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Herzlicher Empfang in Tadschikistan

„Ihr müßt unbedingt zu uns nach Tadschikistan kommen!“ So hatten uns Rano und Dshamilja im Januar 2002 bei ihrem Praktikum an der Freien Waldorfschule Lübeck immer wieder beschworen. Freundlich und unsicher hatten wir zugesagt.

Wir hatten zugesagt. Aber 7000 km weit weg, in ein Land der ehemaligen Sowjetunion, ohne alle Sprachkenntnisse? Doch dann gab es zahlreiche E-Mail-Kontakte und zwei Paketaktionen, und im Mai 2003 war es soweit: Wir flogen tatsächlich nach Tadschikistan, schauten uns mögliche Bauobjekte für die Waldorfschule an, wanderten über bunte Basare voller Menschen und Waren, sahen das berühmte Samarkand und und und...

Tadschikistan liegt auf halber Strecke zwischen Spanien und Japan, nördlich von Afghanistan, an der berühmten Seidenstraße. Der größte Teil des Landes ist Hochgebirge über 2500 Meter. Khudjand, das einst von Alexander dem Großen gegründet wurde, liegt allerdings tiefer und wird vom Syrdarja durchflossen.

Überströmende Herzlichkeit

Unsere tadschikischen Freunde empfangen uns mit überströmender Herzlichkeit und einer Festtafel mit gefüllten Teigfladen, dem Nationalgericht Plov (gewürzter Reis mit Hammelfleisch) und sämtlichen Getränken von Mineralwasser bis Wodka. Ich habe den Eindruck, die ganze tadschikische Waldorfschule schaut einmal kurz herein, um den Besuch aus Deutschland zu begrüßen. Deutsch, Englisch, Russisch, Tadschikisch schwirren durcheinander!

Gleich zu Anfang lernen wir auch Dshamiljas 1. Klasse kennen. In einem Raum eines überwiegend leerstehenden Kindergartens läuft sie offiziell als Experimentierklasse eines Gymnasiums, wo Rano und Dshamilja Deutsch unterrichten. Im Laufe der nächsten Tage erleben wir eine ganze Reihe von Stunden mit rhythmischem Teil, Formen und Buchstaben malen, kleiner Klassenaufführung und Märchenerzählen. Die quicklebendigen Kinder machen mit großer Freude mit. Später lernen wir bei einem Elternabend auch die Eltern kennen – einfache Menschen, die bisher keinerlei Schulgeld zahlen können. Die Lehrer unterrichten ohne Lohn.

Dann besuchen wir viele Behörden. Alle erwarten eifersüchtig, angesprochen zu werden – und verweisen erstmal auf einen anderen als zuständig. Die vorgeschlagenen Objekte erweisen sich meist als schwer vernachlässigt, oft wurde alles Verwert- und Brennbare bereits herausgerissen und die Bausubstanz ist desolat.

Besuch in der Schule

Natürlich besuchen wir auch das Gymnasium, dessen Direktor unsere für das Visum notwendige Einladung ausgesprochen hat. Herr Shagajev zeigt uns die ganze Schule mit unvermutet sauberen und ausgesprochen freundlich gestalteten Klassenräumen. Wir erleben entzückende Klassendarbietungen, eingeübt für den Schuljahresabschluß, z.B. ein Frühlingsspiel der Kinder mit alten, tadschikischen Tänzen, die uns in der Innigkeit, mit der sie dargeboten werden, tief anrühren. Für eine Doppelstunde stellen wir uns den SchülerInnen der 8. bis 10. Klasse zur Verfügung. Und was sie alles wissen wollen: Über unseren Wehrdienst, über Michael Schumacher, Bewertung schulischer Leistungen, Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen, Freizeitbeschäftigungen von Jugendlichen und und und. Wir bemerken, wieviel wir eigentlich nur vage oder gar nicht wissen...

Später sehen wir die kärglich ausgestattete Turnhalle, das winzige Lehrerzimmer, die große Dachterrasse für Schulfeiern. Der Staat zahlt zwar Lehrergehälter und stellt das Gebäude. Für Instandhaltung, Reparaturen oder gar Ausbauten kommt er nicht auf. So pflegt Herr Hsagajew mit Geschick Behörden- und Besucherkontakte, und beim Schulfest für die angehenden Abiturienten sitzen wir in der ersten Reihe bei den Ehrengästen.

Die Tage werden immer voller

Wir holen bei der Justizverwaltung Auskünfte ein, arbeiten eine Satzung aus und erleben am vorletzten Abend die Gründung des „Fördervereins für Waldorfpädagogik in Khudjand“. Ich schwimme im Syrdarja weit hinaus – völlig allein, da hier kaum jemand schwimmen kann. Wir besuchen Ranos Eltern, die bei ihrer Rente von etwa einem Euro nur mit Hilfe ihrer Kinder überleben. Der Vater ist von der Arbeit im Uranbergbau gezeichnet. Wir fahren über einen hohen Paß nach Samarkand im benachbarten Usbekistan, unten bei 35°C, oben an meterhohen Schneewänden vorbei. Am Ziel stehen wir vor der Pracht alter islamischer Bauten, vor Moscheen mit türkisblauen Kuppeln und riesigen Portalen mit farbenprächtigen Fayence-Ornamenten.

Der Abschied von unseren Freunden war sehr bewegend und wir mußten versprechen: Wir kommen wieder! Wieder in Lübeck brauchten wir dann eine ganze Weile, den zweiten Kulturschock – die Rückkehr in unser reiches Deutschland – zu überstehen. Zu krass sind die Unterschiede. Übervoll von Eindrücken sehen wir nun vieles hier bei uns mit anderen Augen an.

Inzwischen hat Rano eine neue erste Klasse mit 18 Kindern begonnen. Dshamilja führt die zweite Klasse mit 15 Kindern. Ein Gebäude ist ihnen inzwischen zugewiesen, doch wie die Renovierung finanziert werden kann, steht in den Sternen.

Reinhart Winkler

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