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BMZ-Projekte: Neues Kindergartengebäude für Dassenberg

Vor einem Jahr erwähnten wir im Rundbrief unsere Anträge auf zwei BMZ-kofinanzierte Projekte für die Waldorfschulen Dassenberg und Zenzeleni (Kapstadt/Khayelithsa). Diese wurden bewilligt und unser ehrenamtlicher Mitarbeiter Werner Ricke kann über ihren erfolgreichen Verlauf berichten:

Dassenberg liegt ca. 50 km nördlich von Kapstadt nahe des großen Townships Witsands und der Städte Atlantis und Mamre in ländlicher Umgebung. 1998 wurde die Waldorfschule gegründet und konnte Weihnachten 2005 mit einem großen Fest das Ende ihres ersten Sieben-Jahres-Zyklus begehen – in Südafrika die Zeit der Primary School.

Die Waldorfschule Dassenberg fühlt sich der Vision eines neuen Südafrika stark verpflichtet: einer multikulturellen Gemeinschaft der unterschiedlichen Ethnien. Daher verbindet sich mit der Freude über den erreichten Meilenstein auch die Trauer, dass sich nach den gemeinsamen sieben Jahren die Wege der Schüler nun wieder eher nach Ethnien trennen werden. Die wenigen Waldorfschulen mit Oberstufe in der Region Kapstadt sind für viele nicht erreichbar (Transport, hohes Schulgeld), die staatlichen Schulen aber werden in der Regel noch immer nach Ethnien getrennt besucht.

Der Aufbau einer eigenen Oberstufe bleibt eine Aufgabe für die Zukunft, tatkräftig unterstützen können wir die Waldorfschule Dassenberg jetzt aber im Kindergartenbereich. 2005 hatten wir an das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) einen Antrag für die Ko-Finanzierung eines neuen Kindergartens für zwei Gruppen gestellt, ein Projekt im Umfang von ca. 70.000 Euro. Davon trägt 75% das BMZ, 10% tragen die Freunde der Erziehungskunst bei, die restlichen 15% die Waldorfschule Dassenberg selbst.

Ursprünglich war es das Ziel gewesen, das neue Gebäude im Frühjahr 2006 fertig zu haben, doch die Genehmigung unseres Antrags zog sich über viele Wochen hin. Das Projekt stand auf der Kippe. Erst im Dezember 2005 wurde es dann doch noch kurz vor Ende des Haushaltsjahres bewilligt. Nun begann eine hektische Vorbereitungsphase für die Bauarbeiten. Im Frühjahr war es dann endlich soweit: Der Bau war nicht fertig, sondern die Bauarbeiten begannen. Inzwischen sind sie weit gediehen, und Ende des Jahres soll der neue Kindergarten fertig sein – rechtzeitig für den Beginn des neuen Schuljahres.

Durch das neue Gebäude kann die Zahl der betreuten Kinder deutlich erhöht werden. Ohne diese Maßnahme hätte die Zahl der Kinder vielleicht sogar reduziert werden müssen, da bisherige Räumlichkeiten künftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Mit dem neuen Kindergarten sind nun Räume da, in denen die Kinder unter guten Bedingungen betreut werden können und deren kindgerechte Gestaltung auf alle Bevölkerungsgruppen anziehend wirkt. Die Betreuung im Kindergarten fördert die soziale Eingliederung gerade benachteiligter Kinder, und das Erlernen der englischen Sprache verbessert die Chance auf eine gute Schulbildung enorm.

Dabei führen die vielen Sprachgruppen in Südafrika zu einer ausgesprochen schwierigen Situation: Die Kinder haben keine gemeinsame Muttersprache, sehr viele sprechen zunächst kein Englisch. Der Erfolg der Arbeit im Kindergarten hängt also davon ab, dass es genügend ausgebildete Erzieherinnen gibt, die mehrere afrikanische Sprachen beherrschen und die Kinder langsam ans Englische heranführen können! Deshalb gehört zum Projekt "Kindergartenbau" auch die berufsbegleitende Ausbildung einer weiteren Erzieherin am Centre for Creative Education in Kapstadt.

Die Waldorfschule Dassenberg steht nach sieben Jahren an der Schwelle einer weiteren Entwicklungsphase. Wir werden sie auch künftig unterstützend begleiten.

... und Klassenräume für Zenzeleni

Kurz vor Drucklegung des Rundbriefs erreichte uns auch die endgültige Genehmigung unseres Antrags auf weitere Klassenräume für die Zenzeleni Waldorfschule (Township Khayelitsha, Kapstadt). Auch hier drängt die Zeit: Das neue Schuljahr beginnt im Januar. Dieses Projekt hat ebenfalls einen Umfang von ca. 70.000 Euro.

Auch Zenzeleni hat jetzt den ersten Sieben-Jahres-Zyklus beendet und die ersten Abgänger in die umliegenden weiterführenden Schulen entlassen. Nur weil die Schülerzahlen der ersten Jahre noch relativ niedrig waren, konnte der Unterricht einiger Klassen die ganzen Jahre in eher behelfsmäßigen Räumen stattfinden. Der Zustrom neuer Schüler stieg aber von Jahr zu Jahr, und für die neue erste Klasse gab es schon im Sommer mehr Anmeldungen als Plätze. Und diese Schüler brauchen geeignete Klassenräume.

In dem großen Interesse an der Waldorfschule spiegelt sich ihr erfolgreiches Wirken in der Township. Die Zenzeleni Schule hat einen großen Querschnitt der Bevölkerung angesprochen, Einwohner aus der Squattersiedlung wie aus den regulären Siedlungen, Eltern mit und ohne Arbeit, AIDS-Waisen, Schüler, die leicht lernen und solche, die mehr Schwierigkeiten haben.

Die Waldorfschule hat gezeigt, dass es auch in einer Township möglich ist, eine Umgebung zu schaffen, in der Kinder motiviert und erfolgreich lernen. Und sie ist längst ein Ort geworden, den auch Lehrer und Schulleiter öffentlicher Schulen und sogar offizielle Verantwortliche besuchen, um die Methoden der Waldorfpädagogik kennenzulernen und Anregungen für ihre eigene Arbeit zu gewinnen.

Mit großer Freude hören die Lehrer der Zenzeleni Schule, daß dieselben Schulleiter, die so gute Erfahrungen bei ihren Besuchen gemacht haben, ebenso positive Rückmeldungen geben, was die jungen Schulwechsler angeht, die von der Waldorfschule kamen...

Werner Ricke