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Weitere Initiativen in Europa

(aus: Waldorfpädagogik weltweit, S. 194-195, Copyright-Hinweise beachten!)

Griechenland - Jugoslawien - Slowakei - Bulgarien

Griechenland

Griechenland ist nicht nur die Wiege unserer Kultur, sondern ein wunderbares Land mit gastfreundlichen Menschen. Grandiose Landschaften, das Meer, die Sonne, die alte Kultur täuschen den allgemein üblichen Touristenblick über die bestehenden Härten und Probleme.

Gewöhnlich erwartet Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen, die von ihren Familien nicht mehr betreut werden können, in Griechenland ein trauriges Los. Sie kommen in Asylheime, in denen sie in großen Schlafsälen ihr Dasein fristen müssen. Bis heute gibt es erst zwei heilpädagogische bzw. sozialtherapeutische Einrichtungen auf anthroposophischer Grundlage in Griechenland.

Die eine Initiative geht zurück auf die erfahrene Heilpädagogin Elsa Wohlwend, eine Schweizerin mit dänischer Staatsangehörigkeit. Sie hatte jahrelang in einer Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen in Piräus gearbeitet und dort versucht, anthroposophische Heilpädagogik umzusetzen. Inzwischen baut sie eine heilpädagogische Initiative an der Westküste des Peloponnes in Mesohori bei Pylos auf, in der drei bis vier Menschen mit Behinderungen betreut werden.

Die zweite Einrichtung wird getragen von einer deutschen Stiftung, der „Estia Agios Nikolaos“, und befindet sich im Gebiet der Gemeinde Galaxidi an der Nordküste des Golfs von Korinth. Zurzeit werden dort dreizehn Erwachsene mit Behinderungen betreut. Im Laufe der näheren Zukunft soll die Einrichtung auf 24 erweitert werden. Ein Angebot von Seiten des griechischen Staates, der die Arbeit der Einrichtung wertschätzt, die bisherigen zwei Wohnhäuser mit Werkstatt durch vier zusätzliche Wohnhäuser zu erweitern, musste aus Mangel an Mitarbeitern abgelehnt werden.

In Athen gibt es zwar eine Initiative zur Gründung einer Waldorfschule, aber sowohl die Gesetze als auch die Bereitschaft und Stimmung in der Bevölkerung, die sehr stark durch die orthodoxe Kirche beeinflusst wird, lassen das zurzeit nicht zu.

KURT EISENMEIER

Jugoslawien

In Jugoslawien ist Waldorfpädagogik mit der Kindergärtnerin Olivera Todorovic verbunden, die ihre Waldorfausbildung am Kindergartenseminar in Bern, Schweiz, erhalten hat. 1995 gründete sie einen Verein für Waldorfpädagogik „Udruzenje za Waldorfsku pedagogiju i umetnost – Belgrad“. Ihre Beratertätigkeit bei städtischen Kindergärten in Belgrad gab sie im Jahr 2000 auf, um sich ganz der Waldorfpädagogik zu widmen. Seitdem leitet sie einen kleinen privaten Waldorfkindergarten, der bisher jedoch noch nicht staatlich anerkannt ist.

Im Dorf Meljak, 30 km von Belgrad entfernt, gibt es eine weitere pädagogische Initiative auf anthroposophischer Grundlage. Der Verein „Neven“ plant in ländlicher Gegend ein Heim für Waisenkinder aufzubauen, da viele Kinder, die im Krieg ihre Eltern verloren haben, in schwierigen Verhältnissen aufwachsen müssen. Waisenkinder werden z. T. in krankenhausähnlichen Gebäuden in Gruppen von 30 Kindern pro Krankenschwester betreut. Die Mitarbeiter des Vereins „Neven“ haben seit 1995 mehrere Häuser gebaut, in denen sie neben ihren eigenen Kindern bisher zwei Waisenkinder betreuen. Acht weitere wollen sie ständig aufnehmen, während an den Wochenenden Veranstaltungen mit größeren Kindergruppen aus der Umgebung stattfinden.

OLIVERA TODOROVIC
MISA PETROVIC

Kosovo
Im Januar 2000 hat das Kindergartenprojekt „Oeses“ in Pristina, Kosovo, begonnen und langsam zeigen sich die positiven Folgen dieser Arbeit mit den traumatisierten Kindern. Bei den einen Kindern geht die Aggression zurück, bei anderen, die sich ganz in sich selbst zurückgezogen hatten, werden zarte Keime sichtbar, das Gespräch und den Kontakt mit den anderen Kindern zu suchen. Getragen wird diese Arbeit von zwei Kosovarinnen, die während des Krieges Waldorfpädagogik in der Schweiz kennen gelernt hatten. So erfolgt die wesentliche Unterstützung auch nach wie vor aus der Schweiz. Da die Arbeit im rechtsunsicheren Nachkriegs-Kosovo nicht einfach ist und von vielen Hindernissen begleitet wird, ist ein funktionierendes Netzwerk umso notwendiger.

Slowakei

Im September 2001 ist die erste slowakische Waldorfschule mit einem Kindergarten in Bratislava gegründet worden, nachdem seit 1991 ein Initiativkreis pädagogische Arbeitsgruppen und Ausbildungskurse veranstaltet hat. Die Stimmung in der Slowakischen Republik war nach der Wende nicht gerade sehr liberal, ein wichtiger Faktor für die so späte Gründung, die außerdem noch als Privatschule erfolgen musste. Die Genehmigung für die Neugründung einer Waldorfschule durch das Bildungsministerium erfolgte am 4. Juli 2001, die Genehmigung für den Waldorfkindergarten kam erst am 31. August 2001.

Bulgarien

Auch in Bulgarien ist Anthroposophie und Waldorfpädagogik seit den 30er-Jahren bekannt, ohne dass es je zu einer Gründung gekommen wäre. Nach der Wende haben einige wenige Menschen eine Ausbildung zur Waldorfkindergärtnerin in Odessa, Ukraine, gemacht. Seit etwa 1998 kommen vermehrt Bulgaren in die westeuropäischen Lehrerausbildungsstätten. Durch ein vom Goethe Institut Sofia, der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft und den Freunden der Erziehungskunst gemeinsam veranstaltetes Symposium im Mai 2000 wurde die Waldorfpädagogik einem öffentlichen Publikum vorgestellt. Viele Interessenten, aber auch Beamte des Bildungsministeriums nahmen an dieser Einführung in die Pädagogik der freien Schulen teil. Seither wird ein Waldorfkindergarten in Sofia vorbereitet, eine Kindergärtnerin arbeitet mit Zigeunerkindern in Stara Zagora und eine Arbeitsgruppe begann in Varna.

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