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Waldorfschulen in Russland

Vor 16 Jahren wurden die ersten Waldorfschulen in Russland gegründet. Nach der starken Welle in den 90er Jahren, als so viele Menschen großes Interesse, Sympathie und Begeisterung für die Waldorfpädagogik zeigten, kamen die Finanzschwierigkeiten, Konflikte, Müdigkeit und Streit über das Verständnis der Kollegialität, über die Rolle der Anthroposophie… Wo stehen wir jetzt?

In Russland gibt es 17 Waldorfschulen und einige Initiativen, die als Einzelklassen existieren. Sie werden besucht von ungefähr 2000 Kindern. Die meisten Schulen sind klein. Der Großteil der Waldorfschüler besucht die fünf größten Schulen:

- Moskau (Schule 1060)
- Sankt Petersburg (Schule Nummer 658 „W Datschnom“)
- Waldorfschule in Samara
- Smolensk
- Irkutsk

In den letzten Jahren ist die Schülerzahl zurückgegangen, obwohl die großen Schulen eine gewisse Stabilität und eine positive Dynamik haben. Der Rückgang hat verschiedene Gründe:

Konflikte in den Schulen enden immer mit dem Weggang eines Teils der Kollegen und der Schüler. Manche Waldorflehrer wechseln in eine andere Waldorfschule, die Schüler aber gehen meist ganz verloren. In den letzten drei Jahren haben im Zuge vieler Konflikte allein zwei große und stabile Schulen 98 Schüler verloren (zur Zeit wächst ihre Schülerzahl wieder). Zwei weitere große Schulen mußten in den letzten Jahren ganz schließen: Kasan und Rjasan.

Einige Schulen verlieren ihre Schüler, wenn sie umziehen müssen, insbesondere in ungünstige Randbezirke (auch wegen der schwierigen Finanzlage), wie z.B. die Schulen „Raduga“ in Woronesh und „Zentrum für Erziehungskunst“ in Sankt Petersburg. Manche Schulen finden vorübergehend auch nur Raum in Privatwohnungen, so „Soglassije“ in Selenograd. Manche Familien nehmen ihre Kinder von der Schule, weil sie nicht ihren Erwartungen entspricht.

Aus diesen Krisen entstehen aber auch neue Initiativen, z.B. in Nishnij Novgorod, eine weiteren Initiative in Jaroslavl, in Ufa, in Sankt-Petersburg. Die Waldorfschule in Kasan versucht wieder auf die Beine zu kommen, obwohl dort erstaunlicherweise viel Widerstand seitens der Anthroposophischen Gesellschaft geleistet wird. Ob und wie die Initiativen lebensfähig sind, wird uns die Zeit zeigen. Aber wenn die Menschen eine wirkliche Überzeugung haben, gibt es wohl Hoffnung für ihre Entwicklung.

Die Entwicklung hängt nicht vom Schulstatus ab

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Waldorfschulen mit dem Status einer staatlichen oder städtischen Ausbildungseinrichtung sicherer wachsen als die Privatschulen. Obwohl es in Russland mehr Privatschulen gibt, stellen sie den kleineren Teil der Waldorfschüler.

Die Bedingungen für die Privatschulen sind sehr schwierig, besonders nach den Änderungen des Bildungsgesetzes. Das Schulgeld für ein Kind beträgt bis zu 540 Euro im Monat! Nicht sehr viele Eltern können solche Summen tragen. Ein Großteil wird für die immensen Mieten gezahlt (es gibt nur eine private Waldorfschule, die über ein eigenes Gebäude verfügt, während die Mietkosten für alle staatlichen Schulen entfallen).

Im übrigen gibt es unter der derzeitigen Gesetzgebung für staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen die gleichen Möglichkeiten (und Schwierigkeiten), die Ideen der Waldorfpädagogik zu realisieren. Sehr viel hängt von der Schule selbst ab, von ihrem Arbeitsniveau, ihrer Sozialkompetenz, ihrer Fähigkeit, sich konkret zu positionieren. Die Erfahrung zeigt, dass die Hauptschwierigkeiten der Schulen unmittelbar mit den inneren Aspekten der Entwicklung der Lehrer verbunden sind.

Das durchschnittliche Gehalt eines Waldorflehrers mit vollem Deputat beträgt je nach Schule 150 bis 450 Euro. Dies genügt nicht einmal für die grundlegenden Lebensbedürfnisse. Das bedeutet konkret, dass vor allem Lehrerinnen unterrichten, deren Ehemänner normal verdienen, oder die eine Unterstützung der eigenen Eltern (zumindest in Form einer geerbten Wohnung) haben. Ansonsten müssen weitere Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Schule gefunden werden: Privatunterricht, Übersetzungsarbeiten, Herstellung von Spielzeug oder Holzmöbeln usw. Es gibt zahlreiche Schulen, wo nur Frauen arbeiten!

Fast alle russische Waldorfschulen bekommen auf die eine oder andere Weise zumindest kleine Unterstützung aus Westeuropa.

Zusammen ist es schwierig – getrennt aber schlecht

Die Schulen sind durch große geographische Räume voneinander getrennt. Diese Tatsache, die unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen und die schwierige Finanzlage erschweren die Zusammenarbeit. Einige Schulen schaffen es, sich durch Schülerbegegnungen und gemeinsame Unternehmungen (Lager, Ausflüge oder „olympische Spiele“) zu treffen und auszutauschen. Doch insgesamt kam es nach einer anfänglichen Phase, wo die Schulen „brüderliche und innig“ die ersten Schritte ihrer Verwirklichung machten, zu sehr unterschiedlichen eigenen Wegen. Heute unterscheiden sich die Schulen in ihren äußeren Eigenschaften sowie ihrem inneren Gehalt sehr voneinander.

Wie stimmt die kollegiale Selbstverwaltung mit der individuellen Verantwortung überein? Wie definiert sich die Freiheit des Lehrers? Wie kann man lernen, zusammen an der Menschenkunde, an der Kunde des heranwachsenden Menschen zu arbeiten? Wie kann der Lehrer seine Selbsterziehung betreiben? Welches ist die Familien- bzw. Elternrolle in der Verwaltung der Schule? Nach welchem Lehrplan und wie lange soll man an der Schule lernen?

Diese Fragen leben in den Schulen, und die Menschen suchen aufrichtig nach Antworten. Als Ergebnis davon hat jede Schule ihre eigene Realisierung von Kollegialität, ihre eigene Verwaltungsstruktur, ihre eigene Vorstellung von der Qualität der Waldorflehrerausbildung, ihren eigenen Stil der Elternarbeit und Kommunikation mit den örtlichen Gemeinden und Behörden.

20 Waldorfinitiativen (davon zwei Seminare) haben sich zur Assoziation der Waldorfschulen Russlands zusammengeschlossen. Die Assoziation hat eine eigene Website (http://ruswaldorf.ru). Alle zwei Monate verschickt Sergej Iwaschkin, Klassenlehrer und Koordinator des Informationszentrums an der Waldorfschule Samara, den elektronischen Nachrichtenbrief „Sdrawstwujte“ (bestellbar unter swaldorf@samtel.ru, bzw. eine deutschsprachige Zusammenfassung bei der IAO, iao@waldorfschule.de).

Konkrete Initiativen

Zur Zeit arbeitet die Assoziation an einigen Projekten. Seit einem Jahr erarbeiten Direktoren und Leiter der pädagogischen Konferenzen sowie Vorsitzende des Schulrates juristische und wirtschaftliche Aspekte der Schulverwaltung. Außerdem werden Erfahrungen zur Vorbereitung wichtiger Dokumentationen sowie Genehmigungsunterlagen ausgetauscht und Fragen zur Entwicklung der Schulen besprochen. Die Arbeit wird koordiniert von Alla Kolesnikova (Moskau, „Put serna“).

Seit zwei Jahren finden auch Arbeitstreffen zum Thema: „Jahresarbeit und Praktika in der Oberstufe“ statt. In diesem Jahr trafen sich Schüler und Lehrer verschiedener Schulen in Jaroslavl getroffen, wo sie an der Präsentation der Jahresarbeiten teilnehmen konnten. Außerdem wurde ein Buch zu Jahresprojektarbeiten übersetzt. Jelena Shilzova und Galina Wolkova aus Jaroslavl arbeiten an der Organisation und an neuen Fragestellungen solcher Projekte.

Zwei Lehrer aus Samara, Dmitrij Tschedrbatenko und Sergej Iwaschkin, arbeiten an der Herausgabe der dritten CD-ROM der Elektronischen Bibliothek für Materialien zur Methodik, die von russischen Waldorflehrern zusammengetragen wurden. Die ersten beiden Teile sind 2006 entstanden und wurden allen Waldorfschulen zur Verfügung gestellt. Dieses Projekt wird von der IAO unterstützt.

2005 fand ebenfalls mit Unterstützung der IAO die erste Konferenz der russischen Waldorflehrer an der Schule „Datschnom“ in Sankt-Petersburg statt. Im Januar 2008 wird es eine zweite Konferenz in Samara geben: „Waldorfpädagogik im russischen Kontext: von der Idee zu ihrer Verwirklichung“.

Bereits zweimal fand an der Moskauer Waldorfschule „Put serna“ ein Sommertreffen statt. Im Juni 2007 kamen Lehrer aus 15 Initiativen zusammen, und es gab bei der Arbeit in kleinen themenbezogenen Gruppen und an künstlerischen Fächern gute Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch. Das hilft den Lehrern sehr, sich für das neue Schuljahr vorzubereiten. Es kommt dort langsam eine Gruppe erfahrener Lehrer zum Vorschein, die in der Ausbildung tätig werden können. Das zweite Treffen wurde von Jelena Iwaschkina und Alla Kolesnikova organisiert.

Alle diese Initiativen gehen von konkreten Schulen oder Lehrern aus und werden in der Assoziation diskutiert. Deren Versammlungen finden zwei Mal im Jahr in kleinen Arbeitsgruppen statt. Eine der wichtigsten Aufgaben der Assoziation ist die Begleitung und Unterstützung der Neuinitiativen und Schulen, aber die Erfahrung auf diesem Gebiet der Beratung ist noch gering.

Derzeit sucht die Assoziation nach „dem Gemeinsamen“ für alle russischen Waldorfschulen. Das ist aber nur möglich, wenn alle dies wollen und danach streben. Es geht um die Positionierung unserer Interessen bei den staatlichen Stellen, um das Bild der Waldorfpädagogik (und dessen Vermittlung) im Bewusstsein der Gesellschaft. Wir müssen lernen, hier gemeinsam mehr zu erreichen.

Jelena Iwaschkina (übersetzt von Olga Solomenko-Zech)

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