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Waldorfpädagogik für misshandelte Kinder in Manila

In Manila gehört Kindesmißbrauch zum Alltag – und es gibt kaum Einrichtungen, die diesen Kindern in ihrem Leid beistehen. Eine der wenigen Hilfsorganisation bat die Erzieherin Brigitte Kögler, die Waldorfpädagogik für die von ihr betreuten Kinder einzuführen.

Die Millionenstadt Manila: Überall Müll, Kinder betteln bei roter Ampel an den Autos, auf einer Betoninsel sitzen Frauen mit vielen Kindern. Ein kleines, barfüßiges Mädchen läuft umher, als fühle es sich mitten im Autostau wie zuhause. Meine ersten Eindrücke...

Dann stehe ich im Büro von Bantay Bata 163 in einem der typischen Hochhäuser von Manila. Fünf Telefonistinnen erhalten rund um die Uhr Notfallmeldungen von Kindern, die vernachlässigt, geschlagen, misshandelt oder sexuell missbraucht werden. 1997 erfuhr Gina Lopez, die Tochter einer der reichsten Familien, die vom Diktator Marcos verfolgt wurden, im Fernsehen von einer tödlichen Misshandlung. Sie entschloß sich, diesen leidenden Kindern zu Hilfe zu kommen und konzipierte die Idee eines Kinderdorfes nordöstlich von Manila. In ihrer offenen und begeisternden Art konnte sie bald genügend Sponsoren finden. Heute gibt es unter der Hotline 163 täglich Tausende Anrufe – die Not der Kinder in den armen und ärmsten Familien ist groß...

Nach langer Flugreise und holpriger Autofahrt kam ich im Kinderdorf an. Der Tag beginnt morgens um 6 Uhr: Helle Kinderstimmen, eine laute Baustelle, Mopeds und Jeepneys auf der Straße. Dann klopft es – ich öffne und bin sofort umringt von vielen kleinen Kindern. Sie berühren mich, umarmen mich, sind fasziniert von meinen blonden Haaren und blauen Augen, halten sich an meinen Beinen fest, fragen, wie ich heiße und wollen hochgenommen werden – ein freudiges Willkommen.

Zusammen mit ihren weitgehend ungeschulten Betreuerinnen wohnen in fünf Unterkünften rund 100 Kinder jeden Alters. Sie alle wurden misshandelt, vernachlässigt oder ausgesetzt, manche sind Waisenkinder. Einige können adoptiert oder in Pflegefamilien untergebracht werden, andere bleiben im Kinderdorf, bis sie erwachsen sind. Die Kinder werden in die täglichen Arbeiten mit einbezogen, Schulkinder gehen in öffentliche Staatsschulen mit amerikanischem Lehrplan. Für den Nachmittag gibt es einen Kreativ-Raum, wo sie malen, basteln, tanzen und musizieren können.

Im Juni 2003 erfuhr ich von Dr. Michaela Glöckler von dieser Einrichtung und bekam Kontakt mit Gina Lopez. Neun Wochen später saß ich im Flugzeug und sollte während neun Monaten mit einem Waldorfkindergarten beginnen! Die zwei jungen Frauen, die ich in die Waldorfpädagogik einführen sollte, zeigten sich geschickt und sensibel für alle praktischen und künstlerischen Handhabungen.

Strahlende Kinderaugen

Wir begannen mit 17 Kindern, die mich täglich mit strahlenden Augen fragten, ob heute wieder Kindergarten sei, und dann vor Freude einen Luftsprung machten. Sie standen 15 Minuten vorher vor der Tür.

Anfangs waren sie es überhaupt nicht gewohnt, in einem Gebäude zu sein, wussten nicht, wie man mit Möbeln und Gegenständen umgeht, stromerten durch den Raum und inspizierten alles. Kein Kind konnte spielen oder sich eine Zeit lang beschäftigen. Wenn wir etwas Essbares hatten, fielen sie darüber her und hatten Angst, nichts abzukriegen. So gab ich allen Kindern täglich eine Nuss, während sie lernen durften, diese geduldig im Kreis sitzend in ihr offenes Händchen zu empfangen.

Mittlerweile finden die Kinder in ein schönes Freispiel hinein, sind kreativ mit den Holzklötzen, Körben, Schnüren und Bändern oder bauen aus den Möbeln Jeepneys mit Lenkrad und Passagierplätzen und Banka-Boote mit Stoff-Segeln. Sie winken und gehen auf eine große Reise.

Der Rhythmus eines Waldorfkindergartens war für die Kinder anfangs völlig fremd, waren sie doch in ihren Familien das Gegenteil gewohnt. Doch schon nach kurzer Zeit zeigte sich, wie heilsam genau dieser Rhythmus für die Kinder war. Menschen und Tagesabläufe wurden verlässlich, Ängste verschwanden und Stunden wunderschönen Friedens war der Erfolg. Das hat mich sehr berührt und fast täglich in vielen Momenten beglückt. Für die Kinder erwies sich dieses eine Jahr als so heilsam – sie brauchen die seelische Ansprache durch künstlerische Methoden und einen Schutzraum für ihre doch so oft verwundete Seele.

Mein täglicher Weg zum Kindergarten ist nicht weit und dauert dennoch lange, da mir immer so viele liebe, süße und strahlende Kinder mit braunen Augen und schwarzen Haaren entgegenkommen. Freundlich, neugierig, warm - groß und klein. Alle haben so viel Liebe zu zeigen und zu verschenken! Sie laufen und springen auf dem Balkon an meinem Fenster vorbei, rufen, schauen, versichern sich, dass ich noch da bin, sie liebend begrüße, umarme, hochnehme und ihnen bestätige, dass ich für sie da bin und wieder kommen werde. Da bleibt gar keine Zeit sich einsam zu fühlen und an Deutschland zu denken.

Es war eine sehr wichtige und erfahrungsreiche Arbeit für mich. Die Menschen, mit denen ich zusammen arbeitete, konnten erleben, die Kinder nicht nur als Nachwuchs für die Erwachsenenwelt zu sehen, die sie versorgen müssen, sondern dass sie Menschen begegnen dürfen, die sie als unsterbliche Wesen mit einem eigenen Schicksal und individuellen Impulsen zu erkennen versuchen. Auf eine solche Grundhaltung reagieren diese Kinder mit großem Staunen und dankbaren offenen Augen...

Brigitte Kögler

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