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Eurythmie aus Bukarest – dramatisch!

Das Eurythmie-Ensemble unter Walter Weinzierl in Bukarest ist das einzige Vollzeit-Ensemble in ganz Osteuropa. Und das will etwas heißen. Was – das erfahren Sie in Ausschnitten aus dem folgenden Bericht. Vorsicht: Spannend wie Hitchcock...!

Der Arbeitsplatz eines Eurythmie-Ensembles ist dort, wo Menschen zu einer Eurythmie-Aufführung kommen, um mit ihren Herzen etwas zu empfangen, was nur in diesem Augenblick möglich ist (insofern das Programm gut erarbeitet ist).

In diesem Sinne erweiterte sich unser Arbeitsplatz während der Frühjahrs-Tournee 2005 über die rumänische Grenze hinaus auf Österreich und Deutschland, im Herbst zusätzlich auf Dänemark, Schweden, Frankreich und Ungarn! Zur Aufführung kam das mandäische Drama "Hibil-Ziwa, der Gesandte des Lichtes und das eingeborene Kind der Finsternis".

Doch was für Prüfungen mußten wir durchmachen, wieviele Schein-Triumphe feierte die Finsternis zunächst!

Unglaubliches "Glück im Unglück"...

Es begann damit, daß die speziell komponierte Musik fast verlorenging: Wegen Bodennebel erlitt das Postflugzeug in Bukarest eine Bruchlandung. Wir bekamen einen angekohlten Brief, die Partitur hatte einen großen Riß genau an der Stelle, wo der Gesandte des Lichts gegen den Oberteufel in der Hölle kämpfen muß. Doch er endete bei dem Wort "Frieden", nur dadurch hielt der Brief noch zusammen...

Als wir dann Plakate und Flugzettel für unsere Aufführungen drucken lassen wollten, erlitt unser Computer am selben Tag einen vollkommenen Absturz. Für die ersten Vorstellungen kam der Druck zu spät...

Mitte April 2005 brachen wir nach Westen auf – ohne Guthaben, mit minus 200 Euro. Diese hatten wir uns geliehen für das Benzin bis Salzburg, wo die erste Aufführung stattfinden sollte.

Es hätte gut gereicht. Doch in Ungarn schleuderte ein Lkw Steinchen hoch, unsere Windschutzscheibe zersplitterte. Mit viel Glück fanden wir fünf Minuten vor Beginn des Wochenendes auf einem Schrottplatz eine gebrauchte Scheibe für 97 Euro. Mit maximal 85 km/h fuhren wir weiter, und erreichten nach 19 Stunden Fahrt mit dem letzten Tropfen Benzin die Waldorfschule Salzburg...

Später in Deutschland, in der Waldorfschule Benefeld, bekam unser Sprecher eine Kehlkopfentzündung. Das ganze Drama wurde eine Stunde lang nur geflüstert! Die Eurythmisten auf der Bühne hörten ihn quasi überhaupt nicht, sie ertasteten die Worte...

Zwischen Bremen und Stuttgart hatte unser Bus einen Achsschenkelbruch – Alptraum jedes Autofahrers! Die Räder fahren dann in verschiedene Richtungen, und auf der Autobahn hätte das wohl den Tod bedeutet. Zum Glück rollten wir nur langsam an eine rote Ampel heran... (Übrigens hatte uns der TÜV noch kurz zuvor eine neue Plakette erteilt).

Alles in allem kann man sagen: Eine gewisse Seite der "geistigen Welt" wollte unbedingt die Veröffentlichung unseres Dramas verhindern. Andere geistige Wesen und Menschen waren jedoch stärker und halfen uns, so daß wir Mühe und Kosten hatten, aber nie Aufführungen absagen mußten.

Ein Mandäer-Mädchen in Schweden

Die Aufführungen in Skandinavien beruhten auf einer Einladung einer uns bis dahin unbekannten dänischen Eurythmistin. Warum hatte sie uns eingeladen? Zunächst ein Exkurs über die Mandäer, denen wir unser Drama verdankten.

Lange Zeit galt alles, was mit den sogenannten Gnostikern, mit Manichäismus usw. zu tun hatte, als vernichtet. Erst 1945 wurde eine komplette gnostische Bibliothek entdeckt und unter dem Namen "Nag Hammadi" bekannt.

Und auch einige Gnostiker selbst überlebten die Vernichtungszüge der Kirche: 1652 entdeckten Mönche in Basra (Irak) eine Gruppe von Täufern, die später Mandäer genannt wurden. Ihre Literatur wurde erst vor gut 100 Jahren entziffert und enthielt bereits zentrale Begriffe des Johannes-Evangeliums: Taufe, Leben, Licht, Finsternis, Wort. Ursprünglich in Palästina lebend, flohen die Mandäer im Jahr 37 aus unbekannten Gründen nach Osten.

Im Zuge der US-Angriffe auf den Irak fanden zwei Mandäer Asyl in Schweden. Sie holten weitere hinzu, und heute leben hier 500 mandäische Flüchtlinge. Einer schwedischen Eurythmistin gelang es, eines der Flüchtlingskinder an die Waldorfschule von Lund zu bringen. Dort unterrichtete auch jene dänische Eurythmistin – und deshalb sind wir eingeladen worden! Damit dieses mandäische Waldorfkind, das Eurythmie liebt, den Zibil-Ziwa ihrer eigenen Religion in Eurythmie sehen kann!

Das mandäische Mädchen trug am Tag der Aufführung einen besonderen goldenen Schmuck, der den Mantel des Täufers zeigt und sonst nur an Festtagen getragen werden darf. Und genau dies war die 100. Aufführung unseres Ensembles...

120% Engagement

Das künstlerische Niveau, das wir bisher erreicht haben, ist nur möglich, weil wir von Anfang an keine faulen Kompromisse eingingen und als Vollzeit-Eurythmisten arbeiteten. Die ehrlich tiefe Betroffenheit fast aller Menschen bei unseren über 100 Aufführungen gibt uns die Zuversicht, auf dem richtigen Weg zu sein.

Ein Lehrer in Augsburg begrüßte uns vor seinen Schülern und fragte sich tief betroffen, wie es möglich ist, in einem so bitter armen Land wie Rumänien ausschließlich von Eurythmie zu leben. Nun, wir mußten nicht direkt hungern, aber wir haben uns schon öfter wochenlang allzu billig ernährt, bis es an die Substanz ging...

Aber ich will Ihnen sagen, wie unsere ganze Arbeit möglich ist: Weil genügend Menschenseelen es unbedingt wollten – viele einzelne Spender und manche Stiftung, die auch nur durch Menschenherzen repräsentiert wird.

Bitte "wollen" Sie uns weiterhin!

Walter Weinzierl

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