)721 354806-185
Fax +49 (0)721 354806-180
h.wolman[at]freunde-waldorf.de

Diese Seite teilen: