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Waldorfpläne in Äthiopien

Hawzien ist ein Ort im Norden Äthiopiens, ursprünglich ein altes Handelszentrum mit 3000-jähriger Geschichte. Heute ist die Umgebung wie ganz Äthiopien rein ländlich. Fast alle Menschen sind sehr arm, viele Kinder leben auf der Straße. Nun eröffnet in Hawzien ein Kindergarten, der die Waldorfpädagogik aufgreifen will.

Manche Ruine in Hawzien zeugt noch heute von dem Tag im Jahr 1988, als Diktator Mengistu hier Rebellen strafen wollte und 2500 Menschen unter den Napalmbomben starben. Zehn Jahre später brachte der Krieg mit Eritrea weitere Leiden und Flüchtlinge.

Atsbaha Gebre-Selassie verließ seinen Geburtsort Hawzien bereits in den 70er Jahren und floh vor der kommunistischen Herrschaft bis nach Deutschland. In Witzenhausen/Göttingen studierte er biologische Landwirtschaft und begegnete später auch der Waldorfpädagogik. Seit zwei Jahren arbeitet er wieder in Addis Abeba – im Auftrag von Misereor.

Um den Kindern und auch den Erwachsenen seiner Heimat eine erste Zukunftsperspektive zu geben, faßte Atsbaha den Plan, in Hawzien einen Kindergarten zu gründen. 2002 entstand der Selbsthilfeverein "Phoenix" mit über 30 anderen Menschen aus Hawzien, Wukro, Mekele und Addis Abeba.

Der Bürgermeister stellte drei Hektar mit der Auflage zur Verfügung, zuerst als sichtbares "soziales Symbol" Gebäude zu errichten. Dafür brachten Schülerinnen eines Bonner Mädchen-Gymnasiums in einem Sponsorenlauf 20.000 Euro zusammen! Weitere Spenden organisierte das sehr mit Äthiopien verbundene Ehepaar Roenpage, das Atsbaha auf einer Reise kennengelernt hatte.

Als die Baugenehmigung erteilt war, entstand der Kindergarten in reiner Handarbeit. Täglich klopften Handwerker Natursteine zurecht – zwei Quader pro Mann und Tag. Mit Spitzhacke und Schaufel wurden die Fundamente ausgehoben und Stein auf Stein sauber gesetzt. Im September wird der Kindergarten "Hiwotay Merebet" ("behütetes Zuhause") nun feierlich eröffnen – zunächst mit zwei Gruppen. Die zwei staatlich ausgebildeten Erzieherinnen sollen nach und nach die Waldorfpädagogik kennenlernen. 

Frau Roenpage, ehemalige Waldorflehrerin, vermittelte bereits den Kontakt zu einer Dozentin der Freien Hochschule in Mannheim, die Kurse in Hawzien geben könnte, wenn die Reisekosten gedeckt wären.

Das ganze Selbsthilfe-Projekt will später auch eine kleine Landwirtschaft und mehr aufbauen. Während der Kindergarten entstand, waren die Menschen ganz euphorisch, daß hier ein Gebäude, etwas Neues, entsteht, das wirklich für sie sein soll. Ob alle Pläne schnell wahr werden, ist noch offen, doch ein äthiopisches Sprichwort sagt: "Verlache den kleinen Kern nicht, eines Tages wird er ein Palmbaum sein."

Dorothea Roenpage