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Ein tolles Klima, zwei Fremdsprachen, keine Noten und individuelle Betreuung

(aus: Waldorfpädagogik weltweit, S. 54-55, Copyright-Hinweise beachten!)

Das Fürstentum Liechtenstein grenzt im Westen an die Schweiz, im Osten an Österreich. Die Geschichte der Waldorfpädagogik in Liechtenstein begann 1984 in Schaan, das im oberen Rheintal liegt. Im Februar 1984 wurde dort die "Vereinigung Liechtensteinische Waldorfschule" gegründet. Vorangetrieben hat diese Gründung Werner Büchel, der u. a. auch den Liechtensteiner Präsidenten Richard Schierscher für Waldorfpädagogik zu begeistern wusste. Im September 1984 war es dann so weit, der Verein bekam eine befristete Bewilligung zur Führung einer Schule nach der Pädagogik Rudolf Steiners. Der Unterricht begann 1985 mit acht Kindern. Neben der Waldorfschule entstand ein Waldorfkindergarten in Schaan und 1988 ein weiterer in Rankweil, aus dem seither ebenfalls viele Kinder an die Waldorfschule Schaan kommen.

Konflikte um die Schulstruktur

Nach einem raschen Wachstum der Schule traten 1991 die ersten großen zwischenmenschlichen Konflikte im Kollegium auf, die zu einer starken Polarisierung führten und dem Projekt Waldorfschule schadeten. Mehrere Kolleginnen und Kollegen sowie Eltern mit ihren Kindern verließen die Schule. Die finanziellen Schwierigkeiten, die dadurch auftraten, konnten nur überwunden werden, weil viele Spenderinnen und Spender ihre Treue zur Schule aufrechterhielten. Während die Schulstrukturen immer wieder diskutiert wurden, begann man trotz allem mit einem Neubau für neun Klassen, der 1992 fertiggestellt wurde. Ein 1995 gebildetes "Krisenmanagement" aus Eltern, Lehrern und Vorständen führte endlich zu einer Lösung der Konflikte und zu einer konstruktiven, von gegenseitiger Anerkennung getragenen Zusammenarbeit.

Schulabschlüsse und staatliche Subvention

1995 verließen die ersten Neuntklässler die Schule. Die Schüler aus der Schweiz und Liechtenstein haben damit einen anerkannten Pflichtschulabschluss und grundsätzlich gleichen Zugang zu weiterführenden Schulen wie Abgänger von öffentlichen Schulen. Alle Schüler der neunten Klasse absolvieren die österreichische Hauptschulabschlussprüfung, die den österreichischen Schülern Zugang zu allen weiterführenden Schulen ermöglicht.

Seit den Anfängen der Schule bemüht sich der Vorstand um eine solide Finanzierung der Schule. Dabei war es sein Bestreben, das Land Liechtenstein in die Finanzierung einzubinden. 1999 wurde dieses Bemühen von Erfolg gekrönt. Durch die Änderung der Privatschulgesetzgebung in Liechtenstein, zu deren Mitgestaltung die Waldorfschule von höchster Stelle eingeladen worden war, konnte die Waldorfschule Zuwendungen vom Land Liechtenstein erhalten. Bei diesen Zuwendungen handelt es sich um Beiträge pro Schüler. Die Liechtensteinische Waldorfschule in Schaan versteht sich als "Drei-Länder-Schule" und das wird durch die Beitragsregelung des Landes Liechtenstein noch unterstrichen, gibt es doch Beiträge für alle Schul- und Kindergartenkinder, ob Liechtensteiner oder nicht. Im Schuljahr 1999/ 2000 gab es 115 Kinder in der Schule, davon 58 Prozent aus Österreich, 25 Prozent aus Liechtenstein und 25 Prozent aus der Schweiz.

Meinungsumfrage

1999 führte die Waldorfschule Schaan eine Umfrage in Liechtenstein, Vorarlberg, Österreich, und der benachbarten Schweiz durch. Aus 200 Fragebögen ging hervor, dass 46 Prozent (Liechtenstein), 43 Prozent (Vorarlberg) bzw. 50 Prozent (Österreich) der Befragten die Waldorfschule Schaan kannten, vor allem durch die jährlichen Basare. Es wurde auch nach den Gründen gefragt, aus denen Eltern ihre Kinder an die Waldorfschule schicken. Verschiedene Gründe wurden genannt: ein tolles Klima, zwei Fremdsprachen ab der ersten Klasse, keine Noten, individuelle Betreuung der Kinder; das sind einige der Gründe. Als Argumente gegen eine Entscheidung für die Waldorfschule wurden angegeben: weiter Schulweg, zu hohes Schulgeld, Unsicherheiten beim Übertritt an die Staatsschulen.

Interkultureller Austausch im Klassenzimmer

Aus pädagogischer Sicht ist die "Drei-Länder-Schule" in Schaan eine große Chance, denn in einer Klasse stoßen verschiedene Kulturen und Staatszugehörigkeiten aufeinander. Bräuche, Gewohnheiten, Dialekte, Lieder, Ausflugsziele, Exkursionen, Währungen, Geschichten und Sagen, ja sogar die Rechtschreibung bekommt eine unglaubliche Vielfalt. Hier gilt es nämlich gleichzeitig Verschiedenes kennen zu lernen. Soziales Zusammenleben wird wohl in jeder Schule geübt, hier jedoch ist das Übungsfeld besonders groß. Dies gilt nicht nur für die Schülerinnen und Schüler der Schule, sondern ebenso für Lehrer und Eltern. Das Schulwesen dieser Region ist in gewisser Weise sowieso überregional. Durch die Waldorfschule Schaan ist es dies bis auf die Primarstufe hinunter. Grenzen sind notwendig für gewisse Belange, sie in manchen Bereichen (Erziehung, Pädagogik, Ausbildung usw.) zu überwinden, ist ebenso eine Aufgabe unserer Zeit. Dieser Aufgabe will die Schaaner Waldorfschule heute und in Zukunft nachkommen.

IRMGARD BURTSCHER
HERBERT LAUKAS

Irmgard Burtscher
Klassenlehrerin an der Waldorfschule Schaan.

Herbert Laukas
gibt Unterricht als Klassenlehrer, als Technologie- und Französischlehrer.