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Schwierige Jahre für Eriwan

1994 schien für Armenien das letzte schlimme Jahr gewesen zu sein. In diesem Jahr wurde dem Karabagh-Krieg ein Ende gesetzt, die harte Energiekrise der Jahre 1991-92 wurde überwunden, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ruinierte Wirtschaft zeigte erste Zeichen der Wiederbelebung. Vor diesem Hintergrund scheint die Gründung einer Waldorfschule in Eriwan im selben Jahr logisch zu sein. Diese Gründung war nur dadurch möglich, dass trotz aller Schwierigkeiten und Turbulenzen der nachsowjetischen Zeit, während der Hunderttausende von Armeniern ihr Land verließen, ein Teil der in die Anthroposophie vertieften Menschen von diesem mächtigen Strom nicht mitgerissen wurden, sondern - wenn man so sagen darf - eine Investition in die Zukunft des Landes gemacht haben.

Seitdem sind nun etwas mehr als 11 Jahre vergangen. Die ersten Jahre waren durch starken Enthusiasmus und Hingabe der Lehrerschaft ausgezeichnet, wie das bei solchen Gründungen fast immer der Fall ist. Diese Jahre haben auch gezeigt, dass die Waldorfschule in gewissen Sinne von den Menschen erwartet wurde, besonders von der in den nun radikal-kapitalistischen Verhältnissen sich allmählich marginalisierenden Intelligenz, soweit sie ihr Land nicht verlassen wollte. Jedes Jahr kamen mehr und mehr Schüler, und die Schule mußte vielen absagen. Eine Klasse konnte nicht mehr als 30-35 Schüler aufnehmen, während es bald mehr als doppelt so viele Anfragen gab.

Jedes Jahr wieder war es bis zum Schluss nicht klar, ob eine neue Klasse eröffnet werden kann, weil es immer wieder nur eine Person gab – die sich oft erst im letzten Moment entpuppte –, die als Klassenlehrer/in in Frage kam, sich aber nicht sicher war, ob sie diese Verantwortung übernehmen kann oder will. Die Situation verbesserte sich erst, als Ende der 90er Jahre einige ausgebildete Lehrer aus Deutschland und Russland zurückkehrten.

Die ersten Jahre sind auch dadurch gekennzeichnet, dass die Schule im Verborgenen wuchs und sich unsichtbar für die konservative und aggressiv werdende äußere Welt entwickelte. Dieser „Paradieszustand“ konnte natürlich nicht endlos dauern. Es kam zum ersten ernsten Konflikt mit dem Direktor der Staatsschule, in deren Rahmen sich die Waldorfschule entwickelte. Man wurde sichtbar und den äußeren Kräften ausgesetzt. Die letzteren bekämpften die Waldorfschule vor allem durch die Presse. Oft war von Vorwürfen wie „Sekte in der Schule“ zu lesen. Doch da es inzwischen einen großen Freundeskreis und auch einflußreiche Unterstützer gab, schlug der Versuch fehl, die Schule zu schließen. Sie hat es im Gegenteil geschafft, aus dem Schatten herauszukommen und sich ihre weitere Existenz in Form eines staatlich anerkannten Experiments für die folgenden vier Jahre zu sichern.

Währenddessen hat die Schule im letzten Jahr ihre „Volljährigkeit“ erreicht: sie ist mit zehn Klassen voll ausgebaut (erst in den nächsten Jahren soll die Schulausbildung auf 12 Klassen erweitert werden). Im Moment studieren fast alle unsere Absolventen an verschiedenen Hochschulen in Eriwan. Sie verlieren dabei die Verbindung zur eigenen Schule nicht, sondern kommen oft vorbei und betonen zur Freude der Lehrer, dass ihnen erst jetzt bewusst geworden ist, welche Vorteile sie durch die Jahre an unserer Schule erworben haben. Ganz offensichtlich zeichnen sie sich aus und werden von ihren Kommilitonen und Dozenten geschätzt. Das ist die beste „Werbung“ und die beste Widerlegung aller Verleumdungen, die von Zeit zu Zeit in der Presse noch auftauchen.

Eine schöne Tradition unserer Schule sind die Aufführungen um die Weihnachtszeit, die die Lehrer für die Kinder vorbereiten. Oft werden auch Eltern und Oberstufenschüler oder neuerdings auch Absolventen mit einbezogen. Jedes Jahr wird etwas Neues gespielt. Im letzten Jahr war es „Die Schneekönigin“ von Andersen, davor „Frau Holle“ von den Brüdern Grimm, „Der Schmied aus dem großen Wutten“ von Tolkien, „Die weiße Dame vom Eisberg“ (Tschechien), „Die Aulfskönigin Ulfildur“ (Island), „Die heilige Nacht“ (ein armenisches Märchen)... Alle Rollen werden während der Proben improvisiert und gelernt. Um das Märchenhafte zu betonen, was besonders für die Unterstufe sehr wichtig ist, wird die Aufführung immer mit einem Puppenspiel ergänzt. Die Geister des Feuers, des Wassers, der Luft und der Erde – ebenfalls häufige „Gäste“ – werden eurythmisch dargestellt.

Das Schuljahr 2004/05 ist für die Schule ein schwieriges Übergangsjahr. Zwar wurden die Ergebnisse des vierjährigen pädagogischen Experiments positiv bewertet, trotzdem kann die Schule wegen gravierender Unterschiede zur Staatspädagogik nicht im staatlichen Bereich verbleiben. Während dieses Schuljahrs müssen alle Abläufe der Lizensierung und Privatisierung abgeschlossen werden, um den schweren Übergang in eine qualitativ ganz neue Situation zu schaffen. Wir hoffen sehr, den kommenden Aufgaben gewachsen zu sein und uns auch künftig auf unsere Freunde verlassen können zu dürfen, die uns oft genug sichtbar und unsichtbar geholfen haben.

Ruben Djanibekian

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