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Windhoek: Sechs Sprachen auf dem Schulhof

Die Waldorfschule Windhoek liegt am Stadtrand auf einem herrlichen ehemaligen Farmgelände. 153 Schüler aus den verschiedenen Kulturen Namibias kommen hier von weither zusammen – manche Kinder von Farmarbeitern wohnen über 200 km entfernt.

Noch im August freuten sich die Schüler morgens an glitzernden Eisschichten auf unseren grünen Wellblechdächern. Doch jetzt ist Winter, und das bedeutet in Windhoek: von Mai bis Oktober keinen Tropfen Regen, kalte Nächte bis unter Null Grad, bis mittags eiskalte Klassenzimmer, und kleine Windhosen, die den trockenen, glitzernden Erdstaub durch jede Tür und Fensterspalte wirbeln.

Bäume und Dornbüsche stehen schwarz und kahl im strohgelben Steppengras. Bisweilen klettern hungrige Paviane, etwa während der Monatsfeier, durchs vergessene Fenster, um sich an dem kostbaren Obst mancher Kinder zu laben.

Um 7.15 h versammeln sich alle Schüler und Lehrer zum Morgenkreis für die Primary- bzw. die High-School-Klassen und beginnen den Schultag gemeinsam mit Liedern, Versen, Trommeln. Gibt es ein Geburtstagskind, so singen wir ihm ein Lied in der gewünschten Sprache. Der danach beginnende Hauptunterricht ist in den unteren Klassen in Deutsch, in den Klassen 7-10 in Englisch. Während der Pausen hören wir unter Kindern und Kollegen alle Sprachen: Oshivambo, Otjiherero, die Klicklaute der Nama- und Damarakinder oder auch Englisch, Afrikaans und Deutsch.

Die Sprachen bilden das Fundament einer erst nach der Unabhängigkeit Namibias (1990) entstandenen, noch immer jungen Bewegung hin zur Völkerverbindung. Sie verlangt noch immer Mut, Feingefühl und Ausdauer. Durch Sprachen und Gebräuche hat man sich hier in der Vergangenheit immer voneinander abgegrenzt, seine Eigenheit und Stärke gegeneinander behauptet.

Viele unserer Kinder kommen aus dem Township Katutura, wo ihr Zuhause oft eine Hütte aus Blech und Pappe ist. Jeder dort arbeitet schwer und doch für einen Hungerlohn, kämpft um das tägliche Brot für seine Familie. Arbeitet eine Mutter als Verkäuferin im Supermarkt, verdient sie nicht viel mehr als das monatliche Taxigeld für zwei ihrer Kinder. Und so bitten uns die Eltern, dass wir ihre Kinder die Woche über in unserem Heim unterbringen. Leider ist unser Schülerheim mit 21 Kindern bereits überfüllt und kann bei weitem den Bedarf nicht decken.

Nicht nur das Erziehungsministerium schaut heute mit Interesse auf unser integratives Konzept, ein Miteinander der namibischen Kulturen. Doch trotz aller Anerkennung erhalten wir keinerlei finanzielle Unterstützung und sind auf Spenden und Patenschaften angewiesen.

Thekla Tchukwe