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Erziehung zu Selbständigkeit, Kreativität und Verantwortungsbewußtsein.

Ob Mädchen oder Junge, am Ende der Schulzeit steht ein junger Mensch vor einer Welt, die in ihrer Komplexität fast unüberschaubar geworden ist. Welche Fähigkeiten braucht er, um seinen Weg darin zu finden und ihn selbständig und verantwortungsbewusst zu gehen? Es ist das Anliegen der Waldorfpädagogik, die Entwicklung des Kindes so zu begleiten, daß die individuellen Kräfte der Selbständigkeit und Eigenverantwortung sich stufenweise entfalten können. Schülerinnen und Schüler der Oberstufe brauchen konkrete reelle Begegnungen - mit Menschen, mit Ideen, mit der Arbeit - um das eigene Urteilsvermögen zu schärfen.

Jugendliche wollen sich an verschiedenartigen Erzieherpersönlichkeiten orientieren und gleichzeitig erleben, daß diese Fachspezialisten in einem Team als Kollegium zusammenarbeiten und sich ergänzen können. Jugendliche suchen Erzieherpersönlichkeiten, die sich selber brennend für alles interessieren, was in der Welt vorgeht. In jedem Unterrichtsfach kann und muß der Bezug zu den aktuellen Fragen gefunden werden, welche die Jugendlichen heute bewegen In Ergänzung des breiten Angebotes schulischer Fächer können die Oberstufenschüler durch Praktika Lebenserfahrungen sammeln. Weitere Wegmarken auf der Suche nach Sinn und Orientierung bilden z.B. Fremdsprachenaufenthalte, Sozialeinsätze in anderen Ländern.

Selber denken lernen – durch ein erweitertes Wissenschaftsverständnis
Durch exemplarischen Unterricht findet der Jugendliche eine zeitgemäße Beziehung zu allen Gebieten der heutigen Wissenschaft und dadurch die Möglichkeit, sich als Erwachsener auch in komplexen Sachfragen ein eigenes Urteil zu bilden (z.B. ethische Fragen in der Biogenetik). Der wissenschaftliche Unterricht in der Oberstufe legt den Schwerpunkt auf eine qualitative, eigenschaftliche Betrachtungsweise (Phänomenologie), statt sich auf eine Fülle von Fakten und das Vermitteln von Abfragewissen zu konzentrieren. Diese wissenschaftliche Orientierung bildet die Grundlage eines zeitgemäßen Umweltbewußtseins und einer intensiven Auseinandersetzung mit den Wertfragen der Wissenschaft, frei von Dogmatik und Wissenschaftsgläubigkeit. In der 12. Klasse kann eine größere Abschlußarbeit die Krönung des selbständigen Arbeitens sein.

Moderne Gesellschaft und soziale Fragen
Die gegenwärtige Wirtschaftslage verlangt von allen höchste Flexibilität. Weder Universitätsabschluß noch Berufslehre stellen eine Lebensgarantie auf Arbeit dar. Kreative, selbständige Menschen sind gefragt, die bereit sind, neue Ideen in der modernen Arbeitswelt zu realisieren und sich immer wieder in neuen Arbeitssituationen zurechtzufinden – durch lebenslanges Lernen. Von zentraler Bedeutung ist dabei das Verständnis sozialer Prozesse und das Erfassen größerer Zusammenhänge – statt menschenunwürdiges Einteilen in "Klassen". Statt Selektion nach einseitigen Kriterien bleiben in Waldorfschulen alle Schülerinnen und Schüler eines Jahrganges zwölf Jahre zusammen. Innerhalb dieses Gesamtschulkonzeptes sind verschiedene Binnendifferenzierungen möglich, solange die Klassengemeinschaft bestehen bleibt. So bilden Lehrlinge mit Akademikern eine Lern- und Arbeitsgemeinschaft.

Kultur und Kunst – jeder Mensch ist ein Künstler
Die Erziehung muß jedem Menschen einen Zugang zu Kultur und künstlerischer Betätigung eröffnen, nicht nur "Begabten" oder "Privilegierten". Heute drohen Gewalt, Verrohung und Oberflächlichkeit unsere Lebensqualität zu vernichten. Es ist von größter Bedeutung, daß Jugendliche an echten Werten innere Orientierung finden, ein Verhältnis zum Musischen, zur Ästhetik, zur Malerei, Dichtkunst und Musik entwickeln, indem sie dabei ihr künstlerisches Potential entdecken und betätigen können. Eine lebendige Beziehung zur Kunst verwandelt den ganzen Alltag und bildet das Kräftereservoir des modernen Menschen.

Zeitgemäße Spiritualität und ganzheitliches Menschenbild
Weltoffenheit heißt heute auch offen sein für geistige Fragen. Weder die Verteufelung des Materialismus noch eine unzeitgemäße nebulose Mystik, sondern vielmehr die Erschließung geistiger Kraftquellen für die konkrete Lebenspraxis ist in der Erziehung von Bedeutung. Keine Schule kann hier einfache Antworten geben. Die Jugend verlangt heute in ihrer Suche nach Sinn und Orientierung Antworten. Jugendfragen sind Zukunftsfragen. Antworten kann sich nur der erschließen, der an den Wurzeln ansetzt. Die Wege dazu liegen in einer Erziehung, welche auf der Erkenntnis des Menschen in seiner Ganzheit, in seiner umfassenden Totalität beruht.

Thomas Stöckli