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25 Jahre Favela-Arbeit in Monte Azul

Die Sozialarbeit in der Favela Monte Azul und zwei weiteren Vierteln gibt Tausenden Kindern und jungen Menschen eine Perspektive und bewahrt sie vor dem Teufelskreis der Gewalt. Heute kann die von Ute Craemer begründete Initiative auf 25 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken, um deren Fortbestand trotz finanzieller Hilfe des brasilianischen Staates, dennoch immer wieder gebangt werden muß.

In diesen Tagen merkt man, dass der Sommer angefangen hat. Die Sonne erhitzt den Asphalt und das Grün der Palmen erscheint noch intensiver als sonst. Brasilien ist ein sehr kontrastreiches Land. Schaut man allein auf seine Menschen und Pflanzen, so wird man von einer überwältigenden Schönheit beeindruckt. Doch oft wird diese Schönheit durch die harte soziale Realität des Landes und vor allen Dingen der Groβstädte in den Schatten gestellt.

Die Favela Monte Azul, die Favela Peinha und das Viertel Horizonte Azul, in welchen die Associação Comunitária Monte Azul arbeitet, liegen in der Südzone von São Paulo. Sie ist über eine Brücke erreichbar – ein verschmutzter Fluß trennt hier den Rest der Stadt von der „Periferia“, eine der grössten der Welt. Periferia - das bedeutet immer mehr Favelas und elende Arbeiterviertel, je weiter man sich vom Zentrum der Stadt entfernt. Hier fehlt fast jede sonst übliche Infrastruktur: Krankenhäuser, Schulen oder Polizeistationen.

Die Favelas Monte Azul und Peinha liegen direkt hinter jener Brücke, Horizonte Azul noch weiter weg, eineinhalb Busstunden von Monte Azul entfernt. Es gibt nur ein öffentliches Krankenhaus für etwa eine Million Menschen aus dieser Gegend. Das Gesundheitssystem der ganzen Stadt ist in einem katastrophalen Zustand und war beherrschendes Thema der letzten Bürgermeisterwahlen. Die Gewalt ist enorm hoch, Überfälle und Polizeikontrollen sind in der Periferia Alltag. Die Schüsse, die nachts oft zu hören sind, sprechen für sich und erzählen die Geschichte einer ausser Kontrolle geratenen Stadt.

Einen anderen Weg aufzeigen

Die Associação Comunitária Monte Azul versucht, dieser Realität etwas entgegenzusetzen. Vor allem will man den Kindern einen anderen Weg zeigen als jenen, den sie von den Gesetzen der Strasse lernen. Viele, viele Kinder, die mit unseren Einrichtungen in Berührung kamen – von der Babykrippe über die Spielgruppe und Vorschule über die Freizeitschule bis zu den Werkstätten –, stehen heute auf eigenen Füssen. Rund 1.200 Kinder und Jugendliche werden derzeit betreut.

Monte Azul arbeitet aber nicht nur im pädagogischen, sondern auch im gesundheitlichen Bereich. Jedes der drei Viertel hat eine Gesundheitsstation, und insgesamt werden jeden Monat rund 4.000 Behandlungen durchgeführt. Monte Azul hat zusammen mit der Stadtverwaltung in den letzten Jahren das Familiengesundheitsprogramm eingeführt und ist für einen grossen Teil der Südzone São Paulos verantwortlich. Kleinräumig arbeiten je ein Arzt, zwei Krankenschwestern und sechs „Gesundheitsagenten“ zusammen, wobei letztere die Familien ihres Umkreises direkt zu Hause besuchen.

Außerdem arbeitete Monte Azul von Anfang an auf kulturellem Gebiet. Im Kulturzentrum finden immer wieder Musikveranstaltungen, Tanz und Theater statt, jedes Jahr mehrere ein großes Festival. Die Veranstaltungen kosten oft gar nichts oder nur 50 Cent oder ein Kilo Lebensmittel. Es gibt Sprach- und Musikunterricht, und die brasilianischen Feste wie Carneval, São João (Johanni) und die Woche der schwarzen Kultur werden in den pädagogischen Alltag eingebaut.

Die Associação Comunitária Monte Azul ist vor wenigen Monaten 25 Jahre alt geworden. In so einem Augenblick schaut man zurück und zugleich nach vorne. Was ist gewesen, was wurde geschafft – und was sind die Aufgaben, die auf einen zukommen? Jahrelang haben Hunderte von Menschen an der Vision eines besseren Lebens mitgewirkt, und die Arbeit trägt heute Früchte.

Im August war das grosse Geburtstagsfest der Associação. Unter der Leitung von Ute Craemer wurde mit fast 100 Mitarbeitern ein Musical einstudiert, das die Geschichte von Monte Azul erzählt: Von der Ankunft der ersten Bewohner aus dem armen Nordosten Brasiliens; wie Ute Craemer die Kinder bei sich zuhause aufnahm und wie sich das Projekt entwickelte; wie der Bürgermeister alle Favelas abreissen wollte, um das Stadtbild zu verbessern; und von vielen anderen guten und schlechten Momenten. Die Aufführungen waren ein begeisternder Erfolg und das Fest ging bis in die frühen Morgenstunden.

Fruchtbare Arbeit und Zukunftssorgen

25 Jahre lang haben wir mit den Favelados zusammen gelernt und sie haben von uns gelernt. Man durfte den Weg vieler Kinder begleiten und es rührt einem das Herz, zu sehen, wie einige von ihnen heute wiederum Mitarbeiter sind und Kindern als Erzieher zur Seite stehen.

In einer Bar im Viertel Monte Azul, in der brasilianische Musik gespielt wird und sich viele Jugendliche und junge Erwachsene treffen, unterhielt ich mich vor einigen Tagen mit einem der jungen Erwachsenen. Er ist in der Favela Monte Azul aufgewachsen. Seine Augen leuchteten, als er erzählte, dass er alle kennt: Ute Craemer, Renate Keller Ignácio und Seu Paulo. Dann zeigte er in die Runde – ein jeder ist hier in den Kindergärten von Monte Azul gross geworden. Bei seinen Freunden könne man an einer Hand abzählen, wer der Kriminalität verfallen sei.

Dabei ist die allgemeine Gewaltrate etwa mit jener in dem von einem militärischen Konflikt zerrütteten Palästina zu vergleichen. In der Südzone von São Paulo konzentrieren sich die meisten Jugendlichen der Stadt, über 400.000. Die meisten bekommen nur eine schlechte Schulbildung und finden keine Arbeit, doch selbst wer Arbeit hat, verdient nur sehr wenig. Schnell lockt dann der kriminelle Weg: Hilft man Drogendealern bei ihren Geschäften, verdient man in kurzer Zeit mehr als an einem ganzen Tag mit monotoner Arbeit. Die Perspektivlosigkeit ist auschlaggebend für die ungeheure Kriminalität. Dem Viertel Horizonte Azul benachbart liegt Jardin Angela, „Engelsgarten“, mit der weltweit höchsten Gewaltrate...

Auf dem Weg nach Hause dachte ich noch lange an das Gespräch mit diesem jungen Mann. Die Band spielte noch immer ein Lied nach dem anderen, die Hände der Musiker flogen auf die Trommeln, und ihre Finger griffen die Akkorde des Cavaquinhos. Es gibt eine Band, die so lange ihren Samba spielt, bis die anfangs angezündete Kerze erlischt... In dieser Nacht dachte ich, dass wir von niemandem verlangen können, hinaus in die Welt zu gehen, um sie zu verändern. Wir können nicht erwarten, dass das Kind, das in Monte Azul gross wird, später sein Leben perfekt meistern wird. Aber wenn diese Kinder nur einen Bruchteil von dem mitnehmen, was wir ihnen während dieser Jahre zu vermitteln versuchen, dann ist die Realität bereits verändert...

Ich denke daran, was Ziele für die Zukunft sein könnten. Aber an erster Stelle steht der Erhalt dessen, was so viele Menschen mit viel Mühe und Liebe aufgebaut haben. Trotz aller Hilfe und aller Sparmaßnahmen gibt es derzeit jeden Monat ein großes Defizit.

Der junge Mann in der Bar war eines der Kinder aus der ersten Generation der Arbeit von Monte Azul. An jenem Abend erlebte ich, wie wundervoll das ist, was hier seit so vielen Jahren getan und von zahllosen Menschen in Deutschland und anderswo unterstützt wird. Es ist der Versuch, Menschen eine Perspektive zu geben – den Mut, einen anderen Weg als den „einfachen“, den kriminellen, einzuschlagen. Und wenn ich die Musik jenes Abends als Sinnbild für die Arbeit hier in Monte Azul nehmen darf, dann ist es eine der grössten Aufgaben der Zukunft, die Kerze nie erlöschen zu lassen...

Dennis Pauschinger

Die Freunde der Erziehungskunst führten von Ende 1997 bis 2002 für Monte Azul ein großes vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) kofinanziertes Projekt mit einem Gesamtumfang von über einer Million DM durch.

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