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Waldorfinitiativen inmitten der Anden

Viele Indios der peruanischen Anden sind mit dem Schulsystem sehr unzufrieden, weil es ihre Werte und vor allem ihre Sprache Kechua missachtet. Auf der südamerikanischen Waldorfkindergarten-Tagung in Lima lernte Barbara Gmeindl zwei Kindergärtner kennen, die in kleinen Andendörfern Waldorfpädagogik betreiben, und besuchte sie.

Ohne eine ortskundige Studentin als Begleitung wäre mein Unterfangen hoffnungslos gewesen. Nach fünfstündiger Busfahrt stiegen wir auf 4200m Höhe mitten in der Wildnis aus, folgten einem kleinen Fahrweg und kamen schließlich ins kleine Dorf Huancavelica: eine Kirche, ein kleiner Laden, einige Hütten. Zuerst etwas scheu, wurden die Menschen bald neugierig. Es sind Bauern, die in traditioneller Weise auf drei Höhenstufen Getreide und Gemüse anbauen bzw. ihre Tiere weiden lassen.

Abends aßen wir bei einer Familie Gemüsesuppe und schmackhafte Kartoffeln. Durch die Hütten pfeift der Wind, Baumstämme ersetzen Stühle, man kann sich dieses Leben kaum vorstellen.

Dann besuchten mich drei Jugendliche. Es dauerte eine Weile, bis sie mit ihrem Anliegen herauskamen: Sie wollten etwas von der weiten Welt hören! Sie kennen ja fast nur ihr Dorf und die nächste Stadt Colkabamba, sechs Stunden Fußmarsch entfernt. Als ich von Deutschland erzählte, sperrten sie die Ohren auf und fragten vieles nach: Wie der Alltag ist, wie die Bauern leben. Kein Grabstock, sondern ein Traktor? Am Ende wollten sie Englisch lernen, wie sagt man "Hola mi Amor"?

In diesem Gespräch wurden mir die Schattenseiten dieses Lebens sehr deutlich. Die Menschen sind kulturell unterernährt. Die drei saugten jedes Wort auf, das ich sprach. Wie ein Schwamm! Hautnah erlebte ich, was ein wissbegieriger Mensch ist.

Am nächsten Tag durfte ich dann in Julios Kindergarten Reigen, Sprüche, Lieder und ein kleines Puppenspiel miterleben. Alles kam vom Herzen heraus. Julio betreut 20 Kinder – viele haben eine Stunde Fußweg, und wehmütig erzählte er von einem Jungen, dem der zweistündige Weg zu anstrengend wurde...

Die drei Lehrer der Grundschule sind dagegen überhaupt nicht mit dem Herzen bei der Sache. Jeden Donnerstag verlassen sie das Dorf in Richtung Huancayo, oft ist sogar nur an drei Tagen Schule. Zudem sprechen sie nur spanisch, und viele Kinder verstehen sie gar nicht.

Leider konnte ich die anderen fünf Waldorf-Initiativen nicht mehr besuchen. Sie alle sind so abgelegen, daß man insgesamt mindestens zwei Wochen bräuchte. Für mich war schon diese Reise ein großartiges Erlebnis. Es ist wunderbar, in welchen Winkeln der Welt man die Waldorfpädagogik entdeckt.

Barbara Gmeindl