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Bildung als Chance, den Armutskreislauf zu durchbrechen

(aus: Waldorfpädagogik weltweit, S. 164-165, Copyright-Hinweise beachten!)

Die großen Ereignisse, die 1994 zur Wahl von Präsident Nelson Mandela und zur ersten demokratischen Regierung Südafrikas geführt haben, haben für die dort lebenden 40 Millionen Menschen bedeutende Veränderungen gebracht. Dennoch sind für über 50 Prozent der Bevölkerung die schweren sozio-ökonomischen Bedingungen gleich geblieben. Noch immer leben sie in Armut mit wenig Hoffnung auf Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Viele von denjenigen, die oberhalb der Armutsgrenze leben, die Arbeit haben und denen es daher besser geht, leben noch immer in endlosen Reihen kleiner Häuser in trostloser Umgebung, in den so genannten Townships, in welche die Apartheitsregierung schwarze und farbige Bevölkerung segregiert hatte. Hier möchte Waldorfpädagogik Veränderung bringen, sowohl für die von Armut geplagten als auch für diejenigen Bevölkerungsgruppen, denen es besser geht.

Erste Anfänge in Kapstadt und Johannesburg

Die Arbeit in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen ist nur möglich geworden, weil Waldorfpädagogik und Anthroposophie viele, viele Jahre lang Wurzeln geschlagen und sich in Südafrika etabliert hatte. Die Idee, Waldorfpädagogik auch in Südafrika aufzugreifen, begann 1954 nach dem Besuch von Dr. Frederik Willem Zeylmans van Emmichoven (1893-1961).

Erste Kindergärten begannen in Kapstadt 1959 und in Johannesburg 1960. Schon bald kamen Schulklassen hinzu, 1962 gab es zwei Schulen in Kapstadt, die Constantia Waldorfschule und die Michael Oak Waldorfschule, und in Johannesburg die Michael Mount Waldorfschule. Diese Schulen sind heute blühende Orte des Lernens vom Kindergarten bis zur Oberstufe. Der "Bund der Waldorfschulen in Südafrika" wurde 1979 gegründet, um die verschiedenen Aktivitäten der Waldorfschulen zu koordinieren und gegenseitige Unterstützung zu organisieren.

Integration setzt ein

In den 80er-Jahren begann die Apartheitsregierung, nicht-staatlichen Schulen die Aufnahme von Kindern schwarzer, indischer und farbiger Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen, zunächst durch Anträge für jedes einzelne Kind, später durch Quoten von 20 Prozent pro Klasse. Obwohl immer noch eingeschränkt, wurde es so möglich, Beziehungen zu anderen Bevölkerungsgruppen einzugehen und Brücken zu schlagen.

1985 kamen zwei erfahrene Waldorflehrerinnen, Claartje Wijnbergh und Truus Geraets aus Holland, und begannen in Alexandra, einer von Armut geplagten Township in Johannesburg, zu arbeiten.

Ausbildung wird auch für Lehrer an Township-Schulen angeboten

Das Centre for the Art of Living wurde 1987 gegründet, um Lehrer auszubilden und Waldorfschulen in städtischen und ländlichen Gebieten der schwarzen Bevölkerung zu gründen. Durch diese Anstrengungen entstand die Inkanyezi Waldorfschule in Alexandra, Johannesburg, die Sikhulise Waldorfschule in Soweto, und die Lesedi Waldorfschule im ländlichen Madietane in der nördlichsten Provinz. Durch den Einsatz von Carol Liknaitsky wurden viele Kindergärtnerinnen in städtischen und ländlichen Gegenden ausgebildet und unterstützt.

Seither wurde am Baobab Community College in Alexandra Unterricht für eine neue Generation junger, schwarzer Lehrer in Kindergarten- und Schulpädagogik angeboten. Anfang der 90er-Jahre zog Pauline Scott, Mitarbeiterin des Baobab College, nach Kapstadt und fand bald Gelegenheit, Waldorfpädagogik in Townships zu verwurzeln. Der Noxolo Kindergarten ("Noxolo" heißt "Frieden" auf Xhosa) in Nonkululiko wurde gegründet.

Ende der 80er-Jahre begann das "Novalis Institute" in Kapstadt Einführungskurse in die Waldorfpädagogik anzubieten. Zu dieser Zeit wurden auch die Waldorfschulen in Stellenbosch und McGregor gegründet. Daneben baute das "Novalis Institute" Fortbildungskurse für Lehrer der Township- und Squatter-Schulen auf. Durch die Vermittlung eines holistischen und kreativen pädagogischen Ansatzes konnte das Leben von vielen Schülerinnen und Schülern in diesen Stadtvierteln verbessert werden. Das Institut unterstützte mehrere Township-Schulen bei der Einführung von Waldorfelementen, vor allem die Bongulethu Schule in Philippi. Diese Arbeit wurde durch einen Besuch Nelson Mandelas gekrönt.

1993 wurde das "Centre for Creative Education" in Kapstadt als Waldorflehrerseminar für Südafrika gegründet. Während der letzten acht Jahre ist es zu einer großenAusbildungsstätte gewachsen, die jährlich etwa 250 Lehrerinnen und Lehrer ausbildet. Eine vorläufige Anerkennung der südafrikanischen Regierung ist vorhanden; an der vollen Akkreditierung wird derzeit gearbeitet. Die Waldorfausbildung bietet auch spezielle Programme an, um Waldorfpädagogik in Siedlungsgebieten der schwarzen Bevölkerung aufzubauen.

Zur Zeit arbeiten neben mehreren kleineren Kindergärten zwei große Zentren, der von Mavis Mbaba 1985 begonnene Noluthando Kindergarten in Khayelitsha und der von Nombulelo Majezi 1989 gegründete Khululeka Kindergarten in Philippi. 1998 besuchte Nelson Mandela den Khululeka Kindergarten und das Ausbildungszentrum in Philippi. Die Arbeit dieser Kindergärten wird in zwei Grundschulen weitergeführt, in der Khayelitsha und in der kleinen Philippi Waldorfschule.

Im Jahr 2000 begann das "Centre for Creative Education" ein groß angelegtes Ausbildungsprojekt für Kindergärtnerinnen in den ländlichen Gegenden um Kapstadt und bildet etwa 130 Frauen der von Armut geplagten Townships auf Xhosa aus.

Waldorfkindergärten in Khayelitsha: Baphumelele und Nompumelelo

In Khayelitsha wurde der große Baphumelele Waldorfkindergarten von Rosalia Mashale 1985 und der Nompumelelo Waldorfkindergarten von Phumzana Duna 1987 gegründet. Der Baphumelele Kindergarten mit 265 Kindern hat zusätzlich eine Gruppe eröffnet, in der Kinder mit besonderen Bedürfnissen integriert werden.

Eine Schulbewegung entsteht

Die Waldorfschulen Südafrikas haben in den letzten zehn Jahren eine enorme Verbreitung erfahren. Da sie keine finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, müssen sie hart um ihr Überleben kämpfen. Ganz besonders gilt das für diejenigen Einrichtungen, die sich um die ärmsten Bevölkerungsschichten Südafrikas bemühen.

PETER VAN ALPHEN

Peter van Alphen
Studium zum Waldorflehrer am Emerson College. Seit 1993 Aufbau des Centre for Creative Education. Vorsitzender der Vereinigung der Waldorfschulen in Südafrika.