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Begegnungen in Taiwan

Ende April trafen sich erstmals die in Asien tätigen Waldorflehrer. Die Ci Xing Waldorfschule auf Taiwan hatte diese Tagung ausgezeichnet organisiert. Liebevoll wurde an alle Einzelheiten gedacht und viel Raum für Begegnungen gelassen.

Es war ein guter Griff, die ersten Vorträge der Menschenkunde ins Zentrum der Tagung zu stellen und damit ein alle verbindendes Element zu schaffen.

Wer „die Asiaten“ für eine homogene Gruppe hielt, konnte eine erstaunliche kulturelle Vielfalt wahrnehmen, zum Beispiel wenn die verschiedenen Schulen ihre Jahresfeste vorstellten. In den Arbeitsgruppen konnte jeder seine individuellen Beiträge einbringen – und zugleich durch das Hinhören und die gemeinsame Arbeit etwas Neues in sich aufleben lassen, das nicht kulturell bestimmt war. So entstand eine wunderbare Stimmung innerer Verbundenheit.

Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit Fragen der Oberstufe, vor denen viele Schulen in den nächsten Jahren stehen werden. Unsere Gespräche führten in eine Richtung, die mir überhaupt für solche Tagungen wesentlich erscheint.

In den jungen Menschen wacht ein Idealismus auf, der nicht an Ost oder West gebunden ist. Er betrifft immer die gegebenen Werte und ist eine zutiefst verbindende Kraft. Unsere Chance liegt darin, diesem Aufbruch auf denkerischer Ebene zu begegnen. 

Wir nahmen die Begriffe „linear“ und „kreisförmig“ zu Hilfe. Zunächst untersuchten wir die Qualitäten und Einseitigkeiten linearen und kreisförmigen Denkens. Dann sahen wir, dass beide sich auf einer neuen Ebene begegnen müssen. Und wirklich können Gerade und Kreis sich ineinander verwandeln, wenn ... die Unendlichkeit dazukommt. Die gewohnten Grenzen müssen in Frage gestellt werden. Auf der neuen Ebene ist das Geistige beheimatet – auch die Ideale der jungen Menschen.

Wir erlebten in der Verwandlung zunächst gegensätzlicher Denkrichtungen den Weg zu kulturübergreifender Verständigung. Meist werden auf Konferenzen kulturelle Unterschiede bewußt. Doch was unser Denken, Fühlen und Handeln wesentlich beeinflusst, kann nur durch wirkliche Begegnung erfahren werden – wenn wir uns bemühen, das aus der eigenen Kultur geprägte Urteil zurückzuhalten und langsam das Wertsystem der anderen Kultur kennenzulernen.

Die Gefahr, schnell aus dem Gewohnten zu urteilen, ist ungeheuer gross. Aber gerade das, was in der Pubertät so umwälzend und herausfordernd das Gewohnte in Frage stellt, kann uns die Aufgabe weisen, die in der Begegnung mit anderen Kulturen auf uns wartet.

Die Menschen der asiatischen Länder brachten starke Kräfte der Hingabe und des Hinlauschens mit. Die Begegnung mit ihnen machte die Tagung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ich möchte allen TeilnehmerInnen für ihre stille Offenheit danken.

Florian Osswald

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