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Ein Land, das verbindet

(aus: Waldorfpädagogik weltweit, S. 56-57, Copyright-Hinweise beachten!)

Das Großherzogtum Luxemburg liegt zwischen der Bundesrepublik Deutschland, Belgien und Frankreich und bezeichnet sich gern als "grünes Herz Europas", das viele Touristen anlockt. Waldorfpädagogik wurde in Luxemburg durch die Vortragstätigkeit von Prof. Dr. Ernst Schuberth von der "Freien Hochschule für Anthroposophische Pädagogik Mannheim" bekannt. Nach einem Vortrag Schuberths 1981 im Casino de Bonnevoie hatte Raymond di Ronco, einer der 60 Zuhörer mit fester Stimme erklärt: "Eine Waldorfschule in Luxemburg ist möglich!" Doch bis zur Eröffnung des ersten Waldorfkindergartens mussten noch zwei Jahre vergehen.

Die luxemburgische Sprache verbindet

Junge Eltern fanden sich mit Anthroposophen zu einem Arbeitskreis auf Limpertsberg zusammen. Die Waldorfpädagogik war den meisten Teilnehmern der Elterninitiative in ihren Grundzügen unbekannt. So bildete sich ein Initiativkreis, der sich in die Pädagogik einarbeiten wollte. Ein Weihnachtsbasar wurde vorbereitet, um finanzielle Mittel für den geplanten Waldorfkindergarten bereitzustellen. Er fand im November 1981 im Hause der Familie Reimer statt und wurde ein großer Erfolg. Hier trafen sich nun Menschen verschiedenster Nationalitäten, aus den unterschiedlichsten Berufen, politischen Überzeugungen und religiösen Bekenntnissen, die aber eines gemeinsam anstrebten: das Wohl ihrer Kinder. Und noch etwas unterschied diese Elterninitiative von anderen Waldorfschulgründungen: die luxemburgische Sprache; sie war unverzichtbar im Kindergarten und in den ersten Klassen der Schule. Viele Elterninitiativen in der Bundesrepublik und im Ausland hatten zu Waldorfschulgründungen geführt. Es mangelte an ausgebildeten Waldorfpädagogen. Die Ausbildungsplätze an den Hochschulen für anthroposophische Pädagogik waren ausgebucht; umso erfreulicher war, dass der Gründungslehrer, Raymond di Ronco, bereits Ende August 1981 das Waldorf-Lehrer- Studium in Mannheim hatte aufnehmen können. Im September 1981 wurde die Verbindung zur Waldorfschule Trier aufgenommen. Dort hatte 1978 eine Elterninitiative zur Gründung eines Waldorfkindergartens und 1980 zur Waldorfschulgründung geführt. Delegierte des Initiativkreises besichtigten Waldorfschulen in Frankreich und Deutschland, vor allem auch im Saarland. Im November 1982 fand die offizielle Gründungsfeier des "Veräin fir Waldorfpädagogik Lëtzebuerg a.s.b.l." auf Limpertsberg statt. Etwa 200 Personen waren anwesend, darunter Madame Lydie Wurth-Polfer, Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg und derzeitige Außenministerin. Die Gemeinde Luxemburg hatte der Vereinigung kurz zuvor einen Raum in einem Schulpavillon zur Verfügung gestellt.

Der Waldorfkindergarten wurde im September 1983 von den Kindergärtnerinnen Gaby Jacoby und Angelika Regenwetter- Kofler feierlich eröffnet. Ein Jahr später war es dann so weit: achtzehn Kinder, neun Erst- und neun Zweitklässler zogen begleitet von ihrem Klassenlehrer, Raymond di Ronco, in die Schulräume in Weimerskirch ein, wo die "Waldorfschule Lëtzebuerg" zunächst einmal ein Unterkommen gefunden hatte.

Unbürokratisch gehandelt

Ein großer Erfolg war, als 1991 der Grundstein zum jetzigen Schulgebäude gelegt werden konnte. Dies wurde möglich durch ein starkes Engagement aller Beteiligten und der guten Beziehungen einiger Kolleginnen und Kollegen zu den zuständigen Ministerien. Insbesondere auch dadurch, dass der damalige Bauminister schnell und unbürokratisch handelte. Das Grundstück und Gebäude wurde der Schule vom Staat zur Verfügung gestellt. In diesen Räumen, die zuvor den Europäischen Gerichtshof, danach Eurocontrol beherbergt hatten, begann nun ein reges Treiben. Es wurde gestrichen, lasiert, eingerichtet. Zu Ostern 1993 wurde dann die feierliche Einweihung vorgenommen. Auch hier waren wiederum viele Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens zugegen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Schule etwa 200 Schülerinnen und Schüler und das Kollegium setzte sich aus 20 Lehrerinnen und Lehrern zusammen.

Krisen bleiben nicht aus

Dann kam es wie es kommen musste, wie in fast allen Waldorfschulen dieser Welt kam es zur Krise. Und wie meistens war der Mitauslöser die finanzielle Situation, bedingt durch falsche Selbsteinschätzung der Lehrer, was ihre Gehälter und der Eltern, was ihre Beiträge anbelangte.

Durch einen starken Willen aller Beteiligten und der pro fessionellen Begleitung durch Michael Harslem ist es gelungen, der Schule die nötigen Strukturen zu verschaffen, ein zeitgemäßes Vertragssystem (Arbeits-, Beitrags-, Schulverträge) und eine beispielhafte Gehaltsordnung zu erstellen und somit die "Waldorfschoul Lëtzebuerg" auf sichere Beine zu stellen.

Im Jahr 2001 hat die Waldorfschule Lëtzebuerg 300 Schülerinnen und Schüler – die Tendenz ist weiterhin steigend –, aufgeteilt in drei Kindergartengruppen und zwei Spielgruppen für Kinder unter drei Jahren, Klassen eins bis zehn und Nachmittagsaktivitäten wie Schwimmen, Werken, Seidenmalerei usw. In der zehnten Klasse werden die Schülerinnen und Schüler auf den Übergang in die Staatsschule oder auf den Wechsel zur Waldorfschule nach Trier vorbereitet. Ein neues Mittelstufenkonzept wurde zum Schuljahr 2000/2001 eingeführt. In einer ersten Testphase läuft das Projekt "Nachmittagsbetreuung" mit unterschiedlichen Kursangeboten wie Sport, Flötenkurse, irischem Volkstanz und vielem mehr.

Die Entwicklung bis dahin läuft also zur Zufriedenheit. Was darf von der Zukunft erwartet werden? Am Aufbau der Oberstufe wird fleißig gearbeitet, mit dem Ziel, im Schuljahr 2002/2003 eine 11 . K l asse zu unterrichten. Da die Stadt Luxemburg plant, durch das Schulgebäude der Waldorfschule eine Straße zu bauen, wird es in den nächsten Jahren nötig sein, in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Ministerien einen Standort für den Bau eines neuen Schulgebäudes zu finden. Als bis zur zwölften Klasse aufgebaute, einzügige Waldorfschule werden dann hoffentlich um die 450 Schülerinnen und Schüler an der Waldorfschule Lëtzebuerg unterrichtet werden können.

KLAUS G. BEESKOW

Klaus G. Beeskow
Seit 1997 Geschäftsführer der Waldorfschule Lëtzebuerg.

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Statistik

Offizieller Name: Großherzogtum Luxemburg
Hauptstadt: Luxemburg
Bevölkerungszahl: 410.000 (1996)
Fläche: 2.586 km2

Waldorfkindergärten:
Erste Gründung: 1984 (Luxemburg)
Anzahl der Einrichtungen: 1
Anzahl der Kinder: 70

Waldorfschulen:
Erste Gründung: 1985 (Luxemburg)
Anzahl der Einrichtungen: 1
Schulform: Waldorfschule in freier Trägerschaft mit staatlicher Subvention
Anzahl der SchülerInnen: 230
Anteil der staatlichen Subvention am Schulhaushalt: 25 %
Durchschnittliche Höhe des Schulgeldes an Waldorfschulen: Euro 225,–

Adresse

• Fräi-öffentlech-Waldorfschoul Lëtzebuerg
45, rue de l´Avenir
1147 Luxembourg
Tel.: +352.46 69 32
Fax: +352.22 02 08
E-Mail: waldorf@ecole.lu

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