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Mein Jahr in Indien

Iruna Müller bei den Friends of Camphill India, 2017/18

"Friends of Camphill India in Südindien, Bangalore, ist eine Lebensgemeinschaft. Das bedeutet, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Leben nicht mehr so klar sind, wie im "normalen" Leben. Wer im Camphill lebt, investiert oft alle verfügbare Zeit und Energie in die Gemeinschaft. Zu Beginn fiel es mir nicht leicht, in dieser intensiven Arbeit auch Grenzen meines Selbst zu ziehen und meine eigenen Bedürfnisse in Balance mit dem neuen Leben zu bringen. Durch diese Herausforderung habe ich gelernt, was ich wirklich brauche und was zusätzlicher Luxus ist. Das hat auch mit den Bemühungen der Gemeinschaft um Nachhaltigkeit zu tun, die mir aufzeigten, wie ein Leben mit geringer Ressourcenbelastung und Essen aus biologischem Anbau in der Praxis aussehen kann.

An sechs Tagen wöchentlich ist es Aufgabe der Freiwilligen, gemeinsam mit den Hauseltern unseren 24 Special Friends (Menschen mit geistiger Behinderung, kurz Friends) die Betreuung zu bieten, die sie für ein würdevolles Leben benötigen. Zentral dafür ist Arbeit, etwa im Haushalt, der sinnvolle Aufgaben für den Erhalt der Gemeinschaft bietet. Die Hausarbeit ist eingespielt und braucht nur ein aufmerksames Auge und präsente Begleitung. Anders ist die Arbeit in den Workshops, jeweils zwei Stunden vormittags und nachmittags. Ich übernahm die Leitung des Papierworkshops, in dem ich frei Projekte durchführen durfte, darunter die Herstellung von Umschlägen und Karten, einem Adventskalender, selbstgeschöpftem Papier, besonders aus verschiedenen Pflanzenmaterialien und Elephantendung. Ich genoss den Freiraum und die besondere Zusammenarbeit mit den Friends. Am Nachmittag war ich im Garten beschäftigt mit Gießen, Unkraut jäten, Kompost und mehr.

Wir waren als Team von zwei Freiwilligen und der Hausmutter verantwortlich für das seelische und körperliche Wohl von sechs Frauen. Aufgaben wie die Begleitung der Körperpflege und des Toilettenganges sind mir schnell selbstverständlich geworden. Eine größere Herausforderung war es, die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der Frauen kennenzulernen, was soziale Interaktion und Kommunikation betrifft, sodass mein Lernprozess im Verlauf des Jahres kontinuierlich war.

Die Mitarbeiter sind sehr gut betreut und zum Austausch in regelmäßigen Meetings angehalten. Ich konnte mich immer auf die Unterstützung meiner Mitarbeiter verlassen, Probleme ansprechen und lösen. Dass es dabei auch zu Konflikten kam, war wichtig, um meine eigene Kommunikation und Sichtweise zu verbessern und zu erweitern.

Zu Fundraisingzwecken versuchte ich das Camphillleben in Form von Videos und Fotos zu dokumentieren. Die Geschäftigkeit im Camphill und der Wunsch, selbst vollkommen präsent zu sein, statt nur hinter der Kamera, begrenzten die Möglichkeiten, Material zu sammeln deutlich. Ebenso herausfordernd war es, zeitlichen Raum für Konzept und Schnitt zu finden. So wurde klar, dass das Einbringen einer neuen Aufgabe in dem durchstrukturierten Alltag einer etablierten Einrichtung viel Einsatz erfordert. Ein weiteres Thema, das mich viel beschaeftigt hat ist Müll, was sich auf Indien im Besonderen bezieht, da das Problem hier offensichtlicher ist als in Deutschland. Ich war in der Mülltrennung aktiv und habe mich mit meinem Anteil am Abfall den wir Woche für Woche produzierten auseinandergesetzt und daher auch Verantwortung für mein Konsumverhalten übernommen.

Verantwortung übernehmen erfasst die grundsätzliche Lebenseinstellung im Camphill. Wir sind verantwortlich für das Wohl anderer. Es ist also eine Notwendigkeit, die unsere Special friends auslösen, Entscheidungen auf bewusste Art und Weise zu treffen. Das betrifft die Themen Ernährung, Konsum, Körperpflege, Sozialleben und Sexualität, Arbeit etc., eben alles, was zum Leben dazugehört. Es resultiert die erwähnte nachhaltige Lebensweise, die uns auch verantwortlicher unseren eigenen Bedürfnissen gegenüber macht. Da ist die Bereitschaft, zu hinterfragen, was Norm ist und tiefer zu gehen in der Frage, was ein gutes Leben ist. Da ist ein unbegrenzter Wachstumsprozess, der jeden Friend betrifft und jeden Freiwilligen betrifft.

Ein verantwortungsbewusstes Leben zu führen, das hat mit mir räsoniert, das hat mich bewegt zu investieren in jede Beziehung, jede Konsumentscheidung und jeden Tag. Für ein Jahr als Teil eines Ideals leben zu dürfen hat mich geformt und mir Überzeugung geschenkt. Sie ist das wertvollste Geschenk überhaupt und ich bin mir darüber im Klaren, welch privilegierte Position ich als Empfänger inne habe, als Mensch, der sich Freiwilligenarbeit leisten kann, weil ich gesund bin, jung, Weiß und aus einem reichen, liberalen Land komme, das mir eine solche Erfahrung ermöglicht. In meinem Leben als erwachsener Mensch mit Verantwortung für die Gemeinschaft meiner Stadt, meines Landes, meines Planeten, wird meine Erfahrung im Camphill weiterwirken in der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Insofern hat der Frewilligendienst mit weltwaerts für mich ganz klar Entwicklungshilfe bedeutet, nur eben als Selbstretter, nicht als Indienretter."

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Wir schauen nach vorne!

Bleibt optimistisch und macht mit.

Sicher fragen sich gerade viele von euch, wie ein Freiwilligendienst ab Herbst 2020 möglich sein wird. Wir bleiben zuversichtlich und arbeiten intensiv an Lösungen. Deshalb gilt: Bewerbt euch weiter und denkt positiv! Alle, die sich weltweit sozial engagieren wollen und optimistisch nach vorne schauen, werden gerade jetzt besonders gebraucht. Unsere Einsatzstellen freuen sich auf euch. Gemeinsam werden wir es schaffen, den Weg in euren Freiwilligendienst zu ermöglichen.

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Liebe*r Bewerber*in,

Unsere Plätze sind für das Jahr 2021 belegt.

Unter bestimmten Bedingungen ist jedoch eine Platzierung für Bewerbungen aus der EU möglich. Fragen Sie bei Interesse bei uns an.


Dear Applicant,

Our places are occupied for the year 2021.

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