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Imhoff - die Schule, in der sich drei Kulturen treffen

Eine halbe Autostunde von der Imhoff Waldorfschule entfernt liegt das Ende des windgeschüttelten Kaps. Wenn man am Leuchtturm steht, blickt man hinaus auf den Ort, wo sich zwei Ozeane begegnen. In der Imhoff Schule begegnen sich die Wellen dreier Kulturen.

Eine fünfminütige Taxifahrt bringt Xhosa-sprechende Kinder und zwei aus Simbabwe und Malawi stammende Schüler zu uns. Sie alle kommen aus der Township Masiphumelele, wo illegale Stromkabel über der Straße hängen, Hunde im Staub des Straßenrands dösen und immer wieder einmal Feuer Hütten zerstören und Menschenleben fordern.

Noch näher liegt die Siedlung Ocean View, wo Afrikaans-sprechende Menschen verschiedener Abstammung leben. Letztes Jahr gab es hier direkt am Abzweig zu unserer Schule Demonstrationen und brennende Autoreifen – eine verzweifelte Forderung nach neuem Wohnraum. Viele leben in schlecht zusammengezimmerten Hütten auf dem Hinterhof von jemand anderem. Viele haben keinerlei Arbeit, Drogen und Alkohol verkaufen sich bestens...

Weiter entfernt, verstreut zwischen den Bergen und Buchten, liegen Dörfer und Städte wie Scarborough und Kommetjie. Jeder Surfer kennt die Wellen, die dort anrollen. Von hier kommen die meisten unserer weißen Schüler.

In der Elternschaft gibt es den starken Wunsch, mehr Kinder aus Masiphumelele und Ocean View aufzunehmen. Doch wir bekommen keinerlei staatliche Unterstützung und viele Eltern bringen schon große Opfer, um für ihr eigenes Kind das Schulgeld zu bezahlen. Sie finden andere Wege des Schenkens.

Seit kurzem gehen einige Eltern jede Woche an einem Morgen nach Masiphumelele und bieten kostenlose Behandlungen an: Physiotherapie, Homöopathie und anderes. Wir haben auch ein "Freundschaftsnetz" eingerichtet, in dem Eltern sich um eine Patenfamilie aus der Klasse ihres Kindes kümmern: Zum Besuch der Elternabende ermuntern, bei Hausaufgaben helfen und so weiter.

Doch es wäre noch so viel zu tun, um auch den benachteiligten Kindern aus den Townships das Beste geben zu können. Zweisprachige Klassenhelfer könnten ihnen helfen, in der Muttersprache zu lernen – was für ihr Selbstvertrauen zunächst elementar wichtig ist – und ihr Englisch langsam zu verbessern. Wir möchten auch eine medizinische Hilfe und weitere individuelle Förderung aufbauen und einen Waldorfkindergarten in Masiphumelele selbst gründen – doch all dies ist nur mit Hilfe von Spenden möglich.

Viele Kinder aus der Township sind extrem einseitig ernährt, manche sehr oft krank... Oder nehmen wir Sibulele: Ein lebendiger, cleverer Junge von fünf Jahren. Sein erster englischer Satz war "Scuzi funny taybull" (Excuse me from the table). Bisher sind viele seiner Handlungen destruktiv. Sonderpädagogen könnten helfen, Wege zu finden, wie er seine Energie kontrollieren kann – aber weder die Eltern noch die Schule haben das nötige Geld.

Das ist nur ein kleiner Blick auf unsere Schule, unsere Herausforderungen und Träume – auf das, was wir gern tun würden, um unsere Schule nicht nur zu einem Ort zu machen, wo sich drei Kulturen treffen, sondern wo alle gemeinsam wachsen und gedeihen können.

Yvette Worrall (übersetzt hn)

Bekenntnisse einer Kindergärtnerin im ersten Jahr

Was für ein Schock für mich und meine Vorstellungen! Nach meinem ersten Tag als Kindergärtnerin hier in Imhoff fühlte ich mich, als hätte ein Bus mich überfahren, dann gewendet und wäre nochmal zurückgekommen... Jeder Muskel tat weh und ich fühlte mich körperlich und seelisch völlig ausgesaugt. Alles wonach ich mich sehnte, war ein stiller, dunkler Raum, um zusammenzubrechen und meinen Kopf auszuruhen.

Nun ist ein halbes Jahr vorbei, und ich merke, daß ich durchaus etwas Stehvermögen entwickelt habe – obwohl ich noch immer mindestens eine Stunde Schlaf brauche, sobald ich zuhause bin!

Ich habe bisher viele verschiedene Jobs gehabt: im Fünf-Sterne-Hotel, bei einem Architekten, einer internationalen Software-Firma, als Küchenhilfe, Farmarbeiterin oder Sicherheitsdienst. Und ich kann ehrlich sagen: Kindergärtnerin ist der härteste Job, den ich je hatte! Es stellt einen physisch, emotional, geistig und intellektuell auf echte Proben. Ich fordere jeden heraus, der glaubt, ein Kindergarten sei nur eine simple Frage der "Betreuung".

Viereinhalb Stunden sind meine persönlichen Bedürfnisse und normalen Körperfunktionen gleichsam im Stillstand, während meine ganze Aufmerksamkeit und Lebenskraft meinen zwölf Schützlingen gewidmet ist. Für diese viereinhalb Stunden werde ich Ersatzmutter, Ärztin, Vermittlerin, Kindermädchen, Hausfrau, Rettungsdienst, Dekorateurin, Friedens- und Versöhnungsrichter und professionelle Nasenputzerin und Tränenwischerin (ach ja, und nicht vergessen: Verteilerin von Küssen und Umarmungen!).

Kreativität und Phantasie sind die Mittel, mit denen wir Kindergärtnerinnen arbeiten, um die magische Atmosphäre in unseren Räumen zu schaffen. Eine therapeutische Geschichte oder ein Lied sind wie homöopathische Medizin für jede noch so schwierige Situation. Und trotz aller Anstrengung – die Kinder sind der Grund, warum dies eine der lohnendsten Tätigkeiten ist, die es gibt. Ich bin ihren Eltern dankbar, daß sie sie in meine Obhut geben.

Die Kinder überraschen mich fortwährend, sie erscheinen mir immer wieder schon so weit und riesengroß. Nur wenn ich sie neben ihren Eltern oder Geschwistern stehen sehe, merke ich, wie klein sie noch sind...

Nicole Sparks (übersetzt hn)