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Verwahrloste Kinder lernen für ein Leben in Würde

Die von der Waldorflehrerin Edith de Vos gegründete Baobab Children Foundation holt in Ghana Kinder von der Strasse. In der "Baobab School for Trades and Traditional Arts" in Kissi bekommen sie eine Chance für ein Leben in Würde.

"Time for change!" ruft Josef, unser "Bell-Boy", und schwenkt die Glocke. Ein neues Fach beginnt. Unsere 42 Schüler lernen jeden Morgen in drei Gruppen Fante (die Muttersprache), Englisch und Mathematik. Davor haben sie schon eine Stunde getrommelt und getanzt, auf der Bio-Farm gearbeitet oder bei Anita Formen gezeichnet. Anita ist eine Freiburger Waldorflehrerin im Freijahr. Das Formenzeichnen hilft gerade unseren "ungeformten" Kindern, "anzukommen" und konzentrierter in den folgenden Unterricht zu gehen.

Anita wohnt in unserem Zentrum ohne Licht und fließendes Wasser und betreut auch unsere Hostel-Kinder. Hier in Ghana muß man sehr flexibel sein. Der Alltag fordert viel Einsatz, gerade in der Regenzeit: Es hat geregnet, also müssen die Setzlinge verpflanzt werden. Die Strasse versinkt im Matsch und muss dringend mit Schotter gefüllt werden – alle Schüler helfen.

Die praktischen und künstlerischen Fächer stehen im Mittelpunkt. Wir bilden unsere Schüler in verschiedenen Künsten und Handwerken aus. Ein Schreiner, der seine Möbel schön gestaltet, sie beschnitzt und auch Rattan- und Bambusmöbel herstellen kann, wird später von seiner Arbeit leben können...

Da wir es mit verwahrlosten Jugendlichen zu tun haben, geht es immer wieder um Grundbedürfnisse: ein Dach über dem Kopf, medizinische Versorgung und Essen. Wir müssen Gespräche mit Versorgern führen, Konflikte lösen, Wunden behandeln, manchen Schüler erneut von der Straße zurückholen... Es ist ein täglicher Kampf um das Einhalten von Regeln und Integration in die Gruppe. Und wir machen viel Aufklärung: Teenager-Schwangerschaft, HIV/Aids, gesunde Ernährung, Umweltbewusstsein.

Die Praxis ist der beste Lehrer: Die Schüler bauen ihr eigenes Gemüse biologisch an. Einige Schüler, darunter auch fünf Mädchen, lernen im Augenblick Schreinern, indem sie unsere Küche und unser Mädchenheim mitbauen. Andere haben in unserer Fahrradwerkstatt im Auftrag von UNICEF 100 Fahrräder für Schulmädchen zusammengeschraubt. Im Batiken werden inzwischen schon qualitativ hochwertige Stoffe gefärbt, die dann auf alten Tretmaschinen aus Deutschland zu Taschen und Tischdecken verarbeitet werden – und so weiter.

Und wenn ich diese jungen Menschen dann beim Malen oder Kente-Weben völlig versunken mit einem Lächeln auf dem Gesicht arbeiten sehe, dann denke ich wieder: der Einsatz lohnt sich!

Edith de Vos