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Bau(ern)woche 2015

Eine Woche, drei Autos, vierzehn junge Leute aus allen Ecken Deutschlands, 800 km Fahrt, ein Ziel: Bourbon l‘Archambault in Zentralfrankreich. Endziel der Woche: Eine walzertaugliche Luxusterasse, ein bärenstarker, rustikal-schöner Holzlager- und Trockenraum mit vier eingegossen Punktfundamenten und Fachwerkständerwerk vom Feinsten (andere Leute sagen Schuppen), ein Zaun, gefühlt hundert Kilo Kartoffeln ernten und unzählige Quadratkilometer Unkraut jäten.

Haben wir geschafft. War kein Problem. Und: Es hat einen Riesenspaß gemacht!

Am Sonntag, 30.08.2015 versammelten wir uns auf dem Campingplatz von Bourbon, wo wir für die kommende Woche gemeinsam in unseren Zelten wohnen würden. Hier starteten wir den Tag jeden Morgen gemeinsam mit Frühstücks-Picknick und Morgenkreis. Dann verteilten wir uns auf die Autos und fuhren zur Association Esprit Libre von Albert und Christiane Werckmann, um uns mit den beiden, unserem Handwerksmeister Claude und Hélèn, die bei Albert und Christiane wohnt, zur Tagesvorbesprechung zu treffen.

Christiane und Albert, das ist ein französisches Ehepaar, so alt, dass sie unsere Großeltern sein könnten, aber so auf Trab, dass es erst einmal gelingen muss, mitzuhalten. Die beiden kamen vor einigen Jahrzehnten nach Bourbon, um die Ruzière als eine der ersten anthroposophischen Lebensgemeinschaften mit Menschen mit geistiger Behinderung in ganz Frankreich aufzubauen. Seit ihrer Pensionierung leben sie im Tivoli, wo Albert nach wie vor als Psychotherapeut arbeitet und sie gemeinsam einigen Angehörigen der Ruzière ein eigenständiges aber begleitetes Leben ermöglichen. Claude arbeitet seit vielen Jahren mit Albert und Christiane zusammen. Er ist leidenschaftlicher Feuerwehrmann, Bäcker und ein mit allen Wassern gewaschener Handwerker.

Nach unserer Vorbesprechung mit den dreien verteilten wir uns auf die Baustellen. Ein Teil von uns blieb am Tivoli, um dem Garten von Albert und Christiane, der uns in dieser Woche mit Essen versorgte, einen Spätsommer-Putz zu verpassen. Der Rest fuhr gemeinsam mit Claude 15 Minuten durch die malerische Landschaft Zentralfrankreichs zu Christianes und Alberts aktuellem Projekt. Ein Grundstück von 10 ha Land, das zu großen Teilen der Biodiversität gewidmet ist, ein Ort an dem die Natur heil sein darf. Darin eingebettet entstehen ein Gäste- und ein Seminarhaus. Dies soll ein Ort für Seminare und Workshops werden, ein Ort, wo Menschen sich treffen, um an der Frage zu arbeiten, warum die Welt und die Menschen immer kränker werden und wie wir dem entgegen wirken können. Und wir waren eine Woche lang Teil dieses Projekts. Unter der liebevoll-grummeligen Anleitung von Claude, der uns alles irgendwie mit wenigen Worten verständlich machen konnte, obwohl er kein Wort Deutsch sprach und den wir am Ende der Woche alle aus tiefstem Herzen verehrten, gruben wir Fundamente, verlegten Terrassen-Boden, bauten ein Fachwerkgerüst, mischten Beton mit der Hand, versetzen einen Zaun und vieles mehr. Jede und jeder fand eine Aufgabe, die sie oder er mit Bravour erledigte und unsere importierten Tischlermeister_innen erwiesen ihr Können auf ganzer Länge! Albert ließ uns an seinem riesigen Wissensschatz über Pflanzen und die Heilkräfte der Natur, an seinen Sorgen über die zunehmende Verschmutzung unserer Umwelt und unserer Körper und seiner Vision teilhaben. Und Hélène und Christiane verbrachten Stunden in der Küche um uns dem leckersten Essen der Welt zu bekochen, aus dem man die liebevolle Zubereitung förmlich herausschmeckte.

Zur Mittagszeit versammelte sich der gesamte Trupp inklusive Albert, Christiane, Claude und Hélène zum gemeinsamen Mittagessen. Nach einem Nickerchen in der französischen Spätsommersonne packten wir noch einmal an und beendeten den Tag schließlich mit einem gemeinsamen Abendessen im Tivoli. An zwei Nachmittagen beendeten wir die Arbeit früher, einmal für eine Führung durch die Ruzière und einmal, um mit Claude die Feuerwache von Bourbon zu besichtigen. Unser Abendprogramm bestand aus gemütlichen Beisammensein, angeregten Gesprächen, Wein und Madeleines oder einem Vortrag von Albert.

Den Abschied feierten wir mehrfach. Mit einem gemeinsamen Lagerfeuerabend am Freitag, einem Abschlusspicknick am Samstag und einem Pizzaessen mit Claude am Samstagabend. Am Sonntag verteilten wir uns schließlich ein letztes Mal auf die vier Autos, um die Rückreise anzutreten.

In dieser Woche in Frankreich erfuhren wir unendlich viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft, Wertschätzung und Dankbarkeit, eine unfassbar motivierte Freiwilligentruppe, die nicht nur arbeiten sondern auch singen konnte. Tolles Sommerwetter. Dreckige Klamotten. Und dieses sonnenwarme Erfolgsgefühl, wenn man mit einer tollen Truppe im Rücken die gemeinsam geschaffte Arbeit betrachtet. Danke an all die großartigen Menschen, die mitgemacht haben, an alle, die uns unterstützt und geholfen haben, an Albert Christiane, Hélène und Claude, danke für diese Woche!

Bau(ern)woche 2014

"Wenn ich die Augen schließe, sehe ich immer noch Kürbisse!" Ruft eine Teilnehmerin der "Bau(ern)woche" am letzten Tag einer bewegenden und erlebnisreichen Woche auf dem Hofgut Rengoldshausen am Bodensee. 14 ehemalige Freiwillige der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners haben vom 7. bis 13. September nicht nur ca. 8 Hektar Kürbisse geerntet, sondern hatten auch die Möglichkeit verschiedene Arbeitsbereiche auf einem Demeter-Hof kennenzulernen.

Noch vor Sonnenaufgang, um 6.30, begann der Tag für uns mit der Fahrt zum Kürbisfeld in einem riesigen Heu-Anhänger. Zusammen mit ein paar MitarbeiterInnen vom Hofgut Rengoldshausen traten wir Franzosenkraut platt, schnitten die Hokkaido-Kürbisse ab und legten sie schön aufgereiht hin, damit wir sie später besser einsammeln konnten.

Um halb 9 ging es zurück zum Hof, wo jeden Morgen eine(r) von uns für alle ein herrliches Frühstück vorbereitet hat, das nach zwei Stunden an der frischen Luft natürlich viel besser geschmeckt hat als sonst!

Danach haben wir uns mit Markus, einem Landwirt vom Hofgut, getroffen, der uns die Arbeitsbereiche genannt hat, die tatkräftige Unterstützung brauchten. Für jeweils ein paar von uns ging es dann weiter zum Kürbisernten, Kartoffelroden, Möhrenbündeln, Lauchhacken, oder in den Samenbau zum Sammeln von Bohnen, Salat- oder Blumensamen. Zwei von uns haben täglich auch in der Küche beim Kochen geholfen.

Um uns die Möglichkeit zu geben, nicht nur mitanzupacken, sondern auch zu lernen und Antworten auf all unsere Fragen zu finden, machte Markus eine Führung über den gesamten Hof mit uns. Auch die Gewächshäuser, die Flächen des Samenbaus und die Hühnerställe konnten wir besichtigen, wo die Hofgut-MitarbeiterInnen das Wissen aus ihren Fachbereichen mit uns teilten. So sammelten wir viele spannende Impulse, neue Ideen und vor allem wurde uns die Motivation für ökologische und nachhaltige Gemüse- und Tierzucht sehr bewusst.

An das Ende des Arbeitstages schlossen sich gesellige Abende, während derer wir diverse Kürbis-Rezepte ausprobierten, lange lachend am Esstisch saßen, sangen und spielten. Selbst einem Regentag auf dem Feld gelang es nicht uns die Laune zu verderben, denn schließlich geht Schlammcatchen nur im Matsch!

Insgesamt sind wir einfach nur begeistert, wie viel Freude und Belebung eine Woche mit wirklich sinnvoller Arbeit bringen kann! Vielen Herzlichen Dank an das Hofgut Rengoldshausen, alle Mitanpacker und all jene Menschen, die daran beteiligt waren uns so eine schöne und lehrreiche Woche zu ermöglichen!

Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Jahr! Laura & Theresa

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