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Waldorfschule zum neuen Millenium

(aus: Waldorfpädagogik weltweit, S. 162-163, Copyright-Hinweise beachten!)

Namibia besteht zum größten Teil aus Wüsten- und Halbwüstengebieten. Nur im Norden des Landes regnet es häufig genug, um Ackerbau zu betreiben. Namibia hat eine ethnisch vielschichtige Bevölkerung. Die Herero und Nama, von den deutschen Kolonialherren vom zentralen Hochplateau vertrieben, leben heute in den Wüstenausläufern. Die Ovambo, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, leben im fruchtbaren Norden des Landes. Die Weißen, Nachkommen deutscher Siedler oder britischer, portugiesischer und südafrikanischer Herkunft, die etwa sechs Prozent der Bevölkerung ausmachen, haben bis heute einen prägenden Einfluss auf das wirschaftliche und politische Leben Namibias.

Ein erster Versuch

Anfang der 70er-Jahre wurde die anthroposophische Arbeit im Umkreis von Windhuk aufgenommen und bis heute fortgeführt. Damals entstand der erste Anlauf zur Eröffnung einer Waldorfschule. Bereits 1976 wurde in Windhuk der erste Waldorfkindergarten von Menschen gegründet, die nach einer waldorfpädagogischen Einrichtung für ihre Kinder suchten, und hat über zehn Jahre lang eine Gruppe von jeweils fünfundzwanzig Kindern betreut. Marianne Blecks und Barbara Gramm leiteten den deutschsprachigen Kindergarten, der wegen personeller Engpässe im Jahr 1988 wieder geschlossen werden musste.

Im Februar 1992 begründeten Klaus und Sabine Raschen den "Kindergarten der Christengemeinschaft", einen Waldorfkindergarten in einem Gebäude, das ihnen die Denkmalschutzbehörde zur Verfügung gestellt hatte. Von Anfang an besuchten schwarze und weiße Kinder diesen Kindergarten, der sich bald in der Windhuker Elternschaft etablierte. Seit September 2000 konnte die Arbeit dieses Kindergartens in einem größeren und schöneren Raum fortgesetzt werden. Zusammen mit der Damarafrau Franziska Eises und Corinna Schauenburg konnte im Jahr 2000 ein Kindergarten im Township Katatura aufgebaut werden. 30 Kinder versammeln sich in einer schlichten Wellblechhütte und verbringen den Tag gemeinsam. Der Kindergarten spielt für die in der staubigen, wüstenbraunen Township lebenden Kinder eine wichtige Rolle.

Auf drei Farmen entstanden ebenfalls Kindergärten, die an Waldorfpädagogik orientiert sind; auf der Krumhuk-Farm wurden Kinder aus Windhuk ergänzend in den Fächern Eurythmie, Aquarellmalen und Formenzeichnen unterrichtet.

Zwei Klassenlehrer aus Deutschland

Das Jahr 2000 stand für die namibische Waldorfgemeinschaft unter einem guten Stern, denn zu all den erwähnten Neueinrichtungen kam nach vielen Jahren intensiver Vorbereitung die Gründung der ersten Waldorfschule im neuen Jahrtausend in Windhuk, der Hauptstadt Namibias, hinzu. Die Schule wurde am 18. Januar 2000 für etwa 40 Kinder aus allen Bevölkerungsgruppen eröffnet; die Kinder wurden in zwei Doppelklassen von zwei erfahrenen Waldorflehrern aus Deutschland, Peter Benkhofer und Birgit Peter, unterrichtet. Im Januar 2001 kam eine neue erste Klasse hinzu. Mindestens vier Sprachen werden auf dem Pausenhof gesprochen, ein Zeichen für die enormen kulturellen und sozialen Unterschiede, die zu überbrücken sind. Diese Vielfalt stellt die größte Herausforderung an die Lehrer, die sich dieser Aufgabe mit einem großen Koffer an Erfahrung einfühlsam und kreativ stellen.

Vielsprachigkeit

Der Sprachenvielfalt Namibias versucht die Schule gerecht zu werden, indem neben dem deutschen Hauptunterricht die am häufigsten gesprochenen Sprachen des Landes als Fremdsprachen regelmäßig unterrichtet werden. So öffnen sich den Kindern erste Tore in eine andere Welt, und sie gehen voller Freude hindurch und verbinden sich in einem für Namibia unbekannten und gelungenen Maße miteinander.

Schule mit Internat

Die Schule hat bislang ein Grundstück in der Stadtmitte gemietet, auf dem die bestehenden Häuser von der Elternschaft hergerichtet wurden. So entstanden drei Klassenräume, ein Schulbüro, ein Eurythmieraum, eine kleine Wohnung für den Hausmeister und ein kleines Internat. In dem Internat leben 15 Kinder, die von den entfernt gelegenen Farmen kommen und von einer einheimischen Erzieherin betreut werden. Nachmittags spielen und arbeiten freiwillige Helfer mit ihnen. In naher Zukunft wird die Grundstücksfrage geklärt werden müssen, da das bestehende inzwischen zu klein geworden ist.

Die Zustände in dem seit zehn Jahren unabhängigen Namibia sind, was Schule und Ausbildung der Kinder angeht, für die bis zur Unabhängigkeit zum großen Teil keine Schulpflicht bestand, katastrophal. Es gibt wenig Geld, Schulen, ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, Erfahrungswerte und Anhaltspunkte. Die Öffnung aller staatlichen Schulen für alle Kinder stellt die Lehrkräfte vor große Herausforderungen und fordert eine Umstrukturierung der Lehrpläne.

Die Waldorfinitiative hatte keine Probleme, die Schule registrieren und anerkennen zu lassen. In Namibia ist jeder, der innovativ im Schulwesen tätig wird, willkommen, ganz besonders, wenn dabei keine finanziellen Forderungen gestellt werden. Staatliche Finanzierung würde für die Waldorfschule bedeuten, dass sie sich an den nationalen Lehrplan halten müsste.

Aufgrund der schwierigen Lebenslage in Namibia ist ein Großteil der Eltern nicht in der Lage, Schulgeld zu zahlen. So tragen ein Teil der Eltern, Freunde und engagierte Paten dazu bei, dass der Schulhaushalt ausgeglichen ist, und ermöglichen diese für Namibia so geeignete Schule, deren besonderes Anliegen die Integration aller Bevölkerungsschichten ist.

HEIDRUN VON KOENEN
CHRISTINE VOIGTS

Heidrun von Koenen
Lehramtsstudium in Deutsch, Afrikaans und Mathematik in Pretoria (RSA). Seit Januar 2000 Schulsekretärin der neu gegründeten Waldorfschule Windhuk.

Christine Voigts
Pädagogikstudium und Unterricht an einer deutschen Schule in Windhuk. Unterstützung der Waldorfkindergärten und der Waldorfschule in Namibia.