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Aus der Arbeit der Freunde der Erziehungskunst

Als dieser Arbeitsbericht entstehen sollte, kamen wir auf die sonderbaren Wege zu sprechen, auf denen die Waldorfpädagogik, aber auch die Freunde der Erziehungskunst, zuweilen entdeckt werden. Es scheint, dass das Schicksal (oder wie immer man die folgenreichen Fügungen bezeichnen will) oft merkwürdige und auch einfallsreiche Mittel nutzt, um jemanden auf die Möglichkeiten hinzuweisen, aus denen dann Initiativen werden.

Wege des Schicksals

Als wir vor vielen Jahren einen Brief aus Sierra Leone erhielten, wussten wir noch nicht, wie die Absender – zwei Sozialarbeiter – zunächst beschlossen hatten, im Bürogebäude der United Nations in Freetown nach Adressen von Stiftungen zu suchen, um die von ihnen geplante Schule finanzieren zu können. In der UN-Bibliothek fanden sie ... die Adresse der Freunde der Erziehungskunst! Ihrem Brief entnahmen wir, dass sie von Waldorfpädagogik nichts wussten, jedoch ein ernsthaftes Anliegen hatten.

Und so schickten wir unseren Katalog „Waldorfpädagogik“ auf die Reise. Das hatten wir bei ähnlichen Anlässen schon mehrfach gemacht, ohne wieder etwas zu hören. Diesmal aber entstand eine Korrespondenz zunächst mit Bob Stevens, der leider, noch bevor die Schule richtig anfing, an Krebs starb. Sein Freund Shannoh Kandoh führte den Kontakt mit uns weiter, wir ermöglichten ihm eine Waldorf-Ausbildung – und den Rest kennen Sie aus den Rundbriefen, in denen wir über die Waldorfinitiative in Freetown und unseren Besuch dort berichteten.

In gewisser Weise arbeiten wir ohne stringente Strategien, was ja heute etwas „altmodisch“ und ungewöhnlich ist. Doch die merkwürdigen Wege des Lebens erweisen sich für uns immer wieder als viel wirklicher als alle ausgedachten Strategien – und nur was Wirklichkeitsgehalt hat, ist nachhaltig. Im vergangenen Jahr haben uns mehrere Erbschaften und größere Schenkungen erreicht, die ebenfalls „fügungsreich“ zustande kamen und die wir jetzt mit aller Sorgfalt behandeln. So können auch wir dank solcher Fügungen ganz unterschiedlichen Menschen und Einrichtungen helfen.

Freiwilligendienste

2006 vergrößerte sich insbesondere der „Arbeitsbereich Freiwilligendienste“ in Karlsruhe, der inzwischen bereits 20 Mitarbeiter (14 volle Stellen) hat. Die Nachfrage ist nach wie vor wachsend, und dazu wird sicherlich auch ein neuer, vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) geplanter Dienst beitragen, der vor allem jungen Frauen offen stehen soll. Die zahlreichen über uns entsandten Freiwilligen sind den heilpädagogischen und anderen Einrichtungen im Ausland eine große Hilfe. Dass der Freiwilligendienst nicht immer einfach ist, ist uns bekannt, doch jeder Freiwillige kommt mit wesentlichen Erfahrungen zurück.

BMZ-Zusammenarbeit und andere Investitionen

In unserer Projektzusammenarbeit mit dem BMZ können wir mittlerweile auf eine fast zwanzigjährige Erfahrung zurückschauen und sind für die Möglichkeiten der Ko-Finanzierung sehr dankbar. Solche Großprojekte sind durch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter möglich, die sie vom Antrag bis zur Endabrechnung begleiten. Jürgen Bartzsch betreute den Bau eines Klassentraktes für die Mbagathi Schule in Nairobi und arbeitet jetzt für eine Kindertagesstätte im Landesinneren von Brasilien. Friedwart Fahlbusch, unser „ältester“ ehrenamtlicher Mitarbeiter, beendet gerade die Abrechnung für den Bau der heilpädagogischen Michaelschule in Tiflis und konzipiert bereits einen neuen großen Antrag für die geplante Schule in der Favela Horizonte Azul (Saõ Paulo). Werner Ricke begleitet Bauprojekte der Dassenberg Waldorfschule und der Zenzeleni Waldorfschule in der Khayelitsha Township (Südafrika). Gerd Krüger hat kurz vor Jahresende einen Antrag für die heilpädagogische Einrichtung in Simeria (Rumänien) fertiggestellt, der glücklicherweise noch genehmigt wurde - sicherlich als letztes BMZ-finanziertes Rumänienprojekt eines privaten Trägers, da seit Rumäniens EU-Beitritt keine Projekte mehr möglich sind. Hans Klemenc wird das Bauprojekt einer heilpädagogischen Schule in Beirut übernehmen. Die Lage in Beirut ist kompliziert, Baumaterial teuer, Arbeiten sind schwierig zu planen, und so lassen wir uns auf ein echtes Abenteuer ein. Rolf Langhammer kümmert sich derzeit um die Abwicklung eines von der Software AG Stiftung finanzierten Projektes, ein Handwerksgebäude für die Waldorfschule in Odessa.

Diesen ganzen Strauss können wir nur durch die arbeitsintensive Tätigkeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter binden – und ihnen möchten wir auch an dieser Stelle herzlichen danken!

Anfragen auf Unterstützung für Bauprojekte haben in den letzten Jahren insgesamt zugenommen. Hilfe gelingt uns hier vor allem durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Stiftungen. Im April wird der Neubau der Waldorfschule Bangkok fertig, zu dem wir im Rahmen dieser Zusammenarbeit wesentlich beitrugen. Ähnliches gilt für den Kindergartenbau im rumänischen Timisoara und für den Umbau bzw. die Erweiterung der Waldorfschulen in Smolensk (Russland), Ust-Kamenogorsk (Kasachstan) und Tiflis (Georgien). Für die Waldorfschulen in Krivoj Rog (Ukraine) und Harduf (Israel) sind wir gerade tätig.

Immer wenn solche Bauten fertig werden, ist es eine große Freude, sie von den Kindern und Jugendlichen belebt zu sehen!

Neuer Arbeitsbereich Notfallpädagogik

Als neuer Arbeitsbereich ist 2006 die „Notfallpädagogik“ mit einem Einsatz im Libanon hinzugekommen, über den Barbara Schiller u.a. in der „Erziehungskunst“ berichtete. Schon in diesem Jahr wird sich ein zweiter Einsatz im Libanon anschließen, voraussichtlich in Zusammenarbeit mit der UNESCO. Es hat sich hier ein neues Arbeitsgebiet eröffnet, in dem Waldorfpädagogik unmittelbar für Kinder fruchtbar werden kann, die unter der Zerstörungswut der Erwachsenen ja immer am meisten zu leiden haben.

Wir sind sehr dankbar für Ihr Interesse an all dieser Arbeit – und für Ihre Mithilfe und Unterstützung!

Nana Göbel