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Eine staatlich anerkannte Waldorfausbildung in Lateinamerika

1994 gründete Douglas Pundsack mit Freunden in Lima das Lehrerinstitut Schiller-Goethe, das eine fünfjährige Ausbildung zum Waldorfkindergärtner und Klassenlehrer anbietet. Der künstlerische und praktische Unterricht hat dabei einen hohen Stellenwert.

Besucht man Schulen in Peru, fühlt man sich um Dekaden zurückversetzt: Ein Absolvent der Oberschule kann lesen, schreiben, rechnen, hat anerzogenen Respekt vor der Obrigkeit (Marschieren im Stechschritt zum Unabhängigkeitstag steht im Lehrplan) und weiß viele Formeln, wenn er sie nicht gleich wieder vergessen hat. Anwendungen oder Transfer kennt er kaum. Kreativität, selbständiges Arbeiten oder künstlerischen Unterricht jeder Art hat er in seiner Laufbahn fast nicht erlebt – natürlich gibt es auch Ausnahmen, nicht zuletzt unter den Privatschulen, die aber fast nur reichen Kindern offen stehen.

In den Institutos Superiores Pedagogicos, vergleichbar einem College, wird der Student dann auf ähnliche Weise zum Lehrer ausgebildet...

Auch wir haben es schwer, bei den Studenten – die zunächst vom Dozenten vorgefertigte Lösungen erwarten – ein bewegliches Denken und Handeln anzuregen. Die ersten Jahre hindurch arbeitet der Unterricht vor allem auf dieses Ziel hin und vermittelt außerdem viel Allgemeinwissen. Erst danach beginnt die pädagogische Vorbereitung.

Ich gab einmal Physikunterricht. Die Studenten stöhnten: sie wüssten gar nichts davon und es würde sie auch nicht besonders interessieren. Dann machten wir Versuche mit den Komplementärfarben und sprachen über die Kleiderfarben und die bunten Tücher der Frauen in den Bergen. Sind die Farben so rötlich, um ein Gegengewicht zu den weiten, grünen Hängen der Anden zu schaffen? Da rief plötzlich eine Studentin: „Physik ist interessant. Das hat ja etwas mit mir zu tun!“.

Insgesamt vier Dozenten unterrichten hauptberuflich Muttersprache, Mathematik, Naturwissenschaften, Anthroposophie, Musik und traditionellen Tanz, Gastdozenten aus aller Welt geben andere Fächer wie Bothmergymnastik oder Eurythmie.

Nach der Waldorfausbildung können die Studenten ein staatlich anerkanntes Diplom erwerben, was für sie natürlich von großem Wert ist. Der „Preis“ für diese in Lateinamerika einzigartige staatliche Anerkennung sind Unmengen bürokratischer Hürden, um die Lizenz nicht zu verlieren – ein Problem, das durch PISA noch verschärft wurde.

Die Studenten kommen vorwiegend aus der ärmeren Bevölkerungsschicht. Manche studieren am Vormittag und arbeiten am Nachmittag bis in die Nacht hinein, um das Studium zu finanzieren. Diese Menschen verdienen größten Respekt.

Barbara Gmeindl