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„Waldorfpädagogik: Im Mittelpunkt der Mensch“

Waldorfschulen und Waldorfkindergärten als Vorreiter im Bildungswesen

- Ein Rückblick auf die Waldorfaktionswoche 2004 -

Zu Michaeli 2004 präsentierten sich die waldorfpädagogischen Einrichtungen Deutschlands eine Woche lang im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche, für die der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau die Schirmherrschaft übernommen hatte, der Öffentlichkeit. Ziel der Aktionswoche war es, sich mit den spezifischen Gesichtspunkten der Waldorfpädagogik in die aktuelle Bildungsdiskussion einzumischen und die Dialogfähigkeit der Waldorfpädagogik angesichts der drängenden Probleme in Erziehung und Bildung zu unterstreichen.

Auftakt in Offenburg und Stuttgart

Den Auftakt der Aktionswoche gestaltete die Elternschaft der Waldorfschulen anlässlich einer Bundeselternratstagung in Offenburg. Die Oberbürgermeisterin der Stadt gab für die Delegierten einen Empfang in der Gedenkstätte der deutschen Freiheitsbewegungen „Zum Salmen“. Tags darauf wurde in der Freien Waldorfschule Offenburg analog zur Offenburger Erklärung der Freiheitsrechte von 1847 die „Offenburger Erklärung 2004“ mit zentralen Forderungen zur Freiheit des Bildungswesens verabschiedet. Anschließend fand eine Podiumsdiskussion statt, an der auch die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW), Eva-Maria Stange, teilnahm.

Im Stuttgarter Rathaus hatte inzwischen der Oberbürgermeister die Ausstellung „Waldorfpädagogik weltweit“ eröffnet. Diese Ausstellung der Freunde der Erziehungskunst wurde 1994 anlässlich einer UNESCO-Konferenz in Genf erstellt und befindet sich seither weltweit auf Tournee. In diesem Jahr sollen die 40 Tafeln in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt im Rahmen des Deutschlandjahres in Japan ausgestellt werden.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister bestätigte den Waldorfschulen und Kindergärten in seinem Grußwort eine Vorreiter-Aufgabe: „Das, was Sie machen ist beispielgebend!“.

Regionale Schwerpunktveranstaltungen im ganzen Land

Parallel zur Tagung in Offenburg wurden am 25.9., getragen von den Landesarbeitsgemeinschaften der Waldorfschulen, regionale Auftaktveranstaltungen in vielen Städten durchgeführt.

In Düsseldorf präsentierten sich die Waldorfeinrichtungen Nordrhein-Westfalens der Öffentlichkeit mit einem vielfältigen, umfangreichen Programm auf einer Großbühne auf dem Schadowplatz, entlang der Rheinpromenade und in einem Kulturzentrum am alten Hafen. In Niedersachsen fanden die regionalen Schwerpunktveranstaltung auf dem Opernplatz in Hannover und im Ansgarikirchhof in Bremen statt. In Hamburg gestaltete man einen „Waldorftag“ mit einer sechsstündigen „Nonstop-Monatsfeier“, Ausstellungen, Bazar und einem Vortrag von Andreas Schleicher, dem Vater der Pisa-Studie - die Kampnagelfabrik vermochte den Besucherandrang kaum zu fassen.

In Nürnberg diskutierten bereits am 24.9. die nordbayerischen Schulen mit Jugendministerin Renate Schmidt, während sich die südbayerischen Schulen tags darauf in München in einer Open-Air-Veranstaltung auf dem Odeonsplatz und einem glanzvollen Galaabend im Herkulessaal präsentierten.

In Berlin gab es neben zahlreichen anderen Veranstaltungen eine Podiumsdiskussion mit ehemaligen Waldorfschülern am Gendarmenmarkt, die Region Mecklenburg-Vorpommern diskutierte in Schwerin mit der Finanzministerin, und in der Region Rheinland-Pfalz-Saarland-Luxemburg verbanden sich alle Waldorfschulen zu einem Sponsorenlauf.

In Kiel eröffneten die Waldorf-Einrichtungen Schleswig-Holsteins die Waldorfaktionswoche mit einer Eurythmieaufführung im Opernhaus. Der Reigen der regionalen Schwerpunktveranstaltungen wurde schließlich am 1.10. auf dem Marktplatz von Marburg durch die hessischen Waldorfeinrichtungen abgeschlossen.

WOW-Day: Waldorfschüler engagieren sich für Südafrika

Die Idee des WOW-Day (Waldorf-One-World-Day) wurde 1994 geboren. Sie entstammt der Tradition des „Operasjon Dagswerk“, einem Tag, an dem Schüler aller norwegischen Schulen für wohltätige Zwecke Geld erarbeiten. 2003 beteiligten sich 32 europäische Waldorfschulen mit einem Reinerlös von 62 000 Euro.

Im Rahmen der Aktionswoche engagierten sich Waldorfschüler aller Klassenstufen aus über 110 deutschen Schulen für Projekte im südlichen Afrika: u.a. die Waldorfschulen Zenzeleni, McGregor, Khanyisa und Fishoek sowie Townshipkindergärten in Kapstadt und Windhoek. Der Initiative und Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Schüler betätigten sich als Schuhputzer in den Innenstädten, fuhren Pizza aus, gaben Konzerte, beteiligten sich an Sponsorenläufen, führten Auto-Waschaktionen und Pfennigbazare durch oder säuberten Flussufer. Die Ergebnisse der Aktion übertrafen alle Erwartungen: Bei der Abschlussveranstaltung am 2.10. in Stuttgart konnte Lorna Davis, einer Lehrerin aus Südafrika, stellvertretend für die dortigen Initiativen, ein symbolischer Scheck in Höhe von über 254.000 Euro überreicht werden. Inzwischen sind die Einkünfte der Aktion auf etwa 380.000 Euro angewachsen.

Die Schülerinnen und Schüler haben in einer Welt zunehmender sozialer Kälte ein in den Medien vielbeachtetes, überwältigendes Zeichen menschlicher Solidarität mit ihren benachteiligten Mitschülerinnen und Mitschülern in Afrika gesetzt. Sie haben damit gezeigt, dass sich etwas bewegen lässt. Die Waldorfschulen können stolz auf solche Schülerinnen und Schüler sein.

Finale in Stuttgart

Die Aktionswoche endete am 2.Oktober mit einem zentralen Aktionstag in Stuttgart.

Unter dem Thema „Brennpunkt Bildung“ wurde in neun Diskussionsforen kontrovers und engagiert über aktuelle bildungspolitische Fragen diskutiert. Namhafte Politiker, Erziehungswissenschaftler, Pädagogen, Eltern und Schüler besetzten die Podien im weißen Saal des Neuen Schlosses, in der Staatsgalerie und im Marquardt-Theater. Moderiert wurden die Diskussionen meist von Journalisten der überregionaler Medien.

Die aktuelle Brisanz der Friedenspädagogik in der globalisierten Welt wurde im Forum „Bildung und Globalisierung“ deutlich, an dem u.a. Dr. Sigrid Niedermayer-Tahri von der UNESCO in Paris und Bernd Ruf von den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners teilnahmen. Der ARD-Krisenkorrespondent Christoph Maria Fröhder berichtete aus dem Irak-Krieg, die Lehrerin Lorna Davis aus dem gewaltgeprägten Schulalltag in den Townships Südafrikas. Rasmus Precht, der als erster Ersatz-Zivildienst-Leistender 1994 seinen Freiwilligendienst in Südafrika antrat, trug durch beeindruckende Beispiele konkreter Friedenspädagogik zur Diskussion bei.

Zum Thema „Ethik und Forschung, ein Widerspruch?“ diskutierten u.a. Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker und der Generalsekretär des Club of Budapest, Peter Spiegel. Moderiert wurde das Podium vom Verlagsleiter des „Spiegel“, Fried von Bismarck. Dr. Donata Elschenbroich vom Deutschen Jugendinstitut in München und Martin Spiewak vom Wochenblatt „Die Zeit“ nahmen an der Podiumsdiskussion zum Thema „Früheinschulung“ teil.

Das Podium „Freie Bürger - freie Schulen“ mit Bundesinnenminister Otto Schily war sicher die bestbesuchte Veranstaltung des Tages. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn bildeten sich im Foyer des Neuen Schlosses lange Schlangen von Interessenten, die noch in den überfüllten Saal drängten.

Parallel zu den Podiumsdiskussionen gab die von der Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Baden-Württemberg veranstaltete Waldorf-Erlebnismeile in der Stuttgarter Innenstadt und auf dem Gelände der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe der Öffentlichkeit vielfältige Einblicke in die Schul- und Kindergartenpraxis. Zahlreiche Infostände, Workshops und Aktionsflächen luden zum Anschauen und Mitmachen ein. Den ganzen Tag über gab es vor allem um die Stände im Stadtzentrum dichtes Gedränge.

Überbordender Besucherandrang herrschte auch beim Zirkusfestival in der Nähe des Hauptbahnhofes, an dem sich 11 Schülergruppen mit beachtlichen Beiträgen aus Clownerie und Artistik an einem Schul-Zirkus-Wettbewerb unter der Leitung von Masha Dimitri beteiligten.

Schily fordert finanzielle Gleichstellung

Die zentrale Abschlussveranstaltung fand schließlich auf dem Stuttgarter Marktplatz statt. Auf einer Großbühne wurde den etwa 5000 Teilnehmern ein zweistündiges, buntes Kulturprogramm geboten, das von der Moderatorin des SWR-Fernsehens Tatjana Geßler moderiert wurde. Eingebettet in bunte Zirkuspräsentationen, Beiträge des preisgekrönten Schülerchors der Waldorfschule Cottbus und der Präsentation der WOW-Day-Ergebnisse waren Interviewbeiträge zu bildungspolitischen Themen.

Hartwig Schiller, Vorstandsmitglied des Bundes der Freien Waldorfschulen, mahnte eine stärkere Beachtung pädagogischer Gesichtspunkte in der bildungspolitischen Diskussion an. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster lobte die vorbildliche Arbeit der Waldorfschulen, das ganzheitliche pädagogische Konzept, die differenzierte Schülerförderung, und unterstrich die Bedeutung der Internationalität der Waldorfpädagogik. Man könne nicht nur Autos exportieren, sondern müsse auch Verantwortung für die Welt übernehmen. Bundesinnenminister Otto Schily schließlich forderte unter dem begeisterten Beifall der Zuhörer einen fairen Wettbewerb zwischen Schulen in staatlicher und freier Trägerschaft. Allen müssten gleiche finanzielle Bedingungen geboten werden. Waldorfpädagogik sehe er als zukunftsweisend an, weil sie die seelischen, leiblichen und intellektuellen Fähigkeiten des Menschen gleichermaßen ausbilde. „Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit!“.

Mit zwei Schüleraufführungen klang der „Waldorftag“ in Stuttgart gegen Mitternacht aus. In einer Gemeinschaftsproduktion der Freiburger Waldorfschulen und staatlicher Gymnasien wurde im ausverkauften Festsaal der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe das Musical „West Side Story“ aufgeführt. Parallel dazu gastierte ein Ensemble der Freien Waldorfschule Frankfurt a.M. im ebenfalls überfüllten Saal der Freien Waldorfschule am Kräherwald mit der Revue „Verstehen Sie Bahnhof?“.

Was konnte erreicht werden?

Es war mit der Waldorfaktionswoche nicht beabsichtigt, eine Werbekampagne für Waldorfpädagogik durchzuführen. Vielmehr wollte man sich mit spezifisch waldorfpädagogischen Ansätzen in die aktuelle Bildungsdiskussion einbringen und Öffentlichkeit für pädagogische Fragen herstellen. Was konnte erreicht werden?

1. Beteiligung an der Bildungsdiskussion
In zahlreichen, hochkarätig besetzten und von den Medien registrierten Diskussionsforen konnten im ganzen Land waldorfpädagogische, kindorientierte Themen gesetzt werden. Es gelang, mit vielen maßgeblichen Vertretern der gegenwärtigen Bildungsdiskussion aus Forschung, Wirtschaft, Politik und Medien ins Gespräch zu kommen und die eigene Dialogfähigkeit unter Beweis zu stellen.

2. Präsentation in der Öffentlichkeit
Von Flensburg bis Überlingen, von Aachen bis Frankfurt/Oder wurden an nahezu 200 Standorten etwa 3000 Veranstaltungen durchgeführt.

3. Weltweite Dimension im Bildungswesen
Durch den WOW-Day, an dem sich Schülerinnen und Schüler aus über 110 Schulen beteiligten, zeigte sich eindrucksvoll die Internationalität und das soziale Engagement der Waldorfpädagogik.

4. Medienspiegel
Über die Aktionswoche erschienen innerhalb von 14 Tagen über 700 Presseberichte, angefangen von den maßgeblichen überregionalen Zeitungen bis hin zu unzähligen Provinzblättern. Außerdem gab es über 40 Rundfunk- und Fernsehbeiträge.

5. Innenwirkung
Angeregt durch die Aktionswoche entstanden an vielen Orten erstmals lokale Arbeitszusammenhänge zwischen Schulen, Kindergärten und heilpädagogischen Einrichtungen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Einzeleinrichtungen, regionalen Zusammenschlüssen und der Bundesebene konnte intensiviert werden.

Bewundernswerter Einsatz

In seiner Abschluß-Ansprache auf dem Stuttgarter Marktplatz bedankte sich Innenminister Otto Schily bei allen, die in der Waldorfpädagogik tätig sind, für ihren bewundernswerten Einsatz. Der Dank gilt auch den vielen tausend Mitarbeitern und Helfern im ganzen Land, die erfolgreich mit dazu beigetragen haben, der Stimme der Waldorfpädagogik und damit einer kindorientierten Pädagogik in der aktuellen Bildungspolitik Gehör zu verschaffen. Auch in den weichenstellenden Umstrukturierungsprozessen des Bildungswesens unserer Tage hat sich die Erkenntnis aus Goethes „Märchen“ bestätigt, wonach helfen nur der kann, der sich zur rechten Zeit mit vielen vereinigt.

Bernd Ruf

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