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Integrative Waldorfschule am Rio de la Plata

(aus: Waldorfpädagogik weltweit, S. 184-185, Copyright-Hinweise beachten!)

Uruguay liegt am nördlichen Ufer der breiten Mündung des Rio de la Plata am Atlantischen Ozean und grenzt an Brasilien und Argentinien. Das Klima ist gemäßigt warm, riesige Grasebenen und Waldregionen bestimmen die Landschaft. In der Hauptstadt Montevideo, weit weniger hektisch als das benachbarte Buenos Aires, lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung Uruguays.

Freie Schulwahl

In Montevideo entstand 1967 ein erster Waldorf-orientierter Kindergarten, der von Helga und Rudi Grams gegründet wurde. Sieben Jahre später, im Jahr 1974, wurde eine erste Waldorfklasse eröffnet und seitdem wurde das „Colegio Novalis“ bis zur 6. Klasse aufgebaut. Schon seit der Schulgründung wird besonderer Wert darauf gelegt, auch Kinder mit Lernschwierigkeiten zu integrieren.

Einerseits besteht in Uruguay Schulpflicht, andererseits gleichzeitig Elternrecht auf freie Schulwahl, was ermöglicht, Kinder in staatliche oder freie Schulen zu schicken. In der Grundschulzeit, die die ersten sechs Jahre umfasst, ist jede pädagogische Alternative möglich und wird autorisiert. Nach dem 6. Schuljahr müssen die Kinder aller freien Schulen, die nicht nach dem staatlichen Lehrplan unterrichtet wurden, ein Examen ablegen,um an eine staatliche Schule überzuwechseln.

Das siebte und achte Schuljahr gehört in Uruguay zur Mittelstufe. Die Waldorfschule in Montevideo rechnet damit, in den kommenden Jahren auch die Zulassung für den Unterricht in der Mittelstufe zu erhalten.

In Uruguay ist die Waldorfpädagogik bisher noch wenig bekannt, sie gilt als eine Alternative zur staatlichen Pädagogik. Der Staat leistet außer einem geringen Steuererlass keinerlei Unterstützung für private Initiativen im Erziehungsbereich. Das „Colegio Novalis“ finanziert sich durch Elternbeiträge, Feste und Spenden aus dem Ausland.

Wer die Waldorfpädagogik persönlich kennen gelernt hat – sei es durch das Lehrerseminar oder als Eltern – schätzt die Arbeit mit den Kindern immer mehr. Aber es ist weder für die Eltern noch für die neuen Lehrer einfach, die so ganz an-dersartige Methode in der Öffentlichkeit zu vertreten, zumal Kinder mit Lernschwierigkeiten integriert werden. Vorur-teile müssen ständig überwunden werden.

Erweiterung geplant

Da das Erziehungssystem in Uruguay in den letzten Jahren eine Öffnung erfahren hat und die Erziehungsbehörden Interesse für alternative Schulmodelle zeigen, besteht die Hoffnung, dass die Waldorfschule in Montevideo in Zukunft mehr Anerkennung von staatlicher Seite erhalten wird.

In einem Zehnjahresplan haben Lehrer, Schulvorstand und Eltern die nächsten Schritte für den Aufbau einer Mittel- und Oberstufe geplant. Zurzeit laufen die Vorbereitungen zu einer Lehrerausbildung für den weiteren Schulaufbau. Dafür ist auch ein neuer Schulbau nötig, der sich ebenfalls in der Planungsphase befindet. Es ist zu hoffen, dass die Waldorfschule Montevideo Unterstützung für ihren Aufbau im In- und Ausland finden wird.

CRISTINA PILON

Cristina Pilon
Universitätsstudium, staatliche Lehrerausbildung, Studium der Waldorfpädagogik am Seminar in São Paulo. Klassen-lehrerin im „Colegio Novalis“.