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Schwere Schicksale und glückliche Kinder in Dar es Salaam

Die Morgenklingel läutet einen neuen Schultag ein. 190 Kinder laufen aus jeder Ecke des Schulhofs herbei. Im Durcheinander leuchten Kleider in allen Farben des Regenbogens und man sieht in komplizierten Mustern geflochtene oder geknotete Haare. Aufgeregt schwatzend gehen die Kinder hinein, und vor den Klassenzimmern begrüßen sie ihre Lehrer mit Handschlag.

Die Hekima Waldorfschule wurde 1997 durch zwei Geschäftsleute und ihren Frauen gegründet, die enttäuscht waren vom Mangel an Initiative und Selbstvertrauen junger Absolventen, die sich bei ihnen bewarben. Der Waldorfpädagogik begegneten sie zuerst durch einige junge Freiwillige aus England, die genau jene Qualitäten bewiesen, welche sie vermißt hatten.

Nachdem jene zwei Paare auf Reisen in die Niederlande Waldorfschulen aus erster Hand erlebt hatten, nahmen sie an einer Waldorfkonferenz in Südafrika teil. Dort überzeugten sie eine Kindergärtnerin, für ein Jahr nach Tansania zu kommen, den ersten Waldorfkindergarten zu eröffnen und Nachfolgerinnen auszubilden. 1999 gewannen sie die Waldorflehrerin Irmgard Wutte, die auf gleiche Weise die erste Klasse begann und danach wieder nach Nairobi zurückkehrte, wo sie mit ihrem Mann die Mbagathi Waldorfschule gegründet hatte.

In den folgenden Jahren durchlebte die junge Hekima Waldorfschule friedliche Höhen – und Tiefen, wo alles schief zu laufen schien und die Zahl der Schüler dramatisch sank. Seit 2003 ist eine gute Stabilität erreicht, und die Schülerzahlen wachsen stetig. Jetzt steht der dritte Umzug bevor, doch diesmal konnte die Schule durch ein großes Darlehen der Freunde der Erziehungskunst Land kaufen und fängt nun an, ihr eigenes Heim zu bauen. Wenn alles gut geht, könnte in einem Jahr auch die Oberstufe mit Klasse 8 beginnen.

Der Erfolg einer Waldorfschule hängt sehr von den Qualitäten des Kollegiums ab. Hier halfen vor allem die Eisele-Stiftung und die Freunde der Erziehungskunst bei der Teilnahme an den zweiwöchigen Kursmodulen in Nairobi. Fünf Lehrer haben bereits alle 10 Module absolviert. Zwei Lehrer konnten die neuen Erfahrungen sogar durch mehrwöchige Aufenthalte an erfahrenen Waldorfschulen in Südafrika bzw. England vertiefen. Diese Besuche sind teuer, aber für die ganze Schule von enormem Wert.

Die Lehrer sind hoch motiviert, seit drei Jahren hat niemand die Schule verlassen. Dieser Enthusiasmus brachte paradoxerweise ein neues Problem mit sich. Bisher hatte die Schule Gehälter nach staatlichen Richtsätzen gezahlt. Diese sind so niedrig, daß die meisten Lehrer in Tansania zwei Stellen haben oder zusätzlich Nachhilfe geben. Die Hekima-Lehrer jedoch, deren Verständnis der Waldorfpädagogik und Motivation immer mehr zunahm, hatten für einen Zweitjob keine Zeit mehr. Unter großen Opfern und Risiken wurden die Löhne angehoben.

Die glücklichen und selbstbewußten Kinder zu sehen, ist eine wahre Freude – erst recht, wenn man Tansania kennt. Neue Eltern werden immer gefragt, warum sie die Schule wechseln möchten. Fast alle erzählen, wie sie die Hekima Kinder spielen gesehen und den Unterschied zu ihren eigenen Kindern erlebt haben. An anderen Schulen müssen die Kinder fertige Antworten auf fertige Fragen reproduzieren, und Fehler werden oft mit Erniedrigung oder körperlicher Bestrafung "belohnt". Manchmal dauert es einige Wochen, bis Kinder, die zu Hekima kamen, sich entspannen und sicher zu fühlen beginnen.

Leider ist der Betrieb einer Schule teuer. Der Staat gibt kein Geld, und auf der anderen Seite hat die Mehrheit der Menschen in Dar es Salaam keine reguläre Arbeit – und selbst wenn, verdienen die meisten kaum mehr als einen Dollar am Tag. So ist Hekima in mancher Hinsicht leider eine elitäre Schule. Doch viele Eltern wünschen sich, daß Kinder aus allen Gesellschaftsschichten die Schule besuchten.

Von Anfang an gab es den Versuch, Patenschaften von außerhalb zu gewinnen. Derzeit haben wir rund 35 benachteiligte Kinder an der Schule, darunter einige Waisenkinder. Viele Eltern starben an Aids, und oft gibt es Witwen, die für fünf oder sechs Kinder sorgen: eigene und die des ebenfalls verstorbenen Schwagers.

Ein sechsjähriges Mädchen, das wir unbedingt aufnehmen möchten, wurde völlig unterernährt beim Betteln auf der Straße gefunden. Es stellte sich heraus, daß ihr Vater die Mutter totgeschlagen hatte und dann selbst im Gefängnis gestorben war. Das Mädchen kam zum Großvater, dessen Frau es zum Betteln schickte und schlug, wenn es nicht täglich ein Pfund Maismehl wiederbrachte. Inzwischen hat der Großvater das Sorgerecht an jene Frau abgetreten, die das Kind fand.

Auf jedes Waisenkind in Hekima kommen Hunderte andere, die wir nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus Platzgründen nicht aufnehmen können... Leider, denn Hekima ist eine glückliche Schule. Die Kinder lieben sie mehr als Wochenenden und Ferien. Und wenn sie draußen spielen oder zusammen an einem Projekt arbeiten, ist es völlig unmöglich, die benachteiligten und die wohlhabenden Kinder zu unterscheiden...

Der neue Ort der Schule in Goba, ca. 20 km vom Zentrum Dar es Salaams, bietet viele Entwicklungsperspektiven für die weitere Zukunft – genügend Platz für eine Oberstufe, für Gartenbau und Viehhaltung. Doch der neue Schritt ist eine große Herausforderung, und die Schule zählt auf die Hilfe und die Unterstützung aller Freunde.

Peta Spierings (übersetzt hn)