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Einladung nach Lettland

Ende Mai 2003 hatten unsere Handarbeitslehrerin, Frau Schneider, und ich die freudige Gelegenheit, für eine Woche nach Lettland zu reisen, um an der Pädagogischen Akademie von Liepaja ein Seminar über Waldorfpädagogik zu gestalten. Wie kam es dazu, daß ausgerechnet uns diese Ehre zuteil wurde?

Im Herbst 2002 erfuhren wir anfangs wie nebenher, daß Frau Lippke uns ausersehen hatte, ihre langjährige Tätigkeit in Lettland fortzusetzen. Sie meinte, daß ihr das Seminar zwar sehr ans Herz gewachsen sei, doch sie habe es nun lange genug gemacht und in ihrem Alter hätte sie wohl auch das Recht, sich etwas zurück zu nehmen und Jüngere heran zu lassen.

Zunächst konnten wir es nicht recht fassen, zumal die Erfüllung dieser großen Aufgabe unsere Vorstellung ein wenig übertraf. Doch man wächst tatsächlich mit seinen Aufgaben. Als Frau Lippke wenig später anläßlich einer Auszeichnungsfeier an unserer Schule weilte, erzählte sie uns ausführlich von ihrer langjährigen Arbeit an der Hochschule von Liepaja und der Waldorfschule in Grobina.

Noch immer versetzte uns die auf uns zukommende Aufgabe in Staunen, aber sie nahm nun mehr und mehr Gestalt an. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr reizte mich die Herausforderung, und ich begann, mich zögerlich sogar darauf zu freuen. Mit ihren Worten: „Also ihr bekommt rechtzeitig eine persönliche Einladung von der Hochschule...“ verabschiedeten wir uns herzlich von Frau Lippke.

Wir hörten nun eine lange Zeit nichts mehr und über der täglichen Arbeit traten die Gedanken an Lettland etwas in den Hintergrund. So kam das Jahr 2003 und manchmal glaubte ich schon, man hätte uns vergessen oder es sich anders überlegt. „Auch gut“, dachte ich, „unsere tägliche Arbeit ist ebenso wichtig und nimmt uns ganz in Anspruch“. Dann kam Anfang April der Brief mit der Einladung. Nun wurde es ernst, wir stimmten den Termin mit Frau Valdmane von der Hochschule ab und gingen an unsere Vorbereitungen für die Reise.

Tatsächlich - die Reise beginnt

Am 3. Mai ging es frühmorgens nach Rostock, und glücklicherweise hatten wir eine Fähre direkt nach Liepaja bekommen - eine Güterfähre, die aber gegen ein stattliches Fahrgeld zusätzliche Passagiere mitnahm. Nach 24 Stunden erreichten wir unser Ziel. Frau Valdmane hatte versprochen, uns abzuholen, doch der Grenzdurchgang dauerte fast drei Stunden und erinnerte an alte DDR-Zeiten.

Wegen irgendeiner Versicherung wurden wir dann von den Beamten ins Terminal geschickt. Ich ging an den erstbesten Schalter, an dem sich zwei Frauen unterhielten, und trug mein Anliegen vor. Kurzerhand wurden wir an einen nächsten Schalter geschickt, als eine der Frauen mich noch einmal zurückrief und fragte, ob ich nicht vielleicht Herr Schönfeld aus Chemnitz sei – es war Frau Valdmane, die schon zum fünften Mal gekommen war, um uns abzuholen!

Nach der ersten Nacht im Studentenwohnheim wurden wir von zwei Lehrern der Waldorfschule in Grobina abgeholt. Eine freundliche Begrüßung mit gebrochenem Deutsch und internationalem Händegefuchtel und ab ging es nach Grobina. In der Schule herrschte aufgeregtes Treiben, doch die Atmosphäre hatte etwas von Wärme und Aufgeschlossenheit. Viel zu schnell war der Vormittag mit Hospitationen in verschiedenen Klassen zu Ende und wir fuhren zurück nach Liepaja.

In der Pädagogischen Hochschule wurden wir wiederum herzlich von Frau Valdmane begrüßt, der stellvertretenden Rektorin. Wir waren etwas aufgeregt, denn in knapp einer Stunde sollte das Seminar beginnen, und wir machten dies zum allerersten Mal. Doch als uns unser Dolmetscher vorgestellt wurde, der eine mit leichtem Humor gemischte Zuversicht ausstrahlte, war das letzte Eis gebrochen.

Fruchtbare Arbeit und Begegnung

Etwa 20 Studentinnen hatten sich für den Kurs eingeschrieben. Ich hatte lange überlegt, wie ich wohl den Einstieg wagen sollte und erinnerte mich immerzu an Frau Lippkes Worte: „Machen sie etwas mit ihnen, Kopfarbeit haben die alle Tage!“ So stellten wir uns in einem Kreis auf und ließen einen kleinen Ball die Runde machen. Jeder nannte dabei seinen Namen und erzählte kurz über sich und seine Motivation zu diesem Seminar. Danach hatten alle Studenten viel Freude beim Sprechen des Morgenspruches und verschiedenen Übungen aus dem rhythmischen Teil. Interessiert folgten sie den Ausführungen über das Rechnen in den ersten vier Klassen.

Es war eine prächtige Arbeitsatmosphäre, Fragen wurden gestellt und auch der Humor kam nicht zu kurz. Am Nachmittag wollte unsere Handarbeitslehrerin Frau Schneider mit den Studentinnen Tiere herstellen, wie es bei uns die Sechstklässler tun. Ein aufwendiges Vorhaben in vier kurzen Nachmittagen, doch die Lettinnen waren begeistert. Sie zeichneten, schnitten den Stoff zu, säumten ein, nähten und stopften aus, als hätten sie einen Sprung in ihre Kinderzeit gemacht. Viele nahmen ihre Werke nach Haus und vollendeten dort, was am Nachmittag nicht zu schaffen war. Am letzten Tag gab es dann eine kleine Ausstellung selbstgemachter Bären und Tiger.

Der Abschied kam viel zu schnell. Unser Übersetzer äußerte am Ende herzlich, es sei schon ungewöhnlich, was in diesen Tagen im ehrwürdigen Saal des Auditoriums geschehen wäre. Auch Frau Valdmane möchten wir einen großen Dank aussprechen, die alles professionell organisiert hatte. Als wir am Abend wieder auf der Fähre waren, schauten wir über die Ostsee zurück auf das uns doch noch geheimnisvolle Land und insgeheim dachte wohl jeder von uns beiden: „Auf Wiedersehen, Lettland!“

Peter Schönfeld, Waldorflehrer in Chemnitz

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