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Alexander-von-Humboldt-Schule in Zentralasien

(aus: Waldorfpädagogik weltweit, S. 126-127, Copyright-Hinweise beachten!)

Kasachstan ist das zweitgrößte Land der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Es umfasst die weiten Steppen Südsibiriens und wird im äußersten Südosten von den Gebirgszügen Tian Shan und Altai begrenzt. In Kasachstan leben verschiedene Volksgruppen, darunter Kasachen, Russen, Deutsche und Ukrainer nicht immer spannungslos zusammen. 1941 siedelte Stalin hunderttausende Russlanddeutsche zwangsweise nach Kasachstan um. Noch heute gibt es ganze Dörfer mit mehrheitlich deutschstämmiger Bevölkerung, die ihre Sprache, Kultur, Tradition und Religion pflegen. So lässt sich verstehen, dass mit der Unabhängigkeit Kasachstans von der Sowjetunion 1991 der Versuch gemacht wurde, deutsche Schulen zu gründen.

Deutsche Waldorfschule in Kasachstan

Eine dieser Schulen entstand vor zehn Jahren in Ust-Kamenogorsk als deutschsprachiger Zug der Schule Nr. 10. Allerdings konnte Deutsch als Unterrichtssprache so lange nur bis zur 4. Klasse unterrichtet werden, wie die Schule kein eigenes Profil hatte. Auf der Suche nach einer alternativen Pädagogik entschieden sich die Schulleiterin Natalia Ustinowa und die Deutschlehrerin Natalia Bakanina für die Waldorfpädagogik, ohne die anthroposophischen Hintergründe zu kennen. Sie nahmen Kontakt zum "Bund der Freien Waldorfschulen" in Stuttgart (Deutschland) und zur "Internationalen Assoziation Osteuropa" (IAO) auf. Durch die Unterstützung des Deutschen Auswärtigen Amtes und des Bundesverwaltungsamtes in Köln wurde es möglich, dass 14 LehrerInnen aus Kasachstan am Waldorflehrerseminar in Stuttgart ausgebildet wurden. Lehrer der Waldorfschule Göppingen reisten regelmäßig für mehrere Monate nach Ust-Kamenogorsk, um die Schule im Aufbau zu beraten.

Große Sprachvielfalt

Die Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule Ust-Kamenogorsk lernen bis zur sechsten Klasse Deutsch als Unterrichtssprache, Englisch und Russisch als Fremdsprachen und pflegen ebenfalls die kasachische Landessprache. Sie können die Schule mit dem erweiterten deutschen Sprachdiplom beenden, das ein Studium an einer deutschen Universität ohne vorherige Aufnahmeprüfung ermöglicht. Der große Erfolg, den die Waldorfschule in Ust-Kamenogorsk genießt, führte im Jahr 2000 zur Eigenständigkeit der Schule unter dem Namen "Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Nr. 12". Sie wird zu 60 Prozent von der Stadt unterstützt.

Waldorfpädagogik auch in der Hauptstadt

Neben der Waldorfschule in Ust-Kamenogorsk gibt es eine kleine freie Schule in Uralsk, die Elemente der Waldorfpädagogik integriert. Zwei Lehrerinnen kommen regelmäßig zu Fortbildungsveranstaltungen in Waldorfpädagogik nach Ust-Kamenogorsk. Die kleine Schule erhält keinerlei staatliche Subventionen. In Alma-Ata gibt es eine Pädagogische Hochschule, die regelmäßig zwei Lehrerinnen aus Finnland einlädt, um Kurse über Waldorfpädagogik zu halten. Diese Kurse werden durch den finnischen Staat unterstützt. Die Kurse haben 2001 zum vierten Mal stattgefunden und geben Einblicke in die Didaktik der Unterstufe an der Waldorfschule. Das Kollegium der Waldorfschule Ust-Kamenogorsk schaut optimistisch in die Zukunft und ist überzeugt von den neuen Werten, welche Waldorfpädagogik als Erziehungskonzept vermittelt. Diese Werte, so die Meinung, werden in der modernen Gesellschaft mehr und mehr gefragt sein.

NATALIA BAKANINA

Natalia Bakanina
Waldorflehrerin, zurzeit Leiterin des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Ust-Kamenogorsk.