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Georgien und seine anthroposophischen Initiativen

Georgien ist seit dem Machtwechsel von Präsident Schewardnadse zu Präsident Saakaschwili vielen Menschen wieder ein Begriff geworden. In anthroposophischer Hinsicht sind vor allem die vielen heilpädagogischen und sozialtherapeutischen Einrichtungen und Initiativen bemerkenswert.

Das östlich des Schwarzen Meeres gelegene Land Kolchis war schon den alten Griechen ein bekannter Handelspartner und Ziel der sagenhaften Fahrt der Argonauten.

Heute wird der Küstenstreifen des Landes gebildet von Abchasien im Norden und Adscharien im Süden. Letzteres hatte sich trotz moslemischer Mehrheit nie völlig von Georgien losgesagt, im Mai mußte dann der Provinzchef Abaschidse auf Druck aus Tiflis zurücktreten.

Saakaschwili hat sich aber offenbar auch die „Reintegration“ von Abchasien und des an der Grenze zu Russland gelegenen Süd-Ossetien auf die Fahnen geschrieben, obwohl insbesondere hier Georgier nur eine Minderheit bilden. Im Sommer kam es bereits zu kleinen Gefechten.

Um beide Gebiete gab es in den frühen 90er Jahren bereits gewaltsame Konflikte, die jeweils Hunderttausende in die Flucht trieben.

Entstehung der erster Initiativen

Doch inmitten dieser Konflikte wurden auch einige anthroposophische Einrichtungen gegründet:

- So begann in Tiflis schon 1990 das Tagesheim für Sozialtherapie seine Arbeit mit zunächst fünf seelenpflegebedürftigen Menschen – heute betreuen Marina Bulia und ihre Kolleginnen rund 40 Menschen in verschiedenen Werkstätten (in unserem Frühjahrs-Rundbrief berichteten zwei Mütter über ihre Erfahrungen).

- Anfang 1991 wurde ein anthroposophisches Therapeutikum eingeweiht, das heute von dem Verein „Mensch und Natur“ betreut wird. Im „Therapie-Haus“ kümmern sich neun verschiedene Ärzte ambulant und tagesstationär um Kinder und Erwachsene. Seit 1996 gibt es Heileurythmie und Kunsttherapie. Außerdem gibt es entsprechende berufsbegleitende Ausbildungen, eine Krankenpflegeschule, ein Ärzteseminar und eine eigene Arzneimittelherstellung. Die erfolgreiche Arbeit hat dazu geführt, daß es mittlerweile sogar eine Warteliste von Patienten gibt. Man sucht dringend Spenden für ein größeres Gebäude, in dem die Tagesstation zu einer Reha-Klinik erweitert werden könnte.

- Ebenfalls schon 1991 gründete Marina Schostak, Universitäts-Dozentin für Heilpädagogik (damals noch „Defektologie“), das „Zentrum für Freie Pädagogik“. Daraus ging 1994 die Michaelschule hervor, die in einem staatlichen Gebäude unter schwierigsten Bedingungen arbeitete. Täglich wurden Rollstühle über die rostige Außentreppe in den zweiten Stock getragen, erst 1998 konnten das desolate Mobiliar ersetzt und zumindest Holzöfen erworben werden. Dann zerstörte im April 2002 ein Erdbeben das Gebäude. Glücklicherweise hatte man kurz vorher ein eigenes Grundstück erworben, und mit Hilfe unseres damaligen Spendenaufrufes konnte das dortige Gebäude hergerichtet werden. Nun ist in einem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit ko-finanzierten Projekt der Freunde der Erziehungskunst ein großer Neubau geplant. Der erste Spatenstich fand im Juni anläßlich der 10-Jahres-Jubiläumsfeier statt.

- 1992 begann die kleine Initiative in Gremi im Nordosten ihre Arbeit mit fünf behinderten Waisenkindern, die dann durch den Bürgerkrieg zunächst unterbrochen wurde.

- Zugleich fand mitten in der Zeit des Bürgerkriegs und der ethnischen Konflikte 1993 in Tiflis die erste öffentliche Tagung über Waldorfpädagogik statt, und im Herbst 1994 öffnete die erste Waldorfschule des Landes ihre Tore.

Zweite Gründungswelle

Nach dieser ersten Gründungsphase entstanden einige Jahre später weitere Initiativen:

- Im Herbst 1999 begann die 33-jährige Lali Khandolishvili eine sozialtherapeutische Initiative nahe Sighnaghi (siehe S. 32), ganz im Osten des Landes, wo ihre Familie inmitten der Wein- und Weizenfelder Kachetiens ihre Wurzeln hat. Das Tagesheim Tiflis, in dem sie zuvor gearbeitet hat, begleitet diese neue Initiative hilfreich.

- Ganz im Westen, in dem Dorf Obuji, kaufte eine Gruppe um Nana Shanava schon 1999 ein Schulgebäude mit Grundstück, um ein Projekt mit Landwirtschaft, Schreinerei und später einer Waldorfschule aufzubauen. Derzeit studiert Frau Shanava in Deutschland, und noch steht diese Initiative am Anfang.

- In dem unweit von Tiflis gelegenen Dorf Saguramo schafft das Ehepaar Miriam und Dato Dutschidse seit 2003 die Voraussetzungen für eine Lebensgemeinschaft. Die geborene Saarbrückerin studierte Eurythmie in Witten und lernte ihren Mann kennen, als dieser zum Medizinstudium nach Deutschland kam. Ab 1994 half Dato beim Aufbau des Therapeutikums in Tiflis. In Saguramo wurden inzwischen in einem Holzhaus eine Arztpraxis und zwei kleine Werkstätten für Holzverarbeitung und Weberei eingerichtet, es gibt einem Gemüsegarten und mehrere Tiere.

- Schließlich gibt es auch eine Initiative zur Gründung einer zweiten Waldorfschule in Tiflis. Eine Gruppe arbeitet seit 2001 in der bestehenden Waldorfschule wöchentlich an der Waldorfpädagogik und trifft sich mit künftigen Eltern und ihren Kindern. Eine erste Kindergärtnerin hat ihre Ausbildung in Stuttgart beendet. Nun soll im Stadtzentrum eine große Wohnung in demselben Gebäude gekauft werden, in dem auch die Anthroposophische Gesellschaft ihren Sitz hat.

Holger Niederhausen

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