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Da ziehen Flöten durch Vilnius…

Abgesehen von der Slowakei war Litauen das letzte osteuropäische Land, das 1995 seine erste Waldorfschule eröffnete. Dieses Jahr war es soweit – die ersten sieben Abiturienten konnten in einer wunderschönen Feier ins Leben entlassen werden! Die Deutschlehrerin Rita Kaminskaite wirft einen Blick auf die Abschlussfeier und durchzieht ihre Gedanken mit dem Erleben des „Ziehen“ – gleichsam Symbol des „roten Faden“ wie auch der immer weiterfließenden Zeit...

Sieben eichenstarke, mutige und neugierige Männer stehen auf der Bühne. Ernestas, Vidmantas, Gediminas, Audrius, Edvardas, Mantas und Mykolas erleben heute ihr Abitur – die ersten litauischen Waldorfabiturienten! Heute ist ihr Tag, ihre Abschlussfeier.

Als sie eingeschult wurden, waren sie kleine Kinder. Jetzt, wo sie in ihre selbständigen Lebenswege ziehen, sind sie bereits erwachsen. Als ob die zwölf Jahre nicht gewesen wären...

Die Erstklässler ziehen ihre Flöten aus den Flötenhüllen und spielen eine  fröhliche Melodie. „...Es scheint nichts geschehen zu sein..., nur der Regen begoss den Innenhof mit seinen Tropfen, nur das kleine Kind kam ... und geht heute erwachsen ins Leben...“ rauschen die Stimmen der Zweitklässler. Man sieht, wie ein fröhliches Zittern die sieben starken Männer durchzieht.

Die Flöten in den bunten Flötenhüllen fielen sofort auf, als die Kinder wie eine lange Schlange von der Schule zum Alten Rathaus der Stadt Vilnius zogen. Zur Abschlussfeier der Abiturklasse. Zum ersten Mal im Rathaus. Der kleine Eurythmieraum in der Waldorfschule war einfach zu klein, um die im Laufe der zwölf Jahre gewachsene Schulgemeinschaft (200 Schüler, 25 Lehrer, Eltern, Großeltern, Freunde) begrüßen zu können. Zum ersten Mal spielen, singen, führen alle Klassen Eurythmiestücke auf, rezitieren für die Abiturklasse den „Erlkönig“ von Goethe auf deutsch. Welch eine Verantwortung! Welch ein inneres Kribbeln im Herzen!

Das Flötenspiel durchzieht das Konzert wie ein die enorme warmherzige Anziehungskraft der Waldorfschule Vilnius darstellender Faden. Flöten verbinden alle: Kinder und Erwachsene, Großeltern und Enkelkinder, Freunde und Bekannten, Abgeordnete und Lehrer, Flötengebenden und Flötenspielenden... Die gestrickten Flötenhüllen sind so bunt und strahlend wie jeder Mensch. Die Viertklässler holen Luft und ... das Flötenspiel beginnt. Kräftig, breit, in die weite Welt führend.

Die ersten Waldorfabiturienten halten die Waldorfabiturzeugnisse in ihren Händen.

„Wir ziehen Straßenschuhe aus und Hausschuhe an. Damit unser Klassenraum sauber bleibt.“, hörte man oft in den Grundschulklassen. „Wir wollen zur Schule. Wir ziehen warme Wintermäntel an und gehen zur Schule“, hieß es zu Hause in allen Fällen, wenn der Thermometer ganz unerwartet -25°C zeigte und schulfrei bedeutete.

Die fünfte Klasse zieht gleich nach der Abschlussfeier für ein Wochenende in die Aruküla Vaba Waldorfskool zu den Olympischen Spielen nach Estland. Deshalb führen sie ihr Eurythmiestück in Reisekleidern auf. Offenherzig! Dies bringt die Abiturienten in Erinnerungen über ihre eigenen Klassenfahrten und vielfältigen Projekte.

Auch die Lehrer und Eltern ziehen in ihren Gedanken durch die zwölf vergangenen Jahre... So oft hieß es: „Ihr müsst in ein anderes Gebäude umziehen.“ Die vielen Umzüge bedeuteten die Renovierung der Klassenräume und deren „Durchziehen“ mit dem Waldorfgeist.

Im Laufe der zwölf Jahre hat sich die Gründungsklasse zu einer vom staatlichen Lehrplan unabhängigen, selbst verwaltenden Institution der Öffentlichen Hand entwickelt. Unser Zuhause ist heute ein Kindergartengebäude. Man führt weiterhin Verhandlungen über die Übergabe dieses Gebäudes für mindestens 25 Jahre. Auch die Höhe der staatlichen Finanzierung zieht noch viele Fragen mit sich...

Als das Konzert zu Ende ist, sieht man überall einander danken und gratulieren. Herzliches Händeschütteln etwa zwischen unserem Schnitzlehrer Vaclovas und Ilse und Manfred Lemke vom „Initiativkreis Kinderhilfe Litauen“ aus Mühlheim an der Ruhr. Unsere lieben Freunde und finanziellen Unterstützer sind für diese Abschlussfeier mit der Fähre nach Vilnius gezogen. Sie sind schon unsere ganze Lebenszeit mit uns. Zwölf Jahre.

Unser Miteinander gestalten ebenso die Freien Waldorfschulen Esslingen, Essen, Schopfheim, Windtrather Talschule, Riga, Järna, Eriwan, Lehrer und Dozenten aus Dänemark, Deutschland, Schweden, Norwegen, Russland sowie viele Patenfamilien aus Deutschland und litauische Abgeordneten des Sejms.

„Die Waldorfschule ist meine Schule. Es zieht mich immer wieder hierhin.“, hört man zwei heutige Gymnasienschülerinnen sagen. Sie sind zur Abschlussfeier ihrer ehemaligen Klassenfreunde gekommen.

Die Schulgemeinschaft zieht mit offenem Herzen die Klänge der Flötenspiele und Glückwünsche in sich ein. Die Aufführung des Eurythmiestückes zur Beethoven-Musik der 10. Klasse durchzieht jeden bis in die Fingerspitzen. Dann ist die selbstgebackene Torte da! Die Zehntklässler haben sich sehr viel Mühe gegeben.

Der Augenblick zieht sich in die Ewigkeit. Unvergesslich. Als ob die Zeit stehen bleibt. „Nur der Regen zieht durch den Innenhof....“, klingt das Lied. Die Waldorfabsolventen haben bereits ihre selbständigen Beziehungen zu ihren künftigen Lebensaufgaben.

Und schaut ... die neue erste Klasse zieht in die Waldorfschule Vilnius ein. Wir werden sie wiederum großziehen zu warmherzigen, weltoffenen Erwachsenen!

Rita Kaminskaite

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