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Inkanyezi: Keine Zukunft für den „Sternenglanz“?

Ein Hilferuf der Waldorfschule Inkanyezi („Sternenglanz“) und ihrer 185 Kinder. Die Freunde der Erziehungskunst konnten die 1989 in der ärmsten Township Alexandra (Johannesburg) gegründete Schule bis heute aus einem Spendenaufruf von 1997 unterstützen, doch nun fehlen die Mittel.

In all den Jahren, die ich mit der Schule verbunden bin, hatte ich niemals ein besseres Gefühl als jetzt! Es gibt eine offene, warme Atmosphäre zwischen den Lehrern, sie helfen einander und antworten positiv auf neue Impulse und jede konstruktive Kritik. In den wöchentlichen Konferenzen wird lebhaft und mutig miteinander diskutiert – das Kollegium als demokratische Gemeinschaft beginnt, nach all den Jahren eine erfahrbare Realität zu werden, was in der Township schlechthin noch eine absolute Ausnahme darstellt.

Und vor allem: Die Kinder lieben die Schule. [Bereits im Rundbrief vom Frühjahr 2002 berichtete Wiebke Holtz, wie die Kinder noch während der gewalttätigen Zeit der Apartheid und unmittelbar danach oftmals ihre Eltern überreden mußten, sie zur Schule zu bringen und wie die Klassen zu Weihnachten singend durch die Straßen zogen und damit die Menschen erschütterten].

Grosse finanzielle Not ...

Es ist eine Ironie, daß wir in einer solchen Zeit innerer Stärke und positiver Impulse in der Situation sind, daß unsere besten Lehrer aufgeben – nicht aus dem Wunsch, die Schule zu verlassen, sondern aus schierer Verzweiflung, weil sie sich und ihre Kinder nicht mehr ernähren können.

Ich sprach schon mehrmals mit den Kollegen darüber und versuchte zu helfen, wo die Not am größten war. Die Gehälter haben sich seit drei Jahren nicht erhöht, während die Lebenshaltungskosten die ganze Zeit gestiegen sind. Eine Lehrerin lebt mit ihrem Kind in einer Garage, andere in einfachsten „Shacks“. Da in der überfüllten Township kein Wohnplatz mehr zu haben ist, müssen sechs der elf Lehrerinnen täglich lange Strecken (z.B. von Soweto) fahren und von 330-460 Euro Gehalt allein bis zu 100 Euro für die Fahrten aufbringen. Die Lehrer der Zenzeleni Waldorfschule in Khayelitsha/Kapstadt bekommen wenigstens um die 650 Euro, und staatliche Lehrer beginnen mit einem Gehalt von über 900 Euro...

Die Schule liegt innerhalb der Township nochmals in einem der ärmsten Gebiete. Dies ist auch der Hauptgrund, warum wir trotz der sieben Klassen noch immer weniger als 200 Kinder haben: Die zumeist arbeitslosen Eltern können oft überhaupt kein Schulgeld aufbringen, obwohl die Lehrer sich sehr darum bemühen. Das Schulgeld von knapp 20 Euro und die seit 1999 gezahlten staatlichen Zuschüsse zusammen würden auch bei der jetzigen Kinderzahl für die – zu geringen – Gehälter gerade reichen.

Seit Jahren haben wir versucht, alle anderen Ausgaben zu vermeiden, für Kreide und Farben haben wir Spenden gesammelt. Die Lehrer haben verschiedene Fundraising-Veranstaltungen organisiert, doch die Erlöse waren auch hier bescheiden. Fast alle Klassenräume vermieten wir Sonntags für einen kleinen Betrag an Kirchengruppen. Jahrelang haben wir auch versucht, lokale Unternehmen für unsere Schule zu interessieren, aber bis auf einmalige Spenden aus Höflichkeit oder anläßlich besonderer Ereignisse gibt es generell für Kindergärten und Grundschulen kein Interesse.

Dazu kommen Schicksalsschläge wie ein Einbruch vor einem Jahr, bei dem fast alles gestohlen wurde – von den Kochgeräten über die Vorhänge bis zu den Eurythmieschuhen.

Kurz gesagt: Ohne Hilfe wird die Schule Schritt für Schritt eingehen, werden die Lehrer sich nach einer Arbeit umsehen müssen, die ihre Familien ernähren kann. Sie alle waren über Jahre treu mit der Schule verbunden und keiner von ihnen will wirklich gehen.

... einer echten Waldorfschule

Wenn Sie unsere Schulfeste besuchen, die Freude und den Enthusiasmus erleben und die Qualität der Aufführungen sehen, werden sie wirklich glauben, was ich sage. Mit den Worten eines ehemaligen Lehrers, der die Schule nach vielen Jahren kürzlich zum ersten Mal wieder gesehen hat: „Diese Kinder sind wirklich Waldorfkinder.“ Sie mögen akademisch gesehen hinter anderen zurückliegen, aber welche Freude ist es, sie zu unterrichten!

Dies ist das Bild von Inkanyezi, und ich bin stolz, mit dieser Schule verbunden zu sein. Es macht mich zu Tode betrübt, wenn ich an die Lage dieser vielen ohnehin schon so benachteiligten Kinder denke, falls diese Schule als Hafen der Wärme und Heilung für sie verloren gehen sollte.

Zu unseren letzten Adventsfeiern haben wir die Polizisten der Polizeistation Alexandra eingeladen. Als diese großen uniformierten Männer, die täglich mit so viel Kriminalität konfrontiert sind, aus dem Kindergarten herauskamen, waren sie wie umgewandelt und hatten den gleichen weichen Gesichtsausdruck wie die kleinen Kinder. Diese Polizisten waren fast etwas hilflos und benommen, so gerührt waren sie alle.

Wiebke Holtz, früher Lehrerin und heute Beraterin der Schule (übersetzt hn)

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