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Aus der Arbeit der Freunde der Erziehungskunst

Die Bildungssituation in unserem Land ist durch verschiedene Studien (PISA, OECD etc.) deutlich ins Bewusstsein getreten. Gegen die einsetzenden Bemühungen, etwas zu verbessern, spricht nichts, sie reichen nur nicht aus. Bildung und individuelle Förderung werden vor allem im Zusammenhang mit dem „Arbeitsmarkt“ gesehen; es braucht aber genauso viel Raum für das individuelle Schicksal. Eine Entwicklung nicht nur der intellektuellen Fähigkeiten, damit der einzelne Mensch dem Ruf seines Schicksals entsprechend tätig werden kann. Auf diesem Hintergrund betreiben wir die Arbeit der Freunde der Erziehungskunst und die Förderung der Waldorfpädagogik weltweit.

In diesem Jahr haben wir uns besonders für den asiatischen Raum engagiert, in dem seit der Tournee unserer Ausstellung Waldorfpädagogik weltweit im Jahr 1996 (dem Pionierjahr für diese Region) viele Schul- und Kindergarteninitiativen entstanden sind. Die Freunde der Erziehungskunst waren an dieser Entwicklung eng beteiligt, besonders durch die seit 1997 regelmäßig stattfinden „Runden Tische“ zur Waldorfpädagogik in Asien.

Lehrertagung auf Taiwan

Ende April, Anfang Mai gab es nun zum ersten Mal eine Konferenz der tätigen Waldorfpädagogen dieser Region. Rund 150 Lehrer und Kindergärtner kamen auf Taiwan zusammen – ein Höhepunkt der bisherigen Entwicklung, der alle Teilnehmer inspirierte.

Gastfreundlich aufgenommen wurden sie alle durch die Ci Xing Waldorfschule in Dongshan (Provinz I-Lan). Die Provinzregierung hat dieser Schule ein Schulgebäude für 12 Klassen zur Verfügung gestellt und deckt auch die Personal- und Betriebskosten. Welch ein Vorteil, wenn eine Schule um ihr pädagogisches Profil kämpfen kann und sich nicht auf der Suche nach wirtschaftlichen Überlebensmöglichkeiten zermürben muss!

Inzwischen hat sich diese Schule einen so guten Ruf erworben, dass sie nicht nur vor Ort anerkannt wird, sondern auch eine Pionierrolle für den chinesisch-sprachigen Raum spielen kann. Die hier entwickelten Unterrichtsmaterialien werden später auch andere Waldorfschulen verwenden können.

Sieben Tage lang arbeiteten die asiatischen Lehrer gemeinsam an den Grundlagen der Waldorfpädagogik, erhielten methodische Ratschläge für den Unterricht in den verschiedensten Klassen und den anstehenden Oberstufenaufbau und schulten sich in den verschiedensten Künsten. Lachen schallte durch die Räume, fröhliche Stimmung und hingebungsvolles Lauschen bei den abendlichen Aufführungen, die die einzelnen aus ihren Ländern mitgebracht hatten. Die Vielfalt der asiatischen Kulturen wurde für alle erlebbar.

Wir sind froh, dass die Freunde der Erziehungskunst so nah in die Entwicklung einbezogen werden und beim Aufbau der Waldorfpädagogik in dieser Region helfen können.

Probleme in Osteuropa

An anderen Orten ist die Entwicklung derzeit viel sorgenvoller. Besonders in Russland und der Ukraine gab es Ereignisse, die die Schulen an den Rand der Existenz bringen. Oft ist ein Vertrag in dieser Weltgegend nicht mehr als beschriebenes Papier. Plötzlich wird ein 25-jähriger Pachtvertrag einseitig aufgelöst, weil der Staat das durch Elternarbeit schön renovierte Gebäude nun lukrativ an Unternehmen vermieten könnte!

Dass sehr viel geschickte Taktik und internationale Unterstützung notwendig ist, um in solchen Fällen die Gebäude nicht zu verlieren, ist leicht vorstellbar. Bisher ist dies zum Glück in allen Fällen gelungen.

Manchmal, wie in der letzten Zeit in Kroatien, wo wir ebenfalls zu Beratungen gewesen sind, liegen die Probleme noch komplizierter und reichen bis hin zu Machtkämpfen innerhalb der Kollegien und mittels der Presse. Hier kann nur eine langfristigere Begleitung wieder ein Klima schaffen, in dem Kinder gesund aufwachsen können. Gemeinsam mit der Pädagogischen Sektion am Goetheanum bemühen wir uns darum, in solchen Fällen die geeigneten Mentoren zu finden und ihre Unkosten zu decken.

Es scheint, dass sich mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts die inneren und äusseren Krisen häufen. Es ist eine viel größere Wachheit und Aufmerksamkeit aller Beteiligten notwendig. Sie erfordert die entwickelte Fähigkeit des Einzelnen, von der eigenen seelischen Befindlichkeit Abstand nehmen und sich von aussen anschauen zu können. Solange dies nicht möglich ist, werden die Krisen in den Kollegien fortbestehen. Hier liegen nach unserer Einschätzung die Herausforderungen des neuen Jahrhunderts. Es reicht nicht mehr, daß einzelne wissen, „wie es geht“, sondern es geht um Fähigkeiten aller im Umgang mit sich, den Kollegen, den Kindern und den Eltern.

BMZ-Projekte und andere Arbeit

Der Bereich der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ko-finanzierten Projekte ist in diesem Jahr wieder gewachsen. Wir haben ein Bauprojekt für die Tashi Waldorfschule in Kathmandu erfolgreich abgeschlossen, ein neues Projekt für die Waldorfschule in Dassenberg (Südafrika) beantragt sowie eines für die Rudolf Steiner Schule Mbagathi in Nairobi (Kenia) genehmigt bekommen.

In Vorbereitung sind weitere Anträge für die Zenzeleni Schule in Khayelitsha (Südafrika), eine grosse heilpädagogische Schule in Beirut (Libanon) sowie eine heilpädagogische Einrichtung in Lahore (Pakistan). Wahrscheinlich wird es aber durch die anberaumten Neuwahlen zunächst eine Ausgabensperre geben, bis die neuen politischen Leitlinien für das BMZ beschlossen sind.

Für unsere vom BMZ ko-finanzierten Projekte sind inzwischen vier ehrenamtliche Mitarbeiter tätig, ein fünfter wird in Kürze einsteigen. Nur durch dieses Engagement sind wir überhaupt in der Lage, solche umfangreichen Projekte durchzuführen.

Sehr erfolgreich entwickeln sich die in unserem Karlsruher Büro durchgeführten Freiwilligendienste für Jugendliche im Ausland. Neben den bisherigen Angeboten gibt es inzwischen auch einen von uns selbst organisierten Freiwilligendienst, an dem bereits 80 Jugendliche teilgenommen haben. Da dieser ganze Arbeitsbereich nur mit viel bürokratischem Aufwand sowie Vor- und Nachbereitungs-Seminaren für jeden Freiwilligen betrieben werden kann, ist die Zahl der Mitarbeiter in Karlsruhe deutlich gewachsen (drei Vollzeit-, fünf Teilzeitmitarbeiter sowie einige Aushilfen).

Wir freuen uns, dass die vielfältige Arbeit der Freunde der Erziehungskunst weiter gewachsen ist und uns nach wie vor sehr viele Menschen unterstützen, uns auf neue Projekte aufmerksam machen, mit uns zusammenarbeiten und für die weltweite Waldorfbewegung Spenden in großem Umfang zur Verfügung stellen. Dafür danken wir besonders im Namen all der Kinder, die durch dieses Engagement eine Schule besuchen können, die ihnen – so hoffen wir – ermöglicht, der Zukunft mit Optimismus und den notwendigen Fähigkeiten entgegenzusehen.

Nana Göbel

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