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Der Weg der Waldorfinitiative in Maribor

Das Interesse für die Waldorfpädagogik wurde in Slowenien vor zwanzig Jahren geweckt, als auf einem IDRIART-Festival die ersten Vorträge stattfanden. Während die Studentin Branka Strmole nach England ging, um Waldorfpädagogik zu studieren, arbeiteten andere Pioniere auf den ersten Waldorfkindergarten hin, der 1989 in Ljubljana eröffnete.

Nach ihrer Rückkehr koordinierte Branka Strmole die verschiedenen Initiativgruppen, und 1992 begann die erste Waldorfschule ihre Arbeit.

Schon ein Jahr zuvor hatte in Zagreb eine Ausbildung für kroatische Lehrer begonnen, der sich einige Slowenen anschlossen. Unter ihnen waren auch zwei Lehrerinnen der gerade entstandenen zweiten Waldorfinitiative in Maribor (100 km entfernt von Ljubljana im Nordosten Sloweniens). 1993 begann auch hier eine Waldorfgruppe "Feen und Zwerge" im Rahmen eines staatlichen Kindergartens.

Immer stärker wurde das Bedürfnis nach einer Ausbildung für Waldorflehrer vor Ort. Mit Hilfe von Volker Mastalier aus Graz konnte dann in den Jahren 1995-98 tatsächlich der erste Kurs stattfinden.

Bis zur Gründung einer Schule waren aber noch unzählige Formalitäten zu überwinden. Die Unterstützung der Eltern war in dieser Zeit von großer Bedeutung. Sie schrieben viele Briefe an den Bürgermeister, den Minister und sogar den Präsidenten.

Bald bekamen wir zum Glück finanzielle Unterstützung von der "Stiftung für die Ermutigung der Kinderentwicklung", die im Jahr 2000 von einer Bank und einem Versicherungsunternehmen in Maribor gegründet wurde und uns nun schon im sechsten Jahr ein Drittel der laufenden Kosten gibt.

Obwohl wir eine Schule wollten, war diese Initiative zunächst zu schwach. Der Kindergarten aber wurde von Tag zu Tag stärker. Dennoch fing auch er illegal an. Offiziell hatten wir nur Spielstunden. 19 Eltern waren zu jeder Zeit bereit, ihre Kinder im Falle einer Inspektion abzuholen...

2001 erfüllte unser Kindergarten dann alle auferlegten Bedingungen und durfte nun auch öffentliche Zuschüsse bekommen. Der Bürgermeister selbst eröffnete am 17. Mai unseren Waldorfkindergarten als ersten privaten Kindergarten der Stadt - in von der Stadt zur Verfügung gestellten Räumen. Zu dieser Zeit hatten wir schon das dritte Jahr zwei Kindergruppen...

Was lange währt...

Mit dem Schulministerium waren wir ebenfalls schon seit 1999 im Gespräch. Jedes Jahr gingen wir mit einem Haufen von Dokumenten ans Ministerium und machten Vorschläge, wie unsere Schule im Rahmen der Gesetzgebung arbeiten könnte - jedesmal wurde es abgelehnt. Dann wurde das ganze staatliche Schulsystem von acht auf neun Jahre umgestellt, und wieder waren ganz neue Konzepte nötig. Dann endlich, im Januar 2003, wurde das Programm für die Waldorfschule genehmigt.

Darauf besprachen wir mit dem Ministerium die Möglichkeit, eine Waldorfschule in Maribor als Zweigstelle der Schule Ljubljana zu eröffnen (die bis heute einzige offiziell genehmigte Privatschule Sloweniens, die damals als "Experiment" beginnen durfte). Es dauerte aber noch weitere zwei Jahre, bis dieser Weg 2005 formell möglich war. Am 2. September 2005 wurde die zweite Waldorfschule Sloweniens eingeweiht – als Zweigstelle der ersten.

Schon im Schuljahr zuvor hatten Eltern von sechs Kindern diese in Ljubljana eingeschrieben, während sie tatsächlich in Maribor im Büro des Kindergartens unterrichtet wurden – von der aus Witten-Annen zurückgekehrten jungen Waldorflehrerin Janja Babic Kurbus...

Heute haben wir 12 Zweitklässler und 14 neue Erstklässler. Nach diesen langen Jahren strahlt nun eine neue Bildungsidee aus ins Land, und wir wissen, daß unsere Fürsorge, Verbundenheit und unser reines Bewußtsein ihre Früchte tragen werden.

Ica Marušic (übers. hn)

Und Janja Babic Kurbus berichtet aus ihrer zweiten Klasse:

"Als junge Lehrerin stieß ich auf viele Probleme, aber auch viel Freude. Ich entschloß mich für ein `bewegliches Klassenzimmer´. Das ist für Slowenien ganz neu, aber ich fühlte diese Form als meine. Mit Hilfe der Eltern bekam ich sechs Bänke und die Kissen. Auch die Großmütter waren eine große Hilfe, als ich sie zum Handarbeitsunterricht einlud! Überall leuchtende Augen...

Heute hatten wir Mathematik, das Lieblingsfach meiner Schüler. Da wurden die Zahlen gesprungen und tüchtig gerechnet. Dann packten wir wieder die Farbstifte aus, die uns die `Nikolaus-Schule´ in Graz geschenkt hat – so heißt sie bei den Kindern. Zum Frühstück gab es leckeres Brot mit Marmelade, die ein Kind mitgebracht hat. Dann wurde eifrig mit Seilen gespielt und gehüpft. Ein Junge fing an zu zählen: Neunundzwanzig, zehnundzwanzig, elfundzwanzig... Alle lachten und fingen an mitzuzählen.

Ich muß immer wieder feststellen, es ist ein Geschenk, eine Waldorflehrerin zu sein. Und es ist wunderschön zu wissen, daß man Unterstützung von Schulen aus dem Ausland hat. Danke, liebe Nikolaus-Schule, danke an alle Freunde!"